Simons skandalöser Schulauftritt & ein zu charismatischer Hermann Göring
Shownotes
Simon hat die vergangene Woche in Köln verbracht und hat unter anderem einen kleinen Eklat bei einer Debatte an einem Gymnasium ausgelöst (es ging um Israel). Außerdem war er in einem grässlichen, zynischen Theaterstück über die “Geschichte des Kommunismus”, das genau nichts von Wert zu sagen hat. Viel Liebe an Köln, aber die beiden Sachen waren’s irgendwie nicht.
Währenddessen hat sich Ole in den vergangenen Tagen mit der phoenix runde, mit Adrian Daubs neuem Buch über Silicon Valley, mit dem “Nürnberg”-Film, mit dem 4,5h-Höcke-Podcast und mit “Plötzlich Prinzessin” beschäftigt. Diese Dinge eint unter anderem ein völliges Desinteresse an Ökonomie und dessen Macht sowie ein Verlangen danach, richtig deftig beherrscht zu werden. Das alles und noch viel mehr diese Woche bei Aufrechte Demokraten!
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00:00:00: Sehr schön. Hallo Simon. Sehr schön. Hallo, lieber Ole. Wo erreiche ich dich?
00:00:06: Ich bin wie immer zu Hause.
00:00:08: Ich dachte, du sagst sowas Richard-David-Precht-mäßiges.
00:00:13: Ja, Markus, ich bin in meiner Keminate. Ich würde niemals mein Zimmer eine Keminate nennen.
00:00:18: Aber das ist mittlerweile auch so ein bisschen Richard-David-Precht-coded.
00:00:22: Wie stehst du eigentlich zu Richard-David-Precht? Ich habe dich noch nie zu
00:00:25: Precht gefragt, glaube ich. Ich finde, das Beste an ihm ist sein zweiter Vorname.
00:00:31: Da hast du dir aber die Antwort gut zurechtgelegt. Das ist nicht das erste Mal,
00:00:34: dass ich das gefragt habe. Wie aus der Pistole geschossen.
00:00:37: Nein, ich finde unironisch, das Buch von ihm und Harald Welser über die vierte
00:00:42: Gewalt damals fand ich sehr gut und fand ich vor allem sehr mutig.
00:00:47: Und das meiste, was sie da geschrieben haben, fand ich auch richtig.
00:00:52: Und ich würde sagen, mit weiterem Verlauf der Zeit haben sich die meisten Thesen
00:00:57: über die Medien und wie sich die Medien selber sehen, nämlich tatsächlich einfach als vierte Gewalt,
00:01:04: die durchaus auch die Ziele des Staates teilen,
00:01:08: nur noch mehr bewahrheitet.
00:01:10: Aber ansonsten muss ich sagen, also die anderen Bücher von ihm sind mir so ein bisschen egal.
00:01:15: Also ich habe so ein paar früheren Bücher von ihm gelesen, wo es ja mehr so
00:01:19: um so Philosophiegeschichte geht und der eigene Input von ihm ist halt,
00:01:25: vernachlässigbar, sondern es ist einfach eine Geschichte von Philosophie und
00:01:29: das kann man lesen, aber dafür muss man nicht Richard David Precht lesen.
00:01:34: Das würde ich sagen, mein Take zu ihm.
00:01:36: Ich finde ja eigentlich Richard David Precht nur interessant in Bezug auf Lanz
00:01:40: und da würde ich fast sagen, dass er Lanz ganz gut getan hat.
00:01:44: Ich bin von den politischen Positionen von beiden jetzt natürlich naturgemäß
00:01:48: nicht so überzeugt, aber ja,
00:01:52: Ja, er tut ihm, glaube ich, gut. Manchmal rüttelt er ihn so ein bisschen auf.
00:01:55: Das finde ich nicht schlecht.
00:01:57: Weil bei Lanz ist ja viel Hit and Miss. Ja. Und das ist besser, je krawalliger der ist.
00:02:05: Deswegen ist so ein Podcast, glaube ich, gar nicht so schlecht.
00:02:06: Der wird ein bisschen aufgebürstet.
00:02:09: Also wir brauchen ja eigentlich alle einen Richard David Precht,
00:02:11: der uns manchmal wachrüttelt.
00:02:12: Und die Frage ist, wer ist dein Richard David Precht, lieber Ole?
00:02:20: Markus Lanz.
00:02:24: Nein, das ist ja wirklich diese... Also, ich werde auch gleich drüber reden,
00:02:30: also über meine Hassliebe zu Talkshows.
00:02:32: Ja, achso, okay. Ja, ich bin sehr gespannt auf dein Thema.
00:02:37: Apropos Thema, lass uns mal rein starten. Ich habe wirklich ganz fantastische
00:02:41: Sachen mitgebracht. Ich habe so mehrere Sachen, die so ein bisschen so ineinander greifen.
00:02:45: Und da hangeln wir uns jetzt durch.
00:02:48: Ich bin immer noch in Köln und ich habe die letzte Woche in Köln hier verbracht,
00:02:53: und du bist jetzt leider nicht in Köln im Vergleich zur vergangenen Folge,
00:02:58: die wirklich ganz fantastisch ist.
00:02:59: Aber ich bin immer noch komplett begeistert von der vergangenen Folge,
00:03:02: die wir aufgenommen haben. Aber keine Sorge, es wird jetzt nicht immer nur eine
00:03:05: Stunde und 40 oder wie lange die dauert.
00:03:06: Das war wirklich die Ausnahme. Wir wollen heute unter einer Stunde bleiben.
00:03:10: Aber es hat sich gelohnt. Die Folge ist fantastisch.
00:03:13: Und ja, genau. Auf jeden Fall, ich bin immer noch in Köln und habe dementsprechend
00:03:16: einiges in Köln erlebt und davon möchte ich berichten. Ich habe nämlich zwei
00:03:20: Sachen erlebt, die so ein bisschen auch ineinander greifen.
00:03:24: Eines am Mittwoch und eines am Freitag.
00:03:28: Und ich fange ganz chronologisch bei der Sache am Mittwoch an.
00:03:34: Da war ich nämlich an einem Gymnasium unterwegs.
00:03:36: Für einen Auftritt eingeladen in der Innenstadt von Köln und ich habe darüber
00:03:41: schon ein Video gemacht über die skurrile Erfahrung, die ich da machen durfte.
00:03:47: Aber das ist ja immer nur verkürzt. Das ist immer nur verkürzt.
00:03:50: Du wirst jetzt eigentlich.
00:03:54: Alles erfahren. Davor möchte ich aber apropos Auftritte was sagen.
00:03:59: Und zwar, ich habe in den nächsten sechs Wochen sehr viele Auftritte und vielleicht
00:04:05: lohnt es sich jetzt einfach nochmal mal kurz durchzugehen, so am Anfang vom
00:04:08: Podcast, dass ihr alle auch mitbekommen, ich habe das schon auf Instagram gepostet,
00:04:11: dass man so einen kleinen Überblick hat, wo ich in der nächsten Zeit bin.
00:04:14: Ich bin in nächste Woche, oder wenn ihr das hört, diese Woche,
00:04:19: 15. Mai bin ich in Berlin auf dem Marx-is-muss-Kongress und spreche über Links sein und Coolness.
00:04:25: Ich bin am 16. Mai, einen Tag später, in Halle und diskutiere da unter anderem
00:04:30: mit Leuten von der Linksjugend Solid über die Zukunft der Linkspartei. Ich bin am 18.
00:04:35: Mai, zwei Tage später, in Mainz an der Johannes-Gutenberg-Universität und halte
00:04:40: da einen Vortrag mit anschließender Diskussion über Militarisierung in Deutschland.
00:04:44: Ich bin zwei Tage später am 20.05. in Berlin auf der Republika und spreche da
00:04:50: auf einem Panel über Jugendbeteiligung und Zukunft.
00:04:52: Und Spoiler, es wird auch über Wehrdienst und Aufrüstung gehen.
00:04:55: Ich bin zwei Tage später am 22.
00:04:57: Mai in Greifswald beim Schulstreik gegen die Wehrpflicht und spreche da über...
00:05:03: Die Wehrpflicht? Man will es kaum glauben. Ja, ich bin sechs Tage später in Hamburg am 28.
00:05:10: Mai beim sogenannten Streitraum der Heinrich-Böll-Stiftung, wo ich mit einer
00:05:15: Person, deren Namen mir entfallen ist, über die Wehrpflicht streite.
00:05:20: Ich bin 11. Juni in Hamburg erneut und debattiere bei der Linkspartei dort mit
00:05:28: Marius Lange über Aufrüstung.
00:05:30: Marius Lange ist der 17-jährige junge Union-Typ, der auch bei Markus Lanz saß
00:05:34: mit Ole Nümern, falls die geneigten Zuhörerinnen sich erinnern.
00:05:39: Ich bin zwei Tage später am 13.
00:05:41: Juni in Berlin beim Take Back the Future Kongress vom SDS und diskutiere da
00:05:47: auch über die Schulstreiks und über deren Strategie und so weiter. Ich bin am 19.06.
00:05:52: In Münster bei der Langen Nacht der Bildung und halte einen gemeinsamen Vortrag
00:05:56: mit Renate Dillmann und Joanna Georgi über Aufrüstung und Krieg. Und ich bin am 23.
00:06:03: Juni in Lokum bei der Evangelischen Akademie und diskutiere da über Krieg und Medien.
00:06:10: Und das sind dann erstmal die Auftritte für Mai und Juni und dazwischen natürlich
00:06:14: jede Menge Streams auf Twitch und Videos.
00:06:16: Und ich freue mich, das wird richtig, richtig fett,
00:06:19: Geil. Hey, Simon, ich freue mich mega für dich. Es sind richtig viele Auftritte.
00:06:23: Meine Güte. Ich bin ja Bahncard 100 Influencer.
00:06:27: Und ich würde sagen, es steht wirklich bald an. Es steht einfach an.
00:06:32: Es steht bald an. Es ist einfach geil. Es ist, ja. Aber schon auch deine erste Klasse, ne?
00:06:38: Gut. Ich wollte nur eine Sache sagen. Ich bin am 13.05.
00:06:44: In Frankfurt und werde da eine kleine Show machen.
00:06:48: Übermännlichkeit, über mein Buch, brutal vergehende Typen. Also wenn ihr in
00:06:50: Frankfurt seid am Mittwochabend, kommt ins junge Literaturhaus.
00:06:54: Da wäre ich dann auch zu sehen.
00:06:56: Kommt dahin und wenn ihr was über Männlichkeit hören wollt, dann geht es so Ole.
00:07:02: Und wenn ihr was über die Übermännlichkeit.
00:07:07: Hören wollt, okay, ihr seht das nicht, aber ich Simon zeigt gerade Bizeps.
00:07:11: Meine Oberarme in die Kamera. Nein.
00:07:13: So, gut. Dann Militär, gell? Ah ja, klar.
00:07:16: Ja, ich bin Wehrpflicht. Ich muss wehrhaft werden. Dafür gehe ich ins Gym.
00:07:21: Herr Pistorius hat uns das gesagt.
00:07:23: Also mache ich das. Ganz einfach. Ganz einfache Geschichte. Aber es geht ja
00:07:26: jetzt schon weiterhin um die Wehrpflicht.
00:07:27: Es geht schon um die Wehrpflicht. Es geht nämlich um einen Auftritt am Mittwoch,
00:07:31: den ich hatte vor wenigen Tagen in Köln in einem Gymnasium.
00:07:34: Und da habe ich nämlich diskutiert mit dem Juso-Vorsitzenden von Köln und mit
00:07:41: einer Person aus dem erweiterten Junge-Union-Vorstand NRW.
00:07:47: Und diese Person ist auch Angehöriger der Bundeswehr.
00:07:50: Und ich glaube, wenn ich mich richtig erinnere, war er oder ist er bei der Militärpolizei,
00:07:55: also bei den Feldjägern sind es, glaube ich.
00:07:59: Und also die, die dich holen würden. Die, die mich holen würden, so.
00:08:04: Und dann saßen wir da auf der Bühne in der Aula und es waren so knapp,
00:08:08: würde ich sagen, 200 SchülerInnen im Publikum aus, würde ich sagen,
00:08:13: zwischen 16 und 18 und ein paar wenige, die jünger sind, also aus niedrigeren Jahrgangsstufen.
00:08:19: Und das war von den SchülerInnen selbst organisiert. Also es war nicht quasi
00:08:23: von der Schule, sondern ich glaube, es war von tatsächlich der Schülerschaft
00:08:26: oder der Schülerzeitung organisiert.
00:08:29: Und ich meine, ich hatte solche Debatten schon mittlerweile sehr häufig und
00:08:34: auch mit Bundeswehrangehörigen.
00:08:36: Und deswegen kenne ich die Argumente eigentlich relativ gut.
00:08:41: Und es ist immer dann aber so ein bisschen eine Challenge, vor SchülerInnen
00:08:45: zu diskutieren, weil man da halt einfach nicht voraussetzen kann,
00:08:49: dass die diese ganze Terminologie alle verinnerlicht haben und dass die alle
00:08:53: komplett im Argument drinstecken.
00:08:55: Was heißt nochmal Terminologie? die in den Begrifflichkeiten.
00:09:00: Ja, das war schon wieder... Aber es geht genau darum.
00:09:04: Du musst ja sozusagen mit SchülerInnen oder einfach jüngeren Menschen komplett
00:09:09: deine Vokabeln auch einfach austauschen.
00:09:11: Total, total. Weil so viel einfach nicht mehr stattfinden kann.
00:09:14: Analogie ist halt schon...
00:09:16: Ja, und das war schon auch eine Challenge und ich habe auch gemerkt,
00:09:19: dass meine anderen beiden Mitdiskutanten da einfach auf einer,
00:09:24: die waren auf einer ganz anderen, sag ich mal, lexikalischen Flughöhe unterwegs.
00:09:31: Also haben sie passender gesprochen? Nee, viel weniger passend, viel weniger passend.
00:09:35: Also die haben, glaube ich, nicht ganz gecheckt, wo die da sind und ich habe
00:09:39: wirklich versucht, die Talking Points ein bisschen schülergerecht zu verpacken.
00:09:43: Also, ein Angriff von Russland steht nicht bevor.
00:09:48: Deutschland rüstet auf, um seine politischen und wirtschaftlichen Interessen
00:09:53: in der Welt mit Gewalt durchzusetzen.
00:09:56: Und wir können uns jetzt alle hier schön darüber diskutieren,
00:10:00: das würden wir und ab wann wollen wir und für was kämpfen wir eigentlich und
00:10:04: würdet ihr für Deutschland kämpfen, findet ihr Deutschland cool. Aber es ist alles egal.
00:10:09: Es ist alles egal, vergesst es, sondern der Staat beantwortet diese Frage für euch.
00:10:14: Der Staat beantwortet diese Frage in dem Sinne, dass er nämlich sagt,
00:10:17: ich bin es wert, verteidigt zu werden und im Zweifelsfall werden wir euch dafür
00:10:21: gegen euren Willen Zwangs rekrutieren.
00:10:24: Und dann habe ich so meine Punkte gemacht und ich fand das auch eigentlich ganz
00:10:28: gut. Und ich hatte mich natürlich auch ein bisschen vorbereitet.
00:10:31: Und dann habe ich gemerkt oder habe ich herausgefunden, dass der JU-Angehörige
00:10:38: und der JU-slash-Bundeswehrangehörige ein sehr starker,
00:10:43: Israel-Fan ist und das auch auf seinen sozialen Medien vor sich her trägt.
00:10:48: Mit zum Beispiel so Militär, so Dog-Tags, diese Militäranhänger wirklich von
00:10:52: der IDF trägt, also Abscheulichkeiten, wie man sie im Jahre 2026 eigentlich
00:10:58: nicht mehr für möglich halten könnte.
00:11:02: Und dann dachte ich mir... Oder Ende letzten Jahres oder so.
00:11:09: Also wirklich unfassbar.
00:11:10: Und dann dachte ich mir so, das ist ein Punkt, der lohnt es, gemacht zu werden,
00:11:16: vor allem vor jungen Menschen, weil ich würde sagen, bei jungen Menschen kann
00:11:20: man sich relativ sicher sein, viele von denen wurden eben mit Bildern aus dem
00:11:24: Völkermord in Gaza politisiert und wenn man da politisch punkten möchte,
00:11:28: dann ist Opposition zu dieser Regierung in Israel oder zu diesem Staat und zu
00:11:35: den Taten von diesem Ethno-Staat ist wahrscheinlich eine gute Strategie.
00:11:39: Und dann hat dieser Bundeswehrtyp irgendwann angefangen, von den Werten zu reden
00:11:43: und dem westlichen Friedens- und Freiheitsprojekt, was eigentlich das Großartigste
00:11:47: ist, was die Menschheit je gesehen hat.
00:11:49: Und dann dachte ich mir so, ja, perfekter Moment, um da mal zu fragen,
00:11:52: was es denn für Werte sind.
00:11:53: Und dann habe ich gesagt, ja, hier, liebe Schülerschaft, wenn es um Werte geht,
00:11:59: dann hat mein Mitdiskutant ganz besondere Sachen zu sagen und ganz besondere Ansichten.
00:12:04: Und da hast du einfach die Moderation gespielt. So, ein bisschen.
00:12:08: War moderne? Ja, genau, es waren zwei SchülerInnen.
00:12:12: Die haben das gemacht und das war auch ziemlich gut, das war richtig cool.
00:12:15: Und die haben sich richtig Mühe gegeben.
00:12:18: Und dann habe ich so gesagt, wenn es um Werte geht, apropos Werte,
00:12:24: und dann habe ich gesagt, hier, Gaza, ihr habt das alle mitbekommen,
00:12:28: weit über 100.000 Tote, faschistoide Regierung begeht einen Völkermord.
00:12:32: Und das mit Programm und das bedeutet, die westlichen Werte,
00:12:36: für die wir hier kämpfen, sind im Zweifelsfall halt einfach nichts wert.
00:12:40: Oder die werden immer nur vor sich her getragen, wenn es einem in den Kram passt
00:12:43: und dann beruft man sich darauf und bei den eigenen Verbündeten beliefert man,
00:12:48: die eigenen Verbündeten beliefert man dann noch mit Waffen, um diese Werte quasi
00:12:52: in den Ruinen oder in Schutt und Asche zu bomben.
00:12:59: Und dann, das war so gegen Ende der Diskussion, und dann habe ich gesehen,
00:13:04: wie eine Gestalt aus dem hinteren Teil der Aula nach vorne läuft, sehr zügig.
00:13:10: Und das war die Schulleitung.
00:13:13: Und dann ist die Schulleitung auf die Bühne, schnurstracks, und hat sich ein
00:13:17: Mikrofon beschnappt und hat gesagt, sowas in die Richtung Austausch und Debatte schön und gut,
00:13:24: aber das kann er so nicht stehen lassen. Israelkritik,
00:13:29: Ist wichtig und richtig, aber dass man hier von einer faschistoiden Regierung
00:13:33: spricht, das kann er so nicht stehen lassen, dafür steht diese Schule nicht
00:13:38: und das wollte er nur gesagt haben.
00:13:40: Und ich war wirklich, also ich war komplett baff, sowas habe ich noch nie erlebt.
00:13:44: Also ich hatte schon wirklich viele Live-Auftritte, viele Bühnen und Sachen,
00:13:48: noch nie habe ich so eine Ungeheuerlichkeit erlebt.
00:13:52: Und ich hatte im Vorhinein auch gefragt, wird das gefilmt? kann ich das im Nachhinein
00:13:58: verwenden, die Footage, weil ich bin ja immer noch Influencer, ich lebe von Content.
00:14:02: Und dann wurde mir gesagt, ja klar. Und dann war da eine Kamera,
00:14:05: wir hatten Mikrofone, alles super, super Technik.
00:14:08: Und dann wurde mir direkt im Anschluss von dem Schüler, mit dem ich vorher auch
00:14:14: Kontakt hatte, der das quasi organisiert hat, hat mir dann direkt im Anschluss
00:14:17: gesagt, ja, wir mussten die Aufzeichnung jetzt löschen.
00:14:22: Also die Aufzeichnung existiert jetzt nicht mehr, die wurde komplett erased
00:14:25: und die wird nicht das Licht der Öffentlichkeit erblicken,
00:14:29: und ich meinte nur so warum und er hat so naja, sagen wir mal,
00:14:34: viele sagen mit den Axeln gezuckt und das schon echt,
00:14:38: das schon echt wirklich extrem verrückt Musst du danach noch die Hausordnung abschreiben?
00:14:44: Ich war wie in dem Simpsons Intro Bart Simpson, wie er so.
00:14:49: Tausendfach auf die Tafel schreibt Also ne, ich musste mich Ich musste mich
00:14:54: auch dann nicht noch öffentlich zur deutschen Staatsräson bekennen,
00:14:57: aber ich fand das so, also es war einfach unfassbar und ich meine,
00:15:01: ich habe das auch in meinem Video, was ich darüber gemacht habe, gesagt,
00:15:04: kurz bevor ich da diese wirklich komplett banalen Fakten über Israel und Gaza
00:15:10: gedroppt habe, hat dieser Bundeswehrangehörige auf eine Frage von einer Schülerin
00:15:15: hin über Frauen in der Bundeswehr,
00:15:18: also wie es quasi für junge Frauen karrieretechnisch in der Bundeswehr aussieht.
00:15:23: Hat er gesagt, ja, also seiner persönlichen Erfahrung nach sind Frauen,
00:15:29: gerade auch Frauen in der Bundeswehr, eine sehr wertvolle Ressource.
00:15:33: Und dann hat der Saal so angefangen zu lachen und ja, er hat so ein bisschen nach Luft geschnappt,
00:15:42: ungläubig, und dann hat er das auch so gemerkt und hat dann so gesagt,
00:15:45: er hat sich verteidigt und meinte, ja, ich weiß jetzt gar nicht,
00:15:49: was ihr habt, das ist so eine ganz normale Wortwahl fürs Militär und so und
00:15:53: Ressource und so weiter. Ja, aber Ressource ist ja auch was in einem pädagogischen Sinne.
00:15:56: Man sagt, die Leute bringen Ressourcen mit, dann kann man ja auch von Kompetenzen oder so reden.
00:16:03: Ja, aber da geht es ja nicht um die Kompetenzen, die Leute mitbringen,
00:16:05: sondern die Leute sind im Prinzip die Ressource und nicht das,
00:16:08: was sie eben mitbringen.
00:16:10: Und ich meine, im Kontext vom Militär hat es halt dann doch nochmal einfach
00:16:14: einen anderen Beigeschmack, weil es da eben dann nicht um sowas wie Human Resources, also klar,
00:16:20: die meisten Firmen oder große Unternehmen haben eine Human Resources Abteilung, so, Humankapital.
00:16:27: Aber ich finde, es ist dann doch nochmal was anderes, wenn ein,
00:16:30: keine Ahnung, wenn KPMG von Human Resources redet und es da halt um die Mitarbeiter
00:16:35: in irgendeiner Controlling-Abteilung geht oder um ein Militär.
00:16:39: Dann müsste eigentlich kommen, wenn sie Ressourcen sagen, meinen sie dann Verbrauchsmaterialien
00:16:43: oder Gebrauchsmaterialien?
00:16:45: Ja, und da kam kein Schulleiter auf die Bühne.
00:16:49: Also das ist anscheinend akzeptable Sprache, die man vor 200 minderjährigen
00:16:53: Schülerinnen und Schülern verwenden kann.
00:16:56: Und die banalsten Fakten über die israelische Regierung und den Staat Israel
00:17:02: und die Aktivitäten, die dieser Staat so betreibt, zu benennen,
00:17:06: das ist anscheinend Grund, die Bühne zu kapern und das zu widerrufen.
00:17:12: Ja, vor allem auch... Und dann eben dafür zu sorgen, dass halt auch einfach
00:17:15: diese Aufzeichnung gelöscht wird. Also es ist so absurd. Das auch, aber ich meine...
00:17:19: Da kann ja auch einfach das Panel
00:17:21: selber reagieren. Also warum wird den Mitdiskutanten die Chance genommen,
00:17:25: dann nicht entsprechend Einwand zu erheben, insbesondere wenn der junge Union-Typ
00:17:29: so sehr pro-israelisch ist, dann wäre das doch eigentlich seine höchste Pflicht
00:17:34: gewesen, ethisch, politisch, weltanschaulich, zu sagen, so geht es nicht. Und das ist auch okay.
00:17:38: Also er kann das ja sagen auf einem Panel, dafür sind ja Panels da. Ja, ja.
00:17:43: Naja, und ich fand... Wie haben die SchülerInnen im Nachhinein reagiert darauf?
00:17:46: Also ich war tatsächlich überrascht, ich hatte sehr viele,
00:17:51: also ich war erstens davon überrascht, dass die Leute waren scheinbar sehr unvoreingenommen,
00:17:59: das heißt die haben manchmal bei mir geklatscht, also sehr viele,
00:18:03: sehr frenetisch, manchmal bei den Bundeswehrtypen.
00:18:05: Dieser Juso-Typ, der war immer so ein bisschen in the middle und der hatte bei
00:18:10: allem irgendwie so, ja, du hast ein bisschen recht und du hast ein bisschen recht.
00:18:14: Und das heißt, die beiden, sag ich mal, in Anführungszeichen,
00:18:17: extremen Positionen von mir und dem Bundeswehrtypen, die haben irgendwie,
00:18:21: also ich hatte das Gefühl, das waren auch die gleichen Leute,
00:18:23: die dann manchmal geklatscht haben.
00:18:24: Also es war wie so Leute, die so reingehen und sich einfach mal überzeugen lassen.
00:18:28: Und fanden dann manchmal... Aber das ist doch eigentlich auch das Erfrischende,
00:18:31: wenn man mit jungen Menschen spricht, weil sie eben noch nicht so die Orientierung
00:18:35: haben und dann einfach mal rein und einfach mal loslegen.
00:18:38: Ja, wobei ich fände es natürlich schon einfach ermutigender,
00:18:41: wenn die halt einfach alles, wenn das alles stabile... Du, Simon,
00:18:44: natürlich, aber dann kannst du auch einfach in deinen Karl-Marx-Lesekreis gehen. Ja, ja, ich weiß.
00:18:50: Ja, ich weiß doch. Deswegen finde ich es besonders gut, dass du das machst,
00:18:53: wenn du auch in Schulen gehst. Ich finde es auch sehr wichtig.
00:18:56: Ich habe danach auch viele nette Kommentare bekommen, also von SchülerInnen,
00:19:01: die da da waren. Unter anderem hatte eine Schülerin auch unter meinem Video
00:19:04: dann kommentiert, dass sie, nachdem der Schulleiter das gesagt hatte,
00:19:08: dass sie reingerufen hat, das ergibt ja nicht mal Sinn.
00:19:10: Und das habe ich auch gehört und ich wusste nicht, ob sie das quasi auf das,
00:19:13: was ich gesagt hatte, bezieht oder auf das, was der Schulleiter gesagt hatte,
00:19:16: aber anscheinend auf das, was der Schulleiter gesagt hat.
00:19:19: Und das fand ich dann doch sehr ermutigend, dass viele Leute da dann doch,
00:19:25: sag ich mal, Sehenden verstanden, dass durch die Welt gehen.
00:19:29: Und das war auch sehr süß. Einer aus dem Publikum kam direkt danach zu mir,
00:19:33: also direkt nachdem wir quasi aufgestanden sind von unseren Sesseln auf der
00:19:37: Bühne, kam direkt zu mir und meinte, also es klingt jetzt wie eine Geschichte
00:19:39: aus dem Paulaner Garten, aber es stimmt echt.
00:19:41: Dann kam sie zu mir und hat mir so die Hand gereicht und war so Free Palestine.
00:19:47: Das war richtig cute. Süß. Wie so eine Begrüßung.
00:19:52: Also auch so die Hand geschüttelt und das war so Free Palestine.
00:19:57: Und ja, das hat mir aber dann doch nochmal irgendwie vor Augen geführt,
00:20:00: also was heißt vor Augen geführt, das ist ja eigentlich klar,
00:20:02: aber dass Schulen einfach keine neutralen Lerninstitutionen sind.
00:20:05: Also das sind keine Institutionen, wo Schülerinnen und Schüler hingehen und
00:20:09: quasi zu freidenkenden,
00:20:12: universalistisch, irgendwie so humanistisch gebildeten Menschen,
00:20:16: die sich quasi zu allem freie Meinung bilden, heran erzogen werden,
00:20:19: sondern Schulen finden schon im Kontext von einem staatlichen Kapitalismus statt,
00:20:23: wo die jungen Menschen eben auch geformt werden in eine gewisse Richtung.
00:20:28: Aber du warst ja da eingeladen. Aber ich war eingeladen, aber eben nicht auf
00:20:31: Anraten wahrscheinlich der Schule, sondern auf Anraten von den engagierten Schülerinnen
00:20:35: und Schülern, die mich wahrscheinlich mehr mögen als die Schulleitung.
00:20:40: Und dass jemand wie ich dann halt da sitzt und Sachen sagt, die den Staatszielen
00:20:46: nicht ganz so entsprechen,
00:20:48: ist dann halt einfach ein riesiger Störfaktor für den Auftrag der Schule,
00:20:53: da im Prinzip, überspitzt gesagt, Staatsbürger in Uniform und Grundgesetzpatrioten heranzuzüchten,
00:21:01: die sich mit diesem Staat und der Art und Weise, wie dieser Staat sich wirtschaftlich
00:21:06: reproduziert, zu identifizieren.
00:21:09: Und deswegen finde ich das auch wichtig,
00:21:12: dass ich das mache und deshalb möchte ich es auch gerne weitermachen,
00:21:15: weil Schulen eben ein ganz wichtiger Ort sind für eine Politisierung,
00:21:20: die nicht in so eine bescheuerte Richtung geht.
00:21:22: Das heißt, wenn ihr hier gerade zuhört und ihr an einer Schule arbeitet oder
00:21:26: an einer Schule seid, dann schlagt mich doch mal vor als Gast, ladet mich ein.
00:21:32: Und das ist quasi der erste Teil von dem, was ich sagen will,
00:21:36: über meine Woche hier in Köln.
00:21:38: Ich hatte nämlich noch ein anderes Erlebnis Und davon möchte ich ganz kurz berichten,
00:21:42: weil ich glaube, das auch in dein Thema, so ich das verstanden habe, ganz gut überleitet.
00:21:47: Und zwar war ich, wir nehmen Sonntag auf, also war ich vorgestern am Freitag, dem 8.
00:21:52: Mai, in einem Theaterstück in der Abschlussinszenierung von der Theaterakademie in Köln.
00:22:01: Und die Personen, die da hingehen, das war quasi deren Abschlussinszenierung
00:22:06: von dem Jahrgang, so wie ich das verstanden habe.
00:22:09: Und das Stück hieß Die Geschichte des Kommunismus und ich war da erstmal,
00:22:16: positiv gestimmt war erstmal so, ach, das kann ja ganz nett werden und dann
00:22:21: kann ich da auch mal ein bisschen Fact checken, gucken, ob da ob sie da Käse
00:22:27: reden aber ich war erstmal positiv gestimmt und ich dachte mir auch so, okay, 8.
00:22:31: Mai 8. Mai ist, es war 81.
00:22:34: Jahrestag von dem Sieg über Nazi-Deutschland von Alliierten und ganz maßgeblich
00:22:40: von der Sowjetunion, dem sozialistischen Staat,
00:22:45: der knapp 30 Millionen Zivilisten und Soldaten verloren hat im Kampf gegen Nazi-Deutschland.
00:22:52: Und ich dachte mir so, es wird sicher cool.
00:22:56: Ich meine, Köln ist jetzt nicht dafür bekannt, irgendwie, keine Ahnung,
00:23:00: eine rechtskonservative.
00:23:02: Stadt zu sein, so. Und dann saß ich da drin und hab mir das zweieinhalb Stunden
00:23:07: angeguckt und ich will jetzt da gar nicht irgendwie über schauspielerische Leistungen
00:23:12: irgendwie Worte verlieren, weil darum geht's mir auch gar nicht.
00:23:16: Oder über die Inszenierung, sondern es geht mir eher so ein bisschen um die,
00:23:20: um den wahnsinnigen Nihilismus und auch irgendwo Zynismus, der da an den Tag gelegt wurde.
00:23:27: Weil in dem Stück geht es nicht um die Geschichte des Kommunismus,
00:23:32: Ich meine, das Stück haben die auch nicht selber konzipiert,
00:23:35: sondern das ist ein existierender Text, den die halt nur interpretiert und inszeniert haben.
00:23:41: Aber es ist so wahnsinnig zynisch, weil es spielt in der Sowjetunion nach Ende
00:23:48: des Zweiten Weltkriegs.
00:23:50: Und es geht um einen Schriftsteller, der in eine Heilanstalt für psychisch Kranke
00:23:57: kommt und denen die Geschichte des Kommunismus beibringt, beibringen soll, also den Kranken dort,
00:24:05: weil man quasi sagt, also die Klinikleitung sagt dann immer, ja,
00:24:09: die haben den Geist vom Kommunismus noch nicht so ganz begriffen und denen muss
00:24:13: man das nochmal erklären.
00:24:14: Und dann sind die ja auch geheilt und so weiter.
00:24:16: Und unsere Geisteskranken sind ja nicht die Geisteskranken aus dem Kapitalismus.
00:24:20: Das wird dann da immer so wiederholt.
00:24:23: Unsere Geisteskranken sind quasi die besseren Geisteskranken,
00:24:26: die mit dem Geist des Kommunismus, mit der Geschichte des Kommunismus geheilt werden.
00:24:31: Und das ist dann die Aufgabe von diesem Schriftsteller, das eben zu bewerkstelligen.
00:24:35: Und dann...
00:24:37: Da dachte ich so, okay, ja, also seltsames Setup.
00:24:42: Und dann geht es eigentlich in dem ganzen Stück nur darum, dass der Sozialismus
00:24:49: ist ja einfach richtig beschissen und hat ja auch nie funktioniert.
00:24:53: Und außerdem, Stalin war ein diktatorischer Massenmörder.
00:24:57: Krass, das habe ich gar nicht gewusst. Ja, genau, das habe ich mir nämlich auch gedacht.
00:25:02: Also ich finde es auch einfach so eine mutige Aussage, dass man wirklich einfach
00:25:06: nochmal ein Stück macht mit dem Titel Die Geschichte des Kommunismus und dann
00:25:11: nochmal sagt, dieser eine Typ, der war schon ein richtiges Schwein,
00:25:14: der hat schon richtig viele Leute umgebracht.
00:25:16: Dann würde ich sagen, alles korrekt, alles korrekt, gar keine Einwände.
00:25:22: Aber ist das wirklich, also ist das die Aussage, die man im Jahre 2026 noch
00:25:28: auf deutschen Bühnen sehen muss? Mit dem Titel Die Geschichte des Kommunismus.
00:25:36: Also Tag quasi vom Sieg von der
00:25:38: Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Nachfolgestaat des Dritten Reiches.
00:25:44: Nochmal eine Aufführung dafür, darüber, dass im Prinzip nicht nur Stalin,
00:25:48: sondern der Sozialismus als generelle Idee eigentlich das Schlimmste ist,
00:25:53: was die Welt je hervorgebracht hat.
00:25:56: Also gar keine Frage. Und dann gibt es dann wirklich eine Passage,
00:26:00: wo über zehn Minuten lang eigentlich.
00:26:04: Die so eine Analogie bemüht wird darüber, dass quasi ein Flugzeug immer abhebt und dann abstürzt.
00:26:12: Und die Leute, die das quasi betreiben, sagen immer, hey, mit dem Flugzeug stimmt ja gar nichts.
00:26:17: Es sind die Piloten, die das verkackt haben. Oder die Passagiere, die waren falsch.
00:26:22: Oder und so weiter. Und das ist quasi die Analogie dafür, dass der Sozialismus
00:26:25: in den Köpfen der Leute, die den Sozialismus eben durchgeführt oder eingesetzt
00:26:30: haben oder revolutionär herbeigeführt haben, dass die nie an ihrem perfekten
00:26:35: Flugzeug etwas auszusetzen hatten,
00:26:37: sondern immer nur an den Herrscherpersönlichkeiten und so weiter und so fort.
00:26:41: Und das ist einfach nie, das ist so deep, das ist so wirklich,
00:26:46: ich bin 14 und das ist deep.
00:26:48: Also mal abgesehen, und dann geht es auch noch weiter und dann wird da irgendwie
00:26:52: so eine komische, bekommt die eine Person in dem Stück, also eine junge Frau
00:26:57: bekommt von einer älteren Frau in dem Stück.
00:27:01: Wird Anschuldigungen, da werden dann Anschuldigungen erhoben von wegen,
00:27:04: du bist doch so eine, du bist doch zu, ja, du hast Sex mit so vielen Männern,
00:27:10: mit so Schlampen wie dir lässt sich der Sozialismus nie herbeiführen oder so weiter.
00:27:14: Und da denke ich mir so, von allen Sachen, die man den realsozialistischen Staaten vorwerfen kann,
00:27:19: ist eine repressive und moralinsaure Sexualmoral gehabt zu haben oder eine Unterdrückung
00:27:29: von Frauen gehabt zu haben. Also bei allen Punkten.
00:27:32: Das wäre nicht der Punkt, an dem ich anfange, weil wenn man auch der DDR eine
00:27:37: Sache weiterhin zugute halten kann, ist, dass die Gleichstellung von Mann und
00:27:40: Frau relativ konsequent betrieben wurde. Und ich meine, du hast ein Buch gerade
00:27:44: in der Hand. Ich habe ein Buch in der Hand von Kristen R.
00:27:47: Godsey, das heißt, warum Frauen im Sozialismus den besseren Sex haben. Ja, so.
00:27:52: Wo sie auch dafür argumentiert, dass natürlich für eine Befreiung des Sexes
00:27:55: die Gleichstellung der Geschlechter auch ökonomisch und politisch verwirklicht werden muss.
00:28:02: Da waren die sozialistischen Länder in vielerlei Hinsicht belegbar weiter.
00:28:05: Ja, und auch diese Flugzeuganalyse... Also wirklich schlechtes Beispiel.
00:28:09: Ja, diese Flugzeuganalogie ist halt auch total behemmert.
00:28:12: Und dann wird dann noch so, das wurde über so einen Beamer an die Wand gebeamt, quasi dieses Flugzeug.
00:28:16: Und dann ist da noch das Hammer-und-Sichel-Symbol, damit auch noch der letzte
00:28:20: hängengebliebene Zuschauer noch checkt.
00:28:22: Quasi das ist eine Metapher für den Sozialismus.
00:28:26: Und was auch eigentlich ironisch ist, weil ich mir dann so gedacht habe,
00:28:29: Was war eigentlich nochmal der erste Staat, der ein Lebewesen und dann der erste
00:28:34: Staat, der einen Menschen in den Weltraum befördert hat?
00:28:37: Ach so, stimmt, es war die Sowjetunion. Ach so, okay.
00:28:41: Und dieser Nihilismus, also diese wahnsinnig faule Art und Weise,
00:28:50: die Geschichte zu betrachten.
00:28:51: Im Jahre 2026, es ist nicht mehr die McCarthy-Ära, es ist nicht mehr irgendwie,
00:28:56: weiß ich nicht, wir sind nicht im CSU Bayern, wo jede Erinnerung an den Sozialismus
00:29:01: und an den real existierenden Sozialismus mit all seinen Schwächen,
00:29:06: mit all seinem wirklich,
00:29:08: zum Beispiel mit dem unwürdigen Personenkult,
00:29:10: der um Leute wie Stalin dann irgendwann gehegt wurde, mit all den Sachen und
00:29:15: auch den großen Errungenschaften, die diese Staaten erreicht haben.
00:29:19: Eben unter anderem der Fakt, dass sie innerhalb von wenigen Jahren von einem
00:29:24: rückständigen Agrarstaat unter dem Zaren in Russland zu dem Staat wurden,
00:29:30: der die damals am meisten hochgerüstete Armee der Welt, nämlich Nazi-Deutschland,
00:29:34: besiegt hat und so wahnsinnig viele Menschen dabei verloren haben.
00:29:39: Also wie gesagt, knapp 30 Millionen Zivilisten und Soldaten.
00:29:43: Und es ist so anachronistisch, so aus der Zeit gefallen.
00:29:49: Also wer will das heutzutage noch hören,
00:29:54: diese wahnsinnig einfach faule Gesamtabrechnung über den Sozialismus?
00:30:00: Und dann bin ich aus dem Theater raus und ich bin da, das war in der Nähe vom
00:30:04: Kölner Barbarossa-Platz und man läuft an einem... Ach, du warst das mit dem
00:30:08: Molotow-Cocktail an dem Abend in der Lokalpresse gelesen. Quatsch.
00:30:12: Das war meine Begleitung. Und man läuft an einer obdachlosen Person nach der
00:30:18: anderen vorbei und man denkt sich so, gut, dass man jetzt nochmal wirklich darüber
00:30:22: redet, dass der Sozialismus nie immer gescheitert ist und dass er immer schlecht ist.
00:30:26: Und da muss man wirklich nochmal reden, dass er nie funktioniert hat.
00:30:30: Und ich denke mir so, guckt euch die Welt doch an.
00:30:33: Diese Welt schlittert auf allen Ebenen in die Apokalypse rein und man kann durch
00:30:39: keine größere Stadt mehr in den reichsten Ländern der Welt gehen,
00:30:43: ohne am Elend im öffentlichen Raum einfach unterzugehen, wenn man halbwegs empathisch begabt ist.
00:30:50: Und dann, dass junge Menschen, TheaterabsolventInnen, in einer großen deutschen,
00:30:57: eher progressiven Stadt, so wie ich Köln typisieren würde, kann sein,
00:31:01: dass ich auch falsch liege, dass die nochmal wirklich ein Stück machen.
00:31:04: Der Sozialismus und der Stalin, du, das war schon wirklich ein Schwein.
00:31:08: Also ich war komplett fassungslos und das waren jetzt meine beiden Erfahrungen,
00:31:16: die ich in Köln sammeln durfte. eigentlich, mag ich Köln doch sehr.
00:31:20: Es ist eine richtig schöne Stadt. Ich war gestern Abend feiern im Ahrtheater.
00:31:24: Das war richtig cooler Techno. Ich hatte richtig viel Spaß.
00:31:27: Ich war lange weg. Aber die beiden Sachen, die waren's. Die beiden anderen Sachen,
00:31:32: die waren's einfach nicht. Sorry, Westenstand.
00:31:35: Passiert. Ja, ich würde auch eigentlich ein bisschen davon erzählen,
00:31:40: wie meine Woche so war in dem Sinne, als dass ich in vielerlei Hinsicht gescheitert
00:31:45: bin, mich auf die aufrechten Demokraten würdig vorzubereiten.
00:31:49: Und dann habe ich aber in diesem Scheitern eigentlich eine gewisse Kontingenz
00:31:53: erkannt und dachte, ja, jetzt, jetzt, nee, Kontingenz, Kohärenz.
00:31:57: Also zumindest hat es sich zusammengefügt.
00:31:59: Es ist schon ein bisschen spät, mein Gehirn ist nicht mehr ganz da,
00:32:01: aber mein Gehirn war auch in der Woche nicht so ganz da. Ich dachte mir,
00:32:05: gut, ich will nochmal über KI reden.
00:32:08: Das hatte damit zu tun, dass ich so eine Runde gesehen hatte bei Ilna,
00:32:11: also gesehen, dass sie existierte, mit Carsten Wildberger, das ist ja unser
00:32:15: gegenwärtiger Digitalminister, mit Sascha Lobo,
00:32:19: dem wir ja auch schon unsere Bekanntschaft hatten, mit Ranga Yogeshwar,
00:32:21: das ist dieser Fernsehphysiker.
00:32:24: Und dann gab es noch eine Investorin namens Janett von Fürstenberg,
00:32:28: die sah auch ein bisschen aus wie eine von Fürstenberg.
00:32:31: Ich wollte gerade fragen, also da ist ein klangvoller Name.
00:32:34: Ja, die arbeitet halt für so ein Venture-Capital-Fonds, glaube ich.
00:32:40: Und dann haben wir noch eine Juristin vom CDF gehabt, die halt für so Digitales
00:32:43: zuständig war, Sarah Tacke.
00:32:44: Und die haben miteinander gesprochen über KI und ich dachte mir,
00:32:46: ja, ich will mal gucken, was so im deutschen Diskurs so gerade eigentlich geht.
00:32:50: Und leider war das inhaltlich überhaupt nicht ergiebig.
00:32:54: Also, wo ich dachte, hä, irgendwie...
00:32:57: Da hätte man was machen können. Ich meine, Carsten Wildberger war ja selber
00:33:01: auch mal CEO die Jahre jetzt davor, wenn ich mich recht entsinne,
00:33:04: auch in einem Telekommunikationsbereich.
00:33:06: Also hat viele der Entwicklungen relativ nah mitbekommen, eben noch nicht in
00:33:11: der politischen Tätigkeit.
00:33:13: Sascha Lobo, man kann von seinen Tags halten, was man möchte,
00:33:16: aber mit digitalen Themen beschäftigt er sich nun mal auch sehr viel.
00:33:20: Und wenn da eine Investorin und eine Digitaljuristin ist, Also ich hätte mir
00:33:25: einfach erwartet, dass da mehr passiert.
00:33:27: Aber tatsächlich wurde dann immer so ganz salbungsvoll irgendwie von den vielen
00:33:31: Chancen gesprochen, die man haben kann. Und bloß wollte niemand Pessimismus verbreiten.
00:33:36: Und dass es Deutschland doch noch aufholen konnte. Und dann hat Sascha Lobo
00:33:38: nochmal gesagt, dass wir hier die Spitzenforschung in KI haben in Deutschland.
00:33:43: Und dann haben alle, ja, und das ist aber ganz toll gesagt. Und wenn man irgendwie
00:33:46: auf eine der möglichen Gefahren oder negativen Begleitumstände oder so hingewiesen
00:33:50: hätte, dann hatte man sich noch fünfmal entschuldigt vorher,
00:33:52: dass man jetzt nochmal die Laune ein bisschen dämpfen muss. Und selbst Ilna
00:33:54: war schon ein bisschen angesteckt von der guten Laune.
00:33:56: Und ich war so, warum reden wir hier nicht über Ökonomie?
00:34:02: Also wirklich, in dem Sinne, als das, das hatte ich ja auch schon in anderen
00:34:05: Podcast-Folgen gesagt, wenn wir jetzt hier darum reden, dass der Staat bei KI
00:34:11: investieren soll und so weiter, von Summen reden, auf die wir uns anders einstellen müssen.
00:34:16: Also Goldman Sachs geht davon aus, das sind jetzt nicht nur staatliche Summen,
00:34:19: sondern vor allem auch privatwirtschaftliche, aber dass im Jahr 2026 765 Milliarden
00:34:26: US-Dollar in KI gepumpt werden und wenn die Blase jetzt nicht platzen sollte,
00:34:31: gehen sie von einer Billionen aus in 2027.
00:34:34: Das sind Summen, wenn da ein Staat einsteigen möchte und eine KI-Industrie aus
00:34:38: dem Nichts heraus aufbauen möchte.
00:34:41: Ob das jetzt über Militär geht oder über irgendwelche Fonds oder weiß Gott,
00:34:44: was ist ja erstmal egal, da können wir hier mit unserer die schwarze Nullpolitik komplett einpacken.
00:34:51: Es braucht eine komplett andere Wirtschaftspolitik und eine komplett andere
00:34:54: Finanzpolitik, um Investitionen dieser Größenordnungen, wie sie für KI-Industrie
00:34:59: notwendig sind, auch nur ansatzweise zu bewerkstelligen.
00:35:02: Und wir haben jetzt hier noch nicht davon gesprochen, dass die Energiekosten
00:35:05: natürlich auch immens sind.
00:35:06: Also ich meine, hat man ja jetzt gesehen, dass so die Aktien von Samsung Energy
00:35:11: so durch die Decke gegangen sind in den letzten Monaten,
00:35:14: schlicht und ergreifend, weil Datacenter ans Netz gegangen sind,
00:35:17: die aber nicht genug Strom haben und dann werden halt Gasturbinen von Samsung
00:35:20: gekauft, die eigentlich, weiß ich nicht, für irgendwelche Baustellen wahrscheinlich
00:35:23: verwendet werden oder so, aber die jetzt einfach ran müssen, weil die Energie fehlt.
00:35:28: Und solche Themen, solche infrastrukturellen, solche finanziellen Themen hätte
00:35:33: man einfach besprechen müssen und da kam aber gar nichts. Deswegen fand ich
00:35:36: die Runde ziemlich unergiebig.
00:35:37: Und ich habe mich auch deshalb geärgert, weil ich dazu begleitend ein Buch gelesen
00:35:41: habe von Adrian Daub, deutscher Literaturwissenschaftler, der schon seit Ewigkeiten
00:35:45: in den USA lebt und dort als Prof auch lehrt.
00:35:49: Der hat auch einen ziemlich guten Podcast, In Bad with the Rights,
00:35:51: den ich an dieser Stelle empfehlen möchte. Krass, den kannte ich gar nicht.
00:35:55: Ja, das ist wirklich... Ich habe seine anderen beiden Bücher gelesen.
00:36:00: Einmal Cancel Culture, Transfer und Was das Valley Denken nennt.
00:36:05: Und die sind beide wirklich phänomenal.
00:36:07: Super Bücher. Also Was das Valley Denken nennt, fand ich auch ganz großartig.
00:36:10: War ja auch ein ziemlicher Bestseller und ich finde auch zu Recht.
00:36:12: Und jetzt hat er halt wie so den zweiten Teil nachgelegt, was das Valley Herrschen nennt.
00:36:18: Und dann habe ich mir das durchgelesen und das war ein Buch,
00:36:21: was ganz viele sehr kluge und gute Beobachtungen anstellte.
00:36:26: Aber auch hier wieder, wenn wir über Herrschaft reden, dann können wir nicht
00:36:31: nur bei einer Diskursbeschreibung stehen bleiben.
00:36:33: Also was hat wer wie getwittert und was gibt es dann für Implikationen und welche
00:36:37: Ideologie scheint dann durch.
00:36:39: Dann können wir nicht nur auf dieser Ideologie-Ebene verbleiben,
00:36:42: sondern wenn es um Herrschaft geht, dann geht es ja um ganz klare materielle
00:36:46: Hebel der Macht, um eine Herrschaft durchzusetzen.
00:36:49: Und das ist eben eine Frage von Gesetzen, das ist eine Frage von Geld,
00:36:55: das ist eine Frage von Geopolitik.
00:36:57: Und das wird bei Adrian Daub natürlich angedeutet und so ein bisschen anskizziert,
00:37:02: aber in einem Buch, was so zentral um Herrschaft gehen sollte.
00:37:07: Blieb das doch in großen Teilen aus.
00:37:10: Und dabei ist doch gerade die Rolle des Staates also wirklich absolut zentral
00:37:15: in den letzten Jahren immer mehr ich meine,
00:37:17: ich habe dann geguckt, vielleicht schwenke ich das Thema noch dann habe ich
00:37:19: so eine Phönix-Runde gesehen die
00:37:21: war noch viel schlimmer mit so ein paar China-Experten und Tony Hofreiter.
00:37:27: Da habe ich einen Clip gesehen da habe ich einen Clip gesehen,
00:37:29: wo er so meint irgendwie,
00:37:31: dass wir ja irgendwie, also es war kurz eigentlich vor einer Kriegserklärung an China,
00:37:36: was er da gesagt hat. Und dann habe ich gedacht, okay, vielleicht wird ihm ja
00:37:42: irgendwie widersprochen oder so, aber dann waren sich irgendwie alle einig,
00:37:46: dass es ein europäisches Selbstbewusstsein braucht, eine Zukunftsvision oder so.
00:37:51: Das bedeutet für mich eigentlich immer nur eine imperiale Identität als Europäer.
00:37:56: Und am Ende war diese ganze Runde, Entschuldigung für die Sprache,
00:38:00: aber wir sind die tollen Mittelmächte-Kreisgewichse.
00:38:04: Es war unerträglich.
00:38:07: Das ist aber keine kritische Stimme. Weil Imperialismus ist ja immer,
00:38:11: wenn die anderen das machen.
00:38:13: Also das können wir, weil wir sind ja die Guten. Nein, die Demokratien haben
00:38:17: noch nie Kriege geführt. Richtig.
00:38:19: Und Demokratien, auch europäische Demokratien, haben noch nie irgendwas mit
00:38:23: Imperialismus am Hut gehabt.
00:38:26: Wichtig. Auch in den vergangenen 300, 400 Jahren.
00:38:29: Und dann dachte ich mir, scheiße, KI-Thema geplatzt, China-Thema geplatzt.
00:38:34: Ich habe eh von China keine Ahnung. Also bin ich fast froh, dass ich darüber nicht sprechen musste.
00:38:37: Und dann dachte ich, jetzt bleibt mir nichts anderes. Und dann war ich jetzt
00:38:40: am Samstag mit Wolfgang M. Schmidt im Kino.
00:38:44: Wir waren in Limburg und haben uns Nürnberg angeschaut.
00:38:48: Der Film über den Nürnberger Prozess, man will es kaum glauben.
00:38:51: Also auch da wieder, zwei Tage nach dem 8. Mai, einen Tag danach, am 9.
00:38:57: War das, ein würdiger Film, den man sich anschauen sollte.
00:39:01: Regie hat geführt James Vanderbilt. Der hat schon relativ viele Drehbücher geschrieben
00:39:05: und auch viele von diesen Drehbüchern selber unter der Regie verfilmt.
00:39:08: Also Zodiac war glaube ich ganz gut, wenn ich mich da rechne.
00:39:10: Zodiac ist cool, ja. Dann hat er noch White House Down gemacht,
00:39:13: den fand ich schon weniger gut.
00:39:17: Zodiac und White House Down? Ja, ich weiß nicht. Vom gleichen Typen, was?
00:39:22: Oder hat er noch so ein paar Horror-Slasher-Krimi-Sachen gemacht.
00:39:25: Also Scream ist von ihm, Slenderman ist von ihm von 2018 und Murder Mystery.
00:39:31: So, und dann kam halt,
00:39:33: Nürnberg raus. Und Wolfgang hatte schon so, war schon so am Kino und hatte so
00:39:37: ein bisschen gescherzt, ja, ich meine, schon allein das Plakat,
00:39:40: guck mal, und dann steht halt wirklich Nürnberg und unten drunter Russell Crowe ist Hermann Göring.
00:39:46: Und ich war schon so, ach, du Heilige. Also ich meine, ja, Russell Crowe spielt
00:39:51: Hermann Göring, aber es hat so diesen, weißt du, dieses Er ist Hermann Göring.
00:39:55: Er ist Hermann Göring und es hat natürlich diesen Star-Charakter.
00:39:58: Also, so wie würde ich sagen, Simon David Dressler ist Robert Pattinson,
00:40:04: nee, das ist jetzt zwei Schauspieler.
00:40:05: Du weißt schon, wie ich meine. Simon David Ressler ist Cäsar.
00:40:10: Aber auch das, würde ich sagen, ist ja eine komplett adäquate Aussage.
00:40:14: Aber jetzt, wo du es sagst, ich würde tatsächlich im Simon David Ressler Biopic,
00:40:18: was wahrscheinlich 15 Jahre oder so erscheinen sollte, würde ich sagen,
00:40:23: Robert Pattinson hat meinen Segen, mich zu spielen. Wollte ich nochmal an der Stelle sagen.
00:40:27: Das nehmen wir an dieser Stelle mit. Gut, also Russell Crowe,
00:40:31: eben Hermann Göring, Rami Malek, Rami Malek, wie hat der Sprach richtig ausgebrochen?
00:40:36: Wahrscheinlich Rami? Rami, ja.
00:40:39: Ja, spielt den Psychologen Douglas M. Kelly, der eben da in den Gefängnissen
00:40:44: war, wo die halt in Nürnberg inhaftiert waren, bevor er den ganzen Nazi-Größen
00:40:48: in der Prozess gemacht worden ist.
00:40:49: Ich meine, natürlich ist es ein Film, der zwar auf historischen Tatsachen basiert,
00:40:54: aber verdichten möchte, verdichten muss.
00:40:58: Und deswegen sind auch einige Dinge natürlich verkürzt, aber sich daran aufzuhängen,
00:41:02: finde ich immer ein bisschen albern.
00:41:03: Das ist so, wie wir Leute sich darüber aufregen, wenn irgendwie das Buch besser
00:41:07: ist als der Film, weil der Film nicht irgendwie jede Sidequest noch irgendwie
00:41:10: einmal kurz rein inszeniert hat.
00:41:13: Also da muss man über manche Sachen nur ein bisschen hinwegsehen.
00:41:16: Wo ich aber nicht drüber hinwegsehen kann, ist, dass dieser Film deshalb eine
00:41:20: absolute Folkkatastrophe ist, weil Russell Crowe einfach viel zu krass Schauspielert.
00:41:25: Viel zu krass. Also im Sinne von, der hat eine Präsenz, also wirklich,
00:41:30: der hat ja eine relativ hühnhafte Gestalt in dem Film. Die Kamera ist auch immer
00:41:34: so ein bisschen von unten.
00:41:36: Er ist auch sehr massig gewesen, Hermann Göring. Oder einfach fett, kann man auch sagen.
00:41:42: Und so wankt er eben durch diese filmische Welt in dieser kleinen Zelle und
00:41:47: ist sehr einnehmend, ist auch als Charakter sehr einnehmend,
00:41:50: also seine narzisstische Persönlichkeit wird da ja sehr deutlich auch als solche markiert.
00:41:54: Aber der Punkt ist halt, dass Crow das mit so einer unfassbaren,
00:42:00: Intelligenz auflädt und Gerissenheit und Coolness und Abgewichsheit und noch
00:42:04: den dritten Boden versteht und um ihn herum sind über all diese ganzen Figuren,
00:42:08: die sind ein bisschen kleinlich oder die sind einfach.
00:42:12: Irgendwie zu blöd oder tollpatschig oder kriegen es alle nicht so richtig hin
00:42:16: und er thront so über dem Ganzen.
00:42:19: Und jetzt hätte man das ja so aufbauen können, dass man erst eine Faszination,
00:42:22: empfindet und die sich dann aber irgendwann wendet und man sich davor ekelt.
00:42:26: Oder irgendwie eine Scham empfindet, dass man Göring so faszinierend fand,
00:42:31: weil er doch eigentlich nicht nur ein jämmerlicher Fettsack ist, sondern auch noch,
00:42:38: als ranghöchster Nazi lebend zumindest nach Adolf Hitler einfach ein Massenmörder ist.
00:42:43: Oder jemand, der Massenmorde unvergleichlichen Ausmaßes anbefohlen hat.
00:42:49: Aber diesen Bruch schafft der Film nicht. Der Film guckt sich eigentlich wie
00:42:53: so eine Art schweigender Lämmer. Der ist gut geschrieben.
00:42:55: Dialoge sind, ich würde nicht sagen, ich habe mich gelangweilt.
00:42:57: Im Gegenteil, man blieb so dran.
00:43:00: Aber bei schweigender Lämmer ist das ja ähnlich. Es gibt um diese Faszination des Bösen.
00:43:05: Und bei einem fiktiven Charakter kann man sich dem ja auch auf so eine.
00:43:09: Ja, so ein bisschen gruselige Art auch hingeben.
00:43:13: Und das ist ja auch erlaubt in dieser Fiktion. Du darfst in der Fiktion auch
00:43:18: einen Massenmörder faszinierend finden.
00:43:20: Aber wenn du einen Film rausbringst, der ausgerechnet noch um den 8.
00:43:24: Mai herum erscheint, basierend auf realen geschichtlichen Ereignissen,
00:43:29: dann aber diesen Bruch nicht vollziehst,
00:43:31: dann hast du ein Problem. Und ich glaube, der Film hat das auf so einer unterbewussten
00:43:34: Ebene schon auch, also der Film oder die Regie das irgendwie gemerkt,
00:43:37: weil dann gibt es in dieser Szene, wo er dann wirklich fallen soll,
00:43:40: also wirklich im Prozess, wo er eben nicht siegen darf, soll er vorgeführt werden.
00:43:46: Und dann zeigen die in dem Gerichtssaal Aufnahmen von halt Vernichtungslagern.
00:43:51: Und ich glaube, ich bin mir nicht sicher, ob das alles praktisch reine Vernichtungslager
00:43:55: waren oder Arbeitslager, aber ist egal, auf jeden Fall Lager.
00:43:58: Die haben sie, da waren sie wahrscheinlich einfach auch historisch sensibel
00:44:03: genug nicht nachgestellt.
00:44:04: Also das waren wirklich reale Bilder von den Befreiungen dieser Lager.
00:44:09: Und sie haben nicht eins oder zwei gezeigt, sie haben, wenn ich mich recht, fünf gezeigt.
00:44:12: Also richtig lange diese Szenen abgespielt. Damit auch wirklich am Ende noch,
00:44:18: diese Planierraupe, die dann diese Leichenberge in irgendeine Grube fährt,
00:44:21: also da dreht es einem echt den Magen rum, weil man einfach du siehst einen Film, alles mit diesen,
00:44:26: perfekt bügelfreien Kostümen, wie das ja leider oft so ist bei so Hollywood-Filmen,
00:44:31: immer mit dieser leichte.
00:44:33: Instagram-gegräschte Filter, wie das in so hübschen Historienfilmen der Fall
00:44:38: sein soll und dann siehst du halt plötzlich so diese historischen Aufnahmen
00:44:42: und der Bruch ist auch einfach ganz bösartig und egal.
00:44:46: Auf jeden Fall, zack, wieder zurück im Gerichtssaal und dann soll halt die Szene
00:44:49: kommen, wo Hermann Göring,
00:44:52: fällt und nachdem der amerikanischen Staatsanwaltschaft nicht so eine gute Figur
00:44:56: gemacht, das nicht so hinbekommt, steht dann der britische Chefankläger auf
00:44:59: und sagt so, sie waren Reichskanzler 41, da sind 800.000 Juden ermordet worden,
00:45:05: sie waren Reichskanzler 42,
00:45:07: da sind zwei Millionen Juden umgekommen und 43 waren sie auch Reichskanzler,
00:45:10: so viele Juden sind ermordet worden, 44, 45.
00:45:13: Mit diesem Wissen, was sie jetzt haben, von dem er ja abgeschritten hat,
00:45:17: dass er es hat, würden sie Adolf Hitler trotzdem folgen.
00:45:22: Und dann soll halt so dieser Punkt kommen, dass dieser Fanatismus,
00:45:26: dem Führer zu folgen, so eingebrannt ist in Göring, dass er eben nicht anders
00:45:30: kann und dann lehnt er sich so, ich würde sagen in großen Anführungsstrichen, besiegt zurück,
00:45:36: und sagt so in sich ein und sagt so, ja, das würde ich.
00:45:40: Und dann gibt es ein großes Graune im Saal, dann schiebt er noch einen Heil
00:45:43: Hitler nach und dann schnitt und dann ist er sofort verurteilt.
00:45:46: Und das soll dann der Fall sein.
00:45:47: Das Problem ist aber, wenn du so eine Figur so krass aufbaust,
00:45:50: die immer cool, immer krass ist
00:45:52: und dann, also, dieser Narzissmus so alles überstrahlt und dann in der Szene
00:45:57: irgendwie das passiert, dann war mein erster Gedanke, also jetzt nicht moralisch
00:46:00: gesprochen, sondern rein emotional, dann würde ich sagen, ja,
00:46:02: schon Arschloch, aber im Prinzip ein Hatter.
00:46:04: Weißt du, wie ich meine? Das war das, was ich gefühlt habe. Und ich war so,
00:46:07: um Gottes Willen, ich kann nicht den Film über die Nürnberger Prozesse gucken
00:46:10: und das kann das Feeling sein, dass mir durch diese Inszenierung gegeben wird. Hält die?
00:46:17: Ich bin der Wolfgang aus diesem Film raus, die waren fassungslos. Krass.
00:46:22: Und ich meine, ihr seid ja schon, würde ich sagen, dem völkischen Gedankengut
00:46:27: relativ gut entgegengeimpft.
00:46:29: Ich meine, ich frage mich ja dann, wie das bei Leuten ist, die da,
00:46:32: sag ich mal, noch mal ein bisschen unvoreingenommener reingehen und sich noch
00:46:35: mal jetzt vielleicht nicht so eine auch theoretisch fundierte Ablehnung gegenüber
00:46:39: diesem ganzen nationalistischen Schwachsinn haben,
00:46:43: wie das dann bei denen ist, wenn die merken, hey,
00:46:45: Hermann Göring, der ist einfach so ein Giga-Chat.
00:46:48: Er ist einfach 300 Kilo schwer und überlistet alle und ist auch noch prinzipientreu.
00:46:55: Ja. Ja, okay, krass. Ja, genau. Und dann kamen wir halt raus und dann haben
00:47:00: wir uns kurz unterhalten über halt auch den aktuellen, wie soll ich sagen,
00:47:04: den aktuellen Hermann Göring, also den sympathischen Nazi.
00:47:07: Wir kamen nämlich zu sprechen auf das Interview von Björn Höcke.
00:47:11: Ich habe nicht gesagt, dass Björn Höcke Hermann Göring ist oder dass dieselben
00:47:14: Befugnisse oder Ambitionen hat. Aber als...
00:47:18: Rechtsextreme Persönlichkeit, die vor allem dadurch punkten möchte,
00:47:23: dass sie so wahnsinnig charismatisch und sympathisch ist, habe ich doch die
00:47:26: ein oder andere, zumindest stilistische.
00:47:30: Parallele gesehen, nur damit wir uns hier jetzt nicht in rechtliche Perdullien
00:47:33: bringen. Auf gar keinen Fall.
00:47:35: Ich würde doch vor allem auch sagen, von allen Clips, die ich aus dem Björn
00:47:41: Höcke, Ben Ungeskriptet Video gesehen habe,
00:47:45: Hermann Göring war vermutlich intelligenter als Björn Höcke.
00:47:50: Gut, also es sind nicht überall Parallelen. Auf jeden Fall war Björn Höcke ja
00:47:56: bei Ben Ungeskriptet zu Gast.
00:47:58: Und ich habe mir die Kommentare auch ein bisschen durchgelesen und die Reaktion
00:48:03: im Internet und was mir total aufgefallen ist, dass sehr, sehr viele Menschen,
00:48:07: die dem Interview sehr zustimmend gegenüberstanden,
00:48:10: gesagt haben, es ist so schön, dass er einfach mal ausreden kann.
00:48:15: Weil sie ja so gewohnt sind, in diesen überdrehten Talkshows,
00:48:18: wo ich dann auch eben ja gerade zwei, drei gesehen hatte,
00:48:20: wo man sich eben gegenseitig ins Wort fallen muss, wo die Redezeit irgendwie
00:48:23: dreieinhalb Minuten pro Gast ist und alle prügeln sich noch drum und wenn irgendwie
00:48:26: Philipp Amthor dabei ist, der überhaupt nicht mehr aufhört zu reden,
00:48:28: wenn man ihm nicht die Batterien aus der Mütze nimmt, dann wird es halt völlig insane,
00:48:32: dass es so ein gewisser Wille gibt, dass man einfach Leuten dabei zusieht, wie sie ausreden.
00:48:38: Und das scheint aber viel wichtiger zu sein, als was eigentlich geredet wird.
00:48:44: Hauptsache der Stil passt. Und dann meinte Wolfgang, er hatte dann in Vorbereitung auf den Film, aber.
00:48:51: Hat sich YouTube-Videos angeschaut von den Nürnberger Prozessen und dann waren
00:48:55: da halt auch Leute, die basically kommentiert haben, ja, von den Sachen,
00:48:59: die da gesagt worden sind, kann man ja halten, was man möchte,
00:49:01: aber schön, dass sie mal ausreden konnten.
00:49:02: Und ich war so, helf mich.
00:49:09: Das ist einfach, das ist Politik 2026 oder irgendwie politische Bildung 2026.
00:49:17: Die Nürnberger Prozesse basically als Podcast gerezipiert und dann schreibt,
00:49:20: ach schön, dass sie sich ausreden haben lassen. Ach du Scheiße. Ja.
00:49:26: Kann man da noch irgendwie auf Patreon oder Steady hinter die J-Wall gehen von
00:49:31: den Nürnberger Prozessen? Nein.
00:49:34: Und ich meine, wenn ich schon so von Wolfgang geinfluenst bin,
00:49:38: ich meine, ich habe diesmal für die 29er, die ich ja regelmäßig höre,
00:49:41: eben auch die beiden Bücher, die sie gelesen haben, nämlich Adrian Daub und
00:49:44: Peter Sloterdijk's Buch über den Fürsten, beide gelesen.
00:49:49: Und bei Sloterdijk ist es ja auch so, dass er sich genau dieser Frage gewidmet
00:49:54: hat, Wie kann es sein, dass heute so Fürstenähnliche Figuren wie Trump,
00:49:58: Putin, Orban, wie die alle heißen, halt so eine krasse Faszination haben?
00:50:02: Warum werden die gewählt? Wie werden die stark?
00:50:05: Und er beobachtet eben, dass in modernen Demokratien oder auch in Republiken
00:50:09: eben trotzdem sie eine monarchische Herrschaft abgelöst haben,
00:50:13: eine anhaltende Faszination besteht für diese, ich würde nicht sagen Herrschaft
00:50:17: des Fürsten, sondern eher für diese Herrschaftsdynamik oder diesen Herrschaftsstil des Fürstlichen.
00:50:24: Und bei ihm ist es ja so, dass er das so ganz stark anbindet an diese Uneindeutigkeit der Herrschaft.
00:50:30: Also früher in Erbmonarchien war ja klar, wer die Thronfolge ist,
00:50:34: nämlich genau die königliche Familie.
00:50:36: Aber in Demokratien oder Republiken, wo halt plötzlich die Macht vom Volke ausgeht,
00:50:40: vom Bürgertum, von gewählten RepräsentantInnen,
00:50:43: von den einfachen Leuten, wie es so direkt sie da nennt, dann ist halt immer
00:50:47: die Frage, wer sie halt legitimiert oder wie sie sich legitimieren können.
00:50:54: Und er verwendet da so zwei Begriffe, die er versucht zu prägen,
00:50:58: also der Sturz in den Staat oder der Sturz in die Geschichte oder in die Geschichtlichkeit
00:51:01: oder in diese Gewordenheit, also dass man sich eben nicht mehr nur auf die ewige
00:51:05: Monarchie berufen kann, sondern man muss plötzlich andere Gründe finden,
00:51:08: warum man wie über Menschen herrscht, die eben auch gewachsen sind aus der Geschichte heraus.
00:51:12: Und einen Begriff, den er nennt die verwilderte Vertikalität.
00:51:16: Also Vertikalität ist das Gegenteil von Horizontalität, also das nach oben strebende
00:51:20: oder das hierarchische.
00:51:22: Und da ist eben für ihn die Frage, ja jetzt, wo eben alle möglichen Leute,
00:51:27: also in der Demokratie potenziell jeder Mensch, also völlig unabhängig von seiner
00:51:32: Herkunft, wir wissen, dass das real natürlich nicht so ist, aber im Prinzip könnten wir alle,
00:51:37: Bundeskanzlerinnen von Deutschland werden. Ja.
00:51:40: So, wir müssen uns gegenseitig verhindern, das nennt er dann ganz treffend die
00:51:43: gegenseitige Sedierung der Könige, das fand ich ganz lustig,
00:51:46: aber im Prinzip ist das möglich.
00:51:49: Und dann ist aber eben die Frage, was passiert denn, wenn dann so viele Leute
00:51:52: an dieser Spitze sind aus verschiedenen Bereichen, wenn nicht mehr die Strukturen,
00:51:56: die diese Vertikalität oder diese Staatsordnung ausmachen, wenn die nicht mehr so klar sind.
00:52:00: Wenn dann plötzlich verschiedene Gruppierungen und zwar aus allen gesellschaftlichen
00:52:04: Bereichen, mittlerweile ja auch unternehmerisch oder sowas, das ist ja auch
00:52:06: früher nicht der Fall gewesen, weil es Privateigentum in dieser Form auch.
00:52:11: Diese Körperschaften so nicht gab oder diese Größe auch von industriellen Betrieben
00:52:14: global überspannt, dass da einfach viel in Bewegung geraten ist.
00:52:18: Ich finde beide finde ich wahnsinnig präzise und mich ist auch gar nicht so
00:52:20: krass an denen aufhängig, was sie immer gesagt haben. Und
00:52:23: Ich habe, während ich das Buch gelesen habe, einen Film geschaut,
00:52:26: der, wie ich finde, das eigentlich ganz gut illustriert, was da das Problem ist.
00:52:28: Und ich binde es gleich wieder zurück an Göring und die KI, keine Sorge.
00:52:33: Die eine Schleife musste mir noch geben.
00:52:35: Und zwar habe ich so einen Girlie-Abend
00:52:37: gemacht und dachte, ich muss jetzt plötzlich Prinzessin gucken.
00:52:40: Und dann habe ich mich mit meinem Bestie zusammengesetzt und wir haben uns einen
00:52:44: Tee gekocht und dann haben wir plötzlich Prinzessin angemacht.
00:52:47: Das ist so eine Komödie von 2001 mit Anne Hathaway, wo sie noch ziemlich jung war.
00:52:51: Sie spielt eine 15-jährige Schülerin, Amelia, und sie soll also, sie soll gar nichts.
00:52:56: Sie geht einfach in die Schule und Dinge passieren und dann kommt halt raus,
00:53:01: dass sie plötzlich halt eine Thronfolgerin ist von einem erfundenen Land,
00:53:05: das heißt Genovia oder Genovien in der deutschen Synchro, glaube ich.
00:53:08: Und ihre Mutter, die wusste, dass sie adelige Abstimmung ist,
00:53:13: weil sie damals was mit dem König hatte,
00:53:14: der sie aber verlassen hat, also die Mutter ist Künstlerin von der Hauptperson,
00:53:17: konnte die Kunst und das Individuelle und den Selbstausdruck nicht,
00:53:23: konnte er nicht folgen, sondern er musste Verantwortung für seinen Staat,
00:53:27: für sein Land übernehmen und dann ist er halt gestorben.
00:53:30: Und jetzt kommt halt die amtierende Königin, Clarice, die Großmutter von der
00:53:36: Hauptperson von Anne Hathaway, sag ich es einfach mal, also Emilia,
00:53:39: egal, und sagt, hey, du musst diesen Thron übernehmen.
00:53:42: Und natürlich ist diese Erbmonarchie absolut irrelevant, weil die sind in San Francisco, in den USA.
00:53:48: Dieses Land ist erfunden, das kennt noch nicht mal jemand, Niemand spricht darüber,
00:53:51: dieses Land. Das ist auch völlig irrelevant.
00:53:54: Also hier hat diese Erbmonarchie nur noch einen dramaturgischen Effekt für diesen Film.
00:53:57: Eigentliche Frage ist nämlich nicht, ob sie herrschen kann, also.
00:54:03: Das kann sie de facto, weil sie ist Monarchin, beziehungsweise man könnte das
00:54:06: übertragen, in der Demokratie können erstmal alle herrschen, prinzipiell.
00:54:09: Sondern die Frage ist, ob sie so herrschen kann, wie es von einer Herrscherin erwartet wird.
00:54:15: Und das ist ja genau das. Sie ist aus einem einfachen Volk, sie hat keine Ahnung
00:54:18: von den Sitten und Gebräuchen.
00:54:19: Sie wird dann langsam eingeführt, muss die ganzen Etiketten lernen,
00:54:21: wie man geht, wie man steht, wie man sich kleidet, wie man sich verhält,
00:54:25: wie man Konversationen führt, diese ganzen Dinge.
00:54:27: Und das muss bei ihr überhaupt nicht politisch zusammenfließen.
00:54:30: Es ist völlig egal, was sie dann eigentlich für eine Politik betreibt.
00:54:33: Ist doch überhaupt nicht klar, wie dieses Land regiert wird.
00:54:36: Es interessiert auch niemanden.
00:54:37: Es interessiert auch niemanden, dass sie eine politische Bildung kriegt,
00:54:39: die sie dazu befähigt, praktisch ethisch nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Es geht nur um das Wie.
00:54:45: Weil wenn das Wie richtig ist, dann folgen hier alle Leute nach.
00:54:47: Es gibt diese eine Szene in der Straßenbahn, wo sie halt einen Unfall baut.
00:54:50: Also sie will so einen Hügel hoch.
00:54:50: Sie fährt auch einfach ohne Führerschein Auto.
00:54:53: Und dann kriegt sie die Schaltung nicht hin, knallt zurück in so eine Straßenbahn,
00:54:57: dann gibt es einen Unfall, Dann kommt der S-Bahn-Fahrer oder der Tramp-Fahrer
00:55:01: und sagt, ey, was ist hier los? Und dann will der Polizist sie gleich behelligen.
00:55:05: Und die Königin eben ist dann da, gibt sich als Königin zu verstehen und macht
00:55:10: dann daraus so eine ganz offizielle Ansprache.
00:55:11: Und sie als Königin von Genobien findet es so wunderbar, wie ihr,
00:55:16: die treuen Bürger diesen Landes, eure Gesetze durchbringen wollt.
00:55:21: Und das respektieren wir natürlich als Staat einen anderen Staat.
00:55:25: Und deswegen verleihen wir euch den Orden von und dann guckt sie irgendwie einen Straßennamen,
00:55:28: da steht dann irgendwie die Straße der Rose und dann hat sie den Rosenorden
00:55:31: und dann nimmt sie die kaputte Handbremse von dem Auto und das wird dann ihr
00:55:34: Krönungsschwert und dann legt sie den auf die Schulter und sagt und damit schlage
00:55:37: ich euch zu Rütter und überall die Zeugenschaft der ganzen Leute drumherum und
00:55:41: alle klatschen und jubeln und es ist so eine völlige Endpolitisierung,
00:55:44: weil es nur um das Wie geht und nicht mehr um das eigentliche Was. Okay. Und.
00:55:51: Als ich das so gesehen habe, das war so meine letzten ein, zwei Wochen so an
00:55:56: Inputs und ich dachte mir, krass, das bindet irgendwie alles zusammen.
00:56:01: Ich gucke mir so KI-Sendungen an, irgendwelche Talkshows und da ist nur noch
00:56:05: so, wie faszinierend das ist und was wir alles können und wie toll es doch sein wird.
00:56:10: Und nicht die realen Infrastrukturen, die Politiken, die Inhalte dahinter.
00:56:16: Dann lese ich Adrian Daub, da muss man jetzt sagen, das wäre jetzt ein bisschen
00:56:20: arg hartes Urteil, aber auch da wieder fehlt einfach eine, ich sag mal,
00:56:23: eine materielle Grundlage, das Was-Beschichte.
00:56:25: Ich sehe nur, wie sie das irgendwie, ihre Ideologien veröffentlicht,
00:56:29: das Silicon Valley, und wie sie da so langsam verrückter werden,
00:56:32: aber was dem Ganzen unterliegt, das sehe ich nicht.
00:56:35: Dann sehe ich diese China-Expertinnen mit ihren Mittelwächte.
00:56:39: Mittelmächte-Wichse. Und ich denke mir so, Leute,
00:56:43: das eigentlich Unterliegende, die eigentliche Motivlage, die inhaltliche,
00:56:48: nämlich eine imperiale Macht zu werden, wird hier nicht gesehen und dann gehe
00:56:51: ich auch noch mit Wolfgang in diesen fucking Nürnberg-Film und das Einzige,
00:56:54: was ich sehe, ist mehr oder weniger dieser,
00:56:58: wenn ungeskriptet Podcast mit Björn Höcke nur als Hollywood.
00:57:01: Aber schön, dass die sich mal ausreden lassen da in Nürnberg. Nur noch schreien.
00:57:05: Und das Einzige, was mir Hoffnung bringt, ist halt einfach, dass ich dann mich
00:57:10: an so einem Sonntagabend mit Simon David Tressler hinsetzen kann,
00:57:13: um einfach mal auszureden.
00:57:15: So. Einfach mal auszureden.
00:57:17: Und also, ja, ich wollte noch sagen, das, was du da beschrieben hast über Plötzlich
00:57:21: Prinzessin, erinnert mich auch ein bisschen so Reichsbürger.
00:57:24: Also von wegen, ich brauche ja keinen Führerschein von der BRD,
00:57:27: sondern ich habe ja quasi den Führerschein noch vom Deutschen Reich.
00:57:31: Und deswegen, Herr Officer, können Sie mir gar nichts. Die Reichsbürgerideologie
00:57:35: ist schon saulustig. Das ist schon geil.
00:57:39: Das ist die deutscheste aller Verschwörungsideologien. Nach dem Motto,
00:57:43: Deutschland ist nicht gegründet worden, weil das ist ein Grundgesetz und keine Verfassung.
00:57:47: Da fehlt der falsche Stempel nach Paragraph 3.
00:57:52: Und parallel werden sie halt einfach von der Staatsgewalt, der BRD,
00:57:56: abgeführt und in den Knast gesteckt. Und sie sagen, nee, den Staat gibt es nicht.
00:57:59: Also es ist so wahnsinnig lustig.
00:58:02: Ich meine, ich glaube, das, was du da beschreibst, ist, dass einfach sehr viele Leute einfach...
00:58:09: Richtig Bock mal wieder auf so eine richtige krasse Runde Nationalismus haben.
00:58:14: Ich weiß es nicht. Also es geht auf jeden Fall, um jetzt bei einer Terminologie
00:58:17: von Adrian Daub zu bleiben, es geht um den Vibe. Es geht nur noch um den Vibe.
00:58:21: Ja, und ich glaube halt, der Vibe ist, dass viele Leute einfach mal wieder Bock
00:58:25: haben, beherrscht zu werden, weil sie glauben, dass ihnen das was bringt.
00:58:30: Also ich glaube, dass so Leute, wenn die Björn Höcke einfach viereinhalb Stunden
00:58:35: reden hören und die denken sich so, ja, geil,
00:58:40: dann dem vertraue ich, dass einen starken Mann irgendwie hier,
00:58:44: wo ist der? Thüringen, ne?
00:58:46: Thüringen oder Sachsen? Wo ist Björn Höcke? Ich bin jetzt sicher Thüringen. Thüringen, genau.
00:58:52: Ich glaube Thüringen. Und dann macht er mal Thüringen wieder auf Vordermann und so und dann, also,
00:58:58: ich glaube, die Leute haben schon echt Bock auf diesen, es gibt einfach sehr
00:59:02: viele Leute, vielleicht mehr als einem lieb ist,
00:59:04: die einfach richtig Bock haben, beherrscht zu werden, weil sie glauben,
00:59:08: dass ihnen das was bringt gegenüber den anderen und die anderen sind dann halt
00:59:13: eine Personengruppe hier einsetzen bitte.
00:59:20: Und dann halt so einen Film wie
00:59:21: Nürnberg zu machen, ist tatsächlich wahrscheinlich nicht das schlauste.
00:59:24: Und deswegen ist auch eben diese Frage, die du ja auch schon mal in dem Panel
00:59:27: beantwortet hast oder besprochen hast, die du auch wieder besprechen wirst,
00:59:31: was eigentlich Coolness bedeutet
00:59:32: für die Linke und warum Coolness wichtig ist, ist genau diese Frage.
00:59:36: Wie kriegen wir diesen Vibe-Shift hin, dass Linke einfach cooler sind als rechter? Das ist ganz einfach.
00:59:45: Ich finde dich auf jeden Fall cool, Simon. Ich finde dich auch cool.
00:59:48: Deshalb mache ich doch so viel mit dir und deshalb reden wir so viel.
00:59:52: Ich mache nicht viel mit dir, weil ich dich cool finde. Das klingt ein bisschen zu...
00:59:57: Ich mache viel mit dir und ich finde dich cool. Ja, okay. Das ist akkurater.
01:00:02: Aber ich finde halt, ich glaube, der Hebel dafür ist, dass man einfach sagt,
01:00:08: beherrscht werden, so richtig krass beherrscht werden, ist einfach nicht cool.
01:00:11: Es ist einfach krass uncool. Also wirklich, kommt mal aus eurem...
01:00:15: Kommt mal hoch vom Stiefel lecken. Also wie peinlich ist das eigentlich, ihr Schlaf, Schafe?
01:00:19: Deswegen, aber das ist schon wieder beleidigend, finde ich. Aber okay.
01:00:23: Und das wollen wir ja nicht.
01:00:25: Du hast vorhin Hermann Göring gefettschämt.
01:00:30: Stopp jetzt. Stopp, stopp, stopp. Wir müssen diesen Podcast jetzt beenden.
01:00:33: Okay, jetzt beenden. Bis dann. Bis dann. Bis nächste Woche. Pussy. Tschüss.
Ju
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