Rechtsradikal-liberale Extremisten & Duschmatten für alle

Shownotes

Ingar Solty hat ein sensationelles neues Buch veröffentlicht: “Innere Zeitenwende”, in dem die deutsche Militarisierung in ihrer Gesamtheit einmal aufgedröselt wird. Selbst Simon, der sich wohl oder übel täglich mit den Aussagen der üblichen Kriegsboomer:innen auseinandersetzen muss, kommt beim Vorlesen an die Grenzen des Wahnsinns.

Ole hat seine neu gewonnene Liebe für X (ehemals Twitter) dafür genutzt, sich dort den Startpunkt eines längeren Gedankengangs zu holen: Ein US-amerikanischer Senator fordert Duschmatten für alle, um teuren Verletzungen vorzubeugen. Nutzer:innen sehen dort die institutionalisierte Technokratie schlechthin. Wie weit ist der Weg von dort bis zum “demokratischen Faschismus” (Nachtwey & Amlinger)?

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00:00:00: Simon, es ist natürlich das erste Mal, dass es in diesem Jahr so richtig heiß

00:00:03: wird. Das heißt, wir müssen kurz über das Wetter sprechen.

00:00:06: Müssen wir kurz über das Wetter sprechen? Muss das sein?

00:00:10: Naja, der Punkt ist, wir haben diesen Podcast gestartet, nicht im Sommer. Ja, Ende September.

00:00:18: Da war einfach schon die kühle Zeit und ich habe noch nicht mit dir in der Öffentlichkeit

00:00:21: darüber gesprochen, wie du eigentlich zur Hitze stehst. auf einer Sala von 17,

00:00:26: wobei 3 Hitze ist sehr scheiße und 17 Hitze ist sehr geil bedeutet.

00:00:30: Wo stehst du? Ich würde sagen, ich bin, also in Deutschland bin ich auf einer

00:00:36: 9 und in anderen Ländern auf einer 15.

00:00:42: Ach krass, so ist das. So nationalistisch.

00:00:45: Ja, weil ich habe das Gefühl, so gerade in Berlin und in deutschen Großstädten ist Hitze einfach,

00:00:53: größtenteils unerträglich und größtenteils richtig beschissen.

00:00:56: Aber wenn man im Urlaub ist und zum Beispiel, ich war im vergangenen Sommer

00:01:01: auf Zypern und da war auch, also jeder Tag war so wie heute ist und es ist überhaupt kein Problem.

00:01:10: Und ich glaube, es ist nicht nur dieses Urlaubsfeeling von wegen.

00:01:15: Man ist in so einem vagen Urlaubsmodus und weiß, okay, man ist in der Woche

00:01:19: wieder nicht hier und dann kann man das nochmal irgendwie anders genießen.

00:01:23: Sondern auch so einfach, es ist natürlich irgendwie, die Luftfeuchtigkeit ist

00:01:27: nicht so hoch, es ist oft nicht alles so zu asphaltiert, das heißt,

00:01:32: die Hitze steht nicht so in den Straßen wie in Berlin.

00:01:37: Von daher, wenn ich quasi meinen großen Exitplan antrete aus Deutschland und

00:01:41: wahlweise in mein Landhaus in der Toskana ziehe oder ganz woanders weit weg,

00:01:50: dann wird das ein Land sein, wo es sehr warm ist,

00:01:53: wo es weite Teile des Jahres genauso ist wie heute, aber halt einfach ein Land,

00:01:58: was mit Hitze auch besser klarkommt.

00:02:00: Weil ich glaube, Deutschland hat einfach immer noch nicht verstanden,

00:02:03: Strecken oder größtenteils,

00:02:06: dass man Hitze auch irgendwie kontern kann, zum Beispiel mit Klimaanlagen und

00:02:10: mit weniger Asphaltierung von irgendwelchen Grünflächen und so weiter.

00:02:16: Und deshalb, ich mag Hitze schon, aber nur nicht die deutsche Hitze.

00:02:21: Ich denke mir, das wird noch crazy werden, wenn jetzt die ganzen,

00:02:23: ich sag mal, energiewendekritischen Menschen in diesem Land sagen,

00:02:27: ja, im Sommer haben wir die ganze Zeit viel zu viel Energie und Überspannung

00:02:30: und so weiter. Und dann denke ich mir so, ja, baut euch mal in den nächsten

00:02:32: zehn Jahren alle Klimaanlagen ein.

00:02:34: Dann wollen wir nochmal gucken, wie der Stromverbrauch im Sommer zu viel oder

00:02:37: zu wenig ist. Wie stehst du denn zur Hitze? Anderes Thema.

00:02:41: Ich hasse Hitze. Wirklich? Ich finde es ganz schlimm.

00:02:43: In meiner idealen Welt ist immer 19 Grad, 11 Uhr vormittags.

00:02:48: Und ich sitze unter jung, blühenden Birken.

00:02:51: Okay. Und lese ein Buch. Aber 19 Grad ist jetzt auch nicht kalt?

00:02:56: Nee, 19 Grad ist nicht kalt, aber es darf halt nicht heißer sein.

00:02:58: Und es ist in der Regel schon im Sommer deutlich öfter heißer als 19 Grad.

00:03:03: Also 21 geht auch noch, aber ab 22 habe ich schon kein Loch mehr.

00:03:06: Okay, also ich würde sagen, meine perfekte Temperatur ist so 25 Grad und niedrige Luftfeuchtigkeit.

00:03:12: Okay, gut. Wir nehmen das mal so mit. Wir nehmen das mit.

00:03:16: Und die Hitze wird jetzt auch nochmal in unseren Köpfen steigen,

00:03:18: denn wir haben wieder Themen vorbereitet. Richtig, richtig.

00:03:20: Ich habe ein Thema vorbereitet, wobei ich sagen muss, dass der Großteil der

00:03:26: Themenvorbereitung auf eine andere Person geht. Ich möchte heute nämlich einfach

00:03:29: ein paar Seiten aus einem Buch vorlesen, was ich gelesen habe.

00:03:33: Und ich finde das so Wahnsinn. Ich finde das so unerhört. Also nicht das Buch

00:03:37: selber, das Buch ist fantastisch, aber das, was in diesem Buch steht.

00:03:41: Und ich finde, alle Menschen sollten das einfach hören, was in diesem Buch steht.

00:03:47: Ich denke mir so, hey, es ist unser Podcast.

00:03:50: Wer will uns stoppen, wenn wir einfach mal aus dem Buch vorlesen?

00:03:52: Niemand. Wir können machen, was wir wollen. Wir können machen,

00:03:54: was wir wollen. Fickt euch.

00:03:55: Du darfst nur aus urheberrechtlichen Gründen nicht das ganze Buch vorlesen.

00:03:58: Das stimmt. Also wir müssen es bisweilen auch einordnen, sonst kriegen wir eine Klage.

00:04:02: Ja, also ich habe so... Von wem eigentlich? Von wem kriegen wir eine Klage?

00:04:05: Wir würden eine Klage kriegen, wir würden keine Klage kriegen,

00:04:08: weil, erzähle ich gleich, wir würden eine Klage kriegen von Inga Solti.

00:04:13: Inga Solti ist Politikreferent, er schreibt viel über Außenpolitik bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung

00:04:19: und ist wirklich, würde ich sagen, einer der Menschen in Deutschland,

00:04:23: der am meisten über die Militarisierung weiß, der am meisten darüber geschrieben hat.

00:04:27: Und er hat ein neues Buch geschrieben, das heißt Innere Zeitenwende,

00:04:31: die Militarisierung von Deutschlands Gesellschaft und Alltagskultur.

00:04:34: Dazu kleiner Side-Note, wenn diese Folge erscheint, nämlich morgen,

00:04:39: am Dienstag, dann werde ich am Abend davor, nämlich heute Abend,

00:04:44: am Montagabend, mit Inga Solti auf Twitch gestreamt haben.

00:04:49: Das bringt euch nichts mehr, wenn ihr das jetzt quasi, wenn ihr es verpasst

00:04:51: haben solltet und den Podcast.

00:04:53: Stimmt, man kann es nachschauen, man kann es nachschauen, aber man kann aber

00:04:55: nicht mehr live dabei sein.

00:04:57: Und Inga Solti ist wirklich, also er ist uns sehr total nett und er ist einfach auch krass fähig.

00:05:04: Also wie gesagt, ich glaube, es gibt niemanden, der sich tiefer mit der deutschen

00:05:10: Auffassung beschäftigt hat.

00:05:11: Und er hat dieses Buch geschrieben, Innere Zeitenwende und das sind so 115 Seiten,

00:05:17: also es ist kein dickes Buch und das ist einfach nochmal so eine sehr, sehr gut.

00:05:23: Richtig gut, richtig gut. Und,

00:05:26: Ich muss sagen, ich beschäftige mich ja auch viel mit dem Thema.

00:05:29: Also ich beschäftige mich seit zwei Jahren intensivst mit dem Thema Aufrüstung

00:05:33: und vor allem Wehrpflicht.

00:05:35: Und trotzdem ist dieses Buch, wo einfach nochmal alle Aspekte davon abgehandelt werden.

00:05:41: Ich saß da zum Teil wirklich einfach mit offenem Mund vor den Seiten und konnte

00:05:45: nicht fassen, was ich da lese,

00:05:47: weil so einzelne Teilaspekte oder so ein paar Äußerungen, die man mitbekommen

00:05:54: hat, aber die man schon wieder ausgeblendet hat, die nochmal so wirklich sehr

00:05:58: kondensiert in einem Buch zu lesen, darüber,

00:06:01: was seit ein bisschen über vier Jahren in Deutschland so passiert, das ist so unfassbar.

00:06:07: Also die Kapitel gehen erstens über quasi die Zeitenwende, die Scholz damals

00:06:13: ausgerufen hat und wie das auch innerhalb von unserer parlamentarischen Demokratie

00:06:18: einfach ein wahnsinnig undemokratischer Vorgang war.

00:06:20: Also der hat das einfach verkündet und hat mit genau niemandem vorher drüber geredet.

00:06:25: Dann geht es weiter quasi von wegen, wofür rüstet man eigentlich auf?

00:06:30: Also es ist offensiv, es ist defensiv. Dann geht es um die wirtschaftlichen

00:06:35: Aspekte, also Rüstungskensianismus.

00:06:37: Dann über den kommenden militärisch-industriellen Komplex. Dann Militarisierung als Klassenfrage.

00:06:45: Dann wie der Krieg in die Köpfe kommt, also Propaganda. Ein richtiger Rundumschlag.

00:06:49: Richtig Rundumschlag, erst werden Waffen gekauft, dann der Nachwuchs für Kriege

00:06:53: ertüchtigt, heißt das diebte Kapitel.

00:06:55: Dann geht es um so die sogenannte Zivilgesellschaft, also wie zivile Institutionen

00:07:00: kriegstauglich gemacht werden sollen.

00:07:02: Da war mir auch vieles nicht klar, zum Beispiel was in Krankenhäusern passiert,

00:07:05: also dass in der Charité in Berlin einfach konkrete Pläne auch schon diskutiert

00:07:10: werden und vorgestellt werden, dass halt im Kriegsfall einfach...

00:07:14: Ganz viele Menschen, also in

00:07:17: Berlin behandelt werdende Patienten quasi aus Berlin rausgeschafft werden,

00:07:22: um halt irgendwie 10.000 Krankenbetten freizumachen für voraussichtlich 1000

00:07:29: schwer verwundete Soldaten jeden Tag.

00:07:32: Und das sind so die Pläne, die so am größten Krankenhaus in Berlin so diskutiert werden.

00:07:38: Und am Ende vom Buch geht es noch um die Kränkung des westlichen Narzissmus.

00:07:45: Und dann will ich aus dem Kapitel danach vorlesen, nämlich wie dem Rechtsextremismus

00:07:53: der Boden bereitet wird.

00:07:55: Und ich will so fünf Seiten daraus vorlesen, weil ich es für wichtig halte,

00:08:00: dass man das wirklich in der kondensierten Form nochmal hört Vielen Dank.

00:08:06: Ich hoffe, das Buch wird ein großer Erfolg. Es ist bei VSA erschienen und ich

00:08:12: hoffe, es lesen sehr viele, aber die Passage sollten alle hören.

00:08:18: Das werden wir gleich so kommen. Ich würde nur noch mal sagen,

00:08:20: dass ich das aber auch voll wichtig finde, dass man zum Beispiel diese Krankenhauspläne

00:08:25: ganz konkret darlegt, wie ist eigentlich gerade die materielle Struktur einer

00:08:30: Bundeswehr beschaffen.

00:08:32: Also was existieren da für Pläne?

00:08:34: Wo sind eigentlich diese ganzen Stationen?

00:08:36: Ich meine, guck mal, als wir letztes Wochenende mal wieder Panzerquartett gespielt

00:08:41: haben, da bist du wieder ins Schrauchen gekommen und konntest natürlich unterscheiden,

00:08:44: was ist jetzt ein Marder, was ist ein Puma, was ist ein Leopard und so geht

00:08:48: es nicht weiter. Was ist eine Hauskatze?

00:08:51: Ja, also da müssen wir uns auch mal an den Grünen ein Vorbild nehmen.

00:08:54: Die haben es ja auch geschafft, innerhalb von kürzester Zeit,

00:08:57: sich alle Waffengattungen praktisch aufmerksam auswendig zu merken. Richtig.

00:09:03: Und das ist von Bedeutung. Deswegen Bücher, die da wirklich mal reingehen und

00:09:08: ganz klar sagen, was der Fall ist, brauchen wir mehr.

00:09:11: Nur eben nicht nur von solchen Masalas.

00:09:13: Sonst wird man ja verrückt. Das war offensichtlich gerade Ironie. Ja.

00:09:17: Du kannst dir leider nicht flaggen. Das war etwas zu ernst vorgetragen.

00:09:21: Wir spielen kein Panzerquartett, nur Autokwartett.

00:09:24: Wir spielen nur Autokwartett. Also,

00:09:28: Ich beginne. Es ist auf Seite 101. Das Kapitel beginnt auf Seite 100,

00:09:32: aber ich lese ab Seite 101 vor.

00:09:35: Inga Solty schreibt, entstanden ist ein neuer Gewaltkult, bei dem die gleichen

00:09:39: Leute, die nach innen beklagen,

00:09:41: Jugendliche würden an Silvester, Feuerwehr und Sanitäter mit Böllern beschießen,

00:09:45: nach außen selbst nur noch die Sprache der Gewalt vorleben und ausschließlich

00:09:49: die Logik des Militärischen, aber keine Sprache der Deeskalation mehr kennen.

00:09:54: Wieder da ist eine politische Kultur, das, wer nicht hören will,

00:09:57: muss fühlen, deren Losung Waffen, Waffen und nochmals Waffen,

00:10:01: in Klammern Toni Hofreiter, die Grünen, ist, was dazu führt,

00:10:04: dass öffentlich-rechtliche Sender Dokumentationen über neueste Waffensysteme ausstrahlen,

00:10:09: deren liberale Nachrichtenmagazine wie Spiegel und Stern fetischisierende Home-Stories

00:10:14: über die Taurus-Rakete publizieren, in Klammern,

00:10:17: Zitat, das kann der Marschflugkörper, oder die Waffe, die Stockwerke zählen kann.

00:10:23: Politiker von Regierungsparteien beteiligen sich daran, Feindsoldaten als Orks

00:10:27: zu entmenschlichen, während bürgerliche Medien sich am Töten von Russen aus

00:10:31: Weltrekordentfernung weiden.

00:10:33: Wenn etwa der Merkur, in Klammern 21. November 23, begeistert vermeldet,

00:10:38: Treffer aus fast vier Kilometern, ukrainischer Scharfschütze soll neuen Rekord aufgestellt haben.

00:10:43: Denn der Schütze, so das Redaktionsnetzwerk Deutschland, habe den,

00:10:46: Zitat, bisherigen Rekord gebrochen, als handele es sich um ein olympisches Biathlon

00:10:51: und nicht den Tod eines Menschen mit Familienangehörigen.

00:10:54: Es sind nicht Rechtsradikale, sondern Liberale, die einen Veteranentag einführen

00:10:59: und neue Soldatendenkmäle errichten lassen, damit eine anmaßend,

00:11:03: Zitat, glückssüchtige Gesellschaft, in Klammern Joachim Gauck,

00:11:06: wieder lerne, die im Kampf fürs Vaterland am Hindukusch Gefallenen als Helden zu verehren.

00:11:11: Und es gehört zur neuen Normalität, dass in der bürgerlich-liberalen Zeit die

00:11:16: Forderung nach, Zitat, Wehrkunde im Schulunterricht erhoben wird, 6.

00:11:20: Juni 22, also kurz nach Kriegsbeginn. Es braucht keine Rechtsradikalen,

00:11:25: um Holocaust-Mittäter wie Stefan

00:11:27: Bandera zu, Zitat, Freiheitskämpfern umzudeklarieren, Klammern FAZ 11.

00:11:32: Juli 22, oder einen frischen Blick auf Wehrmachtssoldaten zu werfen.

00:11:36: Beispiel Sönke Neitzel, der sich immer wieder öffentlich gegen Kasernen-Umbenennungen wandte,

00:11:41: weil beispielsweise der Wehrmachtspilot Helmut Lendt mit 110 Abschüssen Zitat,

00:11:48: einer der erfolgreichsten deutschen

00:11:49: Nachtjäger und Zitat, als Flieger und Truppenführer ein Vorbild war.

00:11:54: Es bedarf auch keiner Rechtsextremisten mit Trademark und Copyright für einen

00:11:58: beispiellosen Geschichtsrevisionismus, der die Politik in Deutschland nachhaltig verändern dürfte.

00:12:03: Während Liberale es lieben, auf X-Formas Twitter vom Puttler zu sprechen,

00:12:07: war es mit Berthold Kohler, ein FAZ-Herausgeber, der sogar noch vor Bekanntwerden

00:12:12: des russischen Kriegsverbrechens von Butscher den Begriff Vernichtungskrieg

00:12:16: für den Ukraine-Krieg nutzte.

00:12:18: Selbstverständlich in vollem Bewusstsein, dass er damit Russlands Krieg gegen die Ukraine,

00:12:22: der den nach UN-Angaben in mehr als zweieinhalb Jahren mindestens 11.743 Zivilisten

00:12:30: mit dem Leben bezahlt haben, Gleichsetzt mit dem Russland-Feldzug der Nazis,

00:12:33: die in diesem Kreuzzug gegen den Kommunismus in unter vier Jahren durch Liquidationen,

00:12:39: Massakern und systematischem Aushungern 27 Millionen Sowjetbürgerinnen und Sowjetbürger

00:12:45: aus der Ukraine, Belarus und Russland töteten,

00:12:47: etwa die Hälfte davon Zivilistinnen und Zivilisten.

00:12:50: Es war mir, also jetzt kurzer Break, es war mir auch, es war mir nicht so ganz

00:12:56: klar, wie offen rechtsradikal einfach weite Teile vom deutschen Medienbetrieb mittlerweile sind.

00:13:03: Und nicht nur mittlerweile, sondern das hat ja offensichtlich schon vor über

00:13:06: vier Jahren angefangen.

00:13:08: Und das nochmal so einfach so richtig zusammengefasst zu lesen.

00:13:15: Ich weiß ja, rechtsradikal ist ja auch ein Kampfbegriff, ist ein aktivierender Begriff.

00:13:19: Ich weiß aber nicht, ob er da wirklich so sinnvoll ist. Also im Sinne von...

00:13:24: Das ist einfach nur Belizismus. Und ich glaube, es ist mit Belizismus,

00:13:28: also praktisch einer Politik, die auf Kriegstreiberei aus ist oder die sich

00:13:33: irgendwie am Krieg, naja, die würden ja alle nicht sagen, dass sie Krieg wollen.

00:13:38: Die würden auch alle sagen, dass sie natürlich nur aufrüsten,

00:13:41: um nicht in den Krieg ziehen zu müssen.

00:13:43: Aber ich meine, wir reden ja die ganze Zeit dagegen an, dass eine Aufrüstung

00:13:47: immer genau das bedeutet, auch eine Kriegsvorbereitung.

00:13:50: Und dass, wenn die Machtmittel erstmal in den Händen sind, dass eben nicht zur

00:13:54: Verteidigung eingesetzt werden und so weiter und so weiter.

00:13:55: Da müssen wir uns eigentlich nicht alles wiederholen, aber ich finde,

00:13:58: da muss man es einfach wirklich bei dem benennen, was es ist.

00:14:01: Es ist die Vorbereitung auf Krieg. Und das hat erstmal wenig damit zu tun,

00:14:04: wo die Leute sich selber verorten und wie sonstige Staatsführungen aussehen,

00:14:08: weil der ganze Sinn von, oder was heißt der Sinn, die Folge eines Krieges ist der Ausnahmezumstand,

00:14:14: in dem sehr viele Parameter des sonstigen Regierens, des sonstigen politischen

00:14:20: Geschehens ja ausgehebelt und ausgesetzt sind oder auch was Meinungsfreiheit und so weiter angeht.

00:14:24: Sehen wir ja in allen kraftführenden Staaten, egal ob sie angreifen oder ob

00:14:28: sie sich verteidigen und so weiter.

00:14:29: Das heißt, diese politische Friedensform, die die Leute jetzt für sich in Anspruch

00:14:35: nehmen, zu sagen, ja, in Friedenszeiten machen wir das so und so,

00:14:37: die kann ja auch linksliberal sein, die kann grün sein, die kann weiß Gott was sein.

00:14:40: Aber im Krieg ist das alles ein bisschen egal und deswegen würde ich es da an

00:14:43: der Stelle vielleicht nicht rechtsradikal nennen, nur so als kleiner.

00:14:47: Aber ich frage mich dann halt wie ein...

00:14:52: Wie ein nicht-rechtsradikaler Bilizismus aussehen würde. Also wenn man dann quasi einfach sagt...

00:14:59: Also wenn man halt... Also die Grünen, wenn die halt... Zum Beispiel jemand

00:15:05: wie Toni Hofreiter oder so.

00:15:07: Nicht, dass Toni Hofreiter irgendwie rechtsradikal wäre. Aber...

00:15:12: Irgendwann kann man dann kein anderes politisches Attribut mehr für sich in

00:15:17: Anspruch nehmen, wenn man halt sagt, ja wir sind eigentlich grün,

00:15:20: aber wir finden halt gerade jetzt muss Krieg geführt werden.

00:15:23: Weil du ja richtig sagst, im Kriegsfall werden die ganzen demokratisch-liberalen

00:15:29: Freiheiten einfach Stück für Stück abgeschafft, um Krieg führen zu können.

00:15:34: Also wie man es auch jetzt schon in Deutschland in der Kriegsvorbereitung bemerkt.

00:15:38: Es wird ja einfach demonstrativ illiberaler.

00:15:42: Und dann ist halt die Frage, nimmt man das einfach quasi als Ausnahme und sagt,

00:15:48: ah ja, okay, das ist quasi einfach gerade Kriegsfall und das hat eigentlich,

00:15:53: jetzt ist überschwitz gesagt, keine politische Dimension und nach dem Kriegsfall

00:15:58: quasi hört dieser Belizismus wieder auf,

00:16:01: diese Kriegsgeilheit und dann kickt quasi die normale Demokratie wieder rein

00:16:06: mit den normalen politischen, Attributen.

00:16:09: Oder sagt man halt, nee, der Krieg ist gerade das politische Programm und deshalb

00:16:12: werden die halt alle illiberal und rechts.

00:16:15: Verstehst du, was ich meine? Also ich glaube, das gehört schon so,

00:16:18: deshalb finde ich es nicht ganz falsch, da wirklich.

00:16:21: Also es geht noch ein bisschen weiter. Oder später schreibt er...

00:16:24: Ich wollte nur ab und zu mal ein bisschen mitkommentieren.

00:16:27: Irgendwann später geht es dann noch um so liberalen Extremismus.

00:16:32: Und das finde ich eigentlich... Ah ja, sehr gut.

00:16:33: Finde ich eigentlich fast eine... Also ja, noch passender. So, ich lese weiter.

00:16:37: Das neue Niveau von... Also wir skippen hier einen Absatz zum nächsten Absatz.

00:16:42: Das neue Niveau von Geschichtsvergessenheit ist beunruhigend.

00:16:45: Gerade weil es auch unwidersprochen bleibt. Wenn etwa die Top-Außenpolitikerin

00:16:49: der EU, Kaya Callas, ihr geschichtsreversionistisches Weltbild vorträgt.

00:16:53: Es wäre ihr, Zitat, neu, dass Russland und China einen Beitrag zur Befreiung

00:16:58: vom Faschismus geleistet hätten.

00:16:59: Oder als sie betonte, Russland habe in 100 Jahren 19 Länder überfallen.

00:17:03: Aber die innere Zeitenwende öffnet der Relativierung von Faschismus,

00:17:07: Zweitem Weltkrieg und Holocaust nicht nur die Schleusen, weil sie an ihren Rändern

00:17:10: Dinge duldet, die noch vor Jahren vor Empörung sorgten.

00:17:14: Ohne ein gewisses Maß an Geschichtsreversionismus ist sie wohl auch nicht zu haben.

00:17:18: Vor Jahren wäre es jedenfalls kaum vorstellbar gewesen, dass mit Bertolt Kohler

00:17:22: ein FAZ-Herausgeber die vom abgewählten Bundestag per Grundgesetzänderung beschlossene

00:17:27: Hochrüstung mit dem Satz kommentiert, sie sei ein Signal an Russland und die USA.

00:17:31: Zitat, Deutschland ist zurück aus dem Fronturlaub, Deutschland sei, Zitat, wieder da.

00:17:37: Also da könnte man dann fragen, von wo sind wir eigentlich zurück?

00:17:41: Also was da eigentlich passiert? Wann waren wir denn das letzte Mal da?

00:17:44: Ich lese weiter, jetzt könnte es für dich spannend werden. Auch für den antifeministischen

00:17:48: Rollback bedarf es keiner rechten Manosphere- oder Incelkultur.

00:17:52: Als Björn Höcker 2017 eine unverweichlichte Männlichkeit als Voraussetzung von

00:17:57: Wehrhaftigkeit forderte, wurde er zu Recht als ewig gestrig gescholten.

00:18:01: Im Zuge der inneren Zeitenwende kommen dieselben Forderungen erneut aus der

00:18:05: sogenannten bürgerlichen Mitte, wenn zum Beispiel der Literaturwissenschaftler

00:18:08: und Redakteur der Süddeutschen Zeitung Tobias Haberl im Spiegel aufklärte, dass, Zitat,

00:18:14: der deutsche Großstadtmann, der kochen kann, sei mit seinen,

00:18:18: Zitat, gepunkteten Socken zu weich für die neue Wirklichkeit,

00:18:22: weswegen ein Zurück zur nötigen Härte und der, Zitat, Streitkultur seiner Väter fällig sei, denen,

00:18:28: wir erinnern uns, regelmäßig die Hand ausrutschte, weil sie eben noch wussten,

00:18:32: dass sich, Zitat, nicht jedes Problem wegdiskutieren lässt.

00:18:38: Hast du davon mitbekommen? Ich habe mit Tobias Haber ein Streitgespräch geführt. Ach wirklich?

00:18:46: Oha. Das ist aus verschiedenen Gründen, die ich nicht öffentlich machen kann,

00:18:51: nicht in der Härte ausgefallen.

00:18:53: Der hätte vielleicht ausfallen können, aber... Oh Gott. Ja.

00:18:58: Oh Gott. Ich lese weiter.

00:19:01: Ich habe hier das angestrichen, du siehst es, ich habe einfach nur in All Caps

00:19:05: was daneben geschrieben.

00:19:07: Also was? Ich konnte es nicht fassen. Ich lese weiter.

00:19:10: Es sind Liberale, für die es zur neuen Normalität gehört, anstatt in einer pluralen

00:19:14: Debatte auf der Suche nach Wahrheit und dem überzeugenden Argument ihre Gegner,

00:19:19: wie etwa die Kritiker von einseitigen Waffenlieferungen als Lumpen-Pazifisten,

00:19:24: in Klammern Sascha Lobo im Spiegel.

00:19:27: Gewissenlose Unterwerfungspazifisten, Herfried Münkler in der Zeit und in den

00:19:32: ostfriesischen Nachrichten, Zitat Friedensschwurbler,

00:19:35: nochmal Sascha Lobo im Spiegel, oder Putins willige Helfer Stefan Laurin in

00:19:40: Ruhrbarone oder gleich als Totengräberinnen der Ukraine,

00:19:43: Klammern Campact im Februar 23 und Secondhand-Kriegsverbrecher Wolf Biermann, 26.

00:19:50: Oktober 22 in der Zeit, über Harald Welzer und Richard David Precht zu bezeichnen.

00:19:56: Es sind Liberale wie Karl-Heinz Parquet von der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung,

00:20:01: die schon für die Zeit nach dem Ukraine-Krieg rüsten und fordern,

00:20:04: der Zitat Pazifismus darf nicht wieder auferstehen.

00:20:07: Es war SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz, der Kritikern von Aufrüstung und Waffenlieferungen

00:20:12: entgegenschleuderte, Zitat, wer als Friedenstaube herumherläuft,

00:20:16: ist ein gefallener Engel, der aus der Hölle kommt.

00:20:19: 20. August, 23. Das ist ein sauberes Bild. Was ist das für ein Satz?

00:20:25: Und es war die liberale Zeit, die am 80. Jahrestag der Wollt ihr den totalen Krieg?

00:20:30: Sportpalastrede von Josef Goebbels das Interview der linken Liberalen Eva Illus

00:20:34: betitelte mit Ich wünsche mir einen totalen Sieg, um diese dann ausführen zu

00:20:39: lassen, dass sie sich diesen totalen und vernichtenden Sieg für die Ukraine wünsche,

00:20:43: weil die Russen täglich Verbrechen gegen die Menschlichkeit verüben,

00:20:46: die nicht ungesühnt bleiben dürfen und, Zitat, weil Putin die ideellen Werte Europas bedroht.

00:20:55: Es ist halt so crazy, als ob Russland keine Zivilbevölkerung hätte.

00:20:59: Als ob die russische Armee das genauso und wahrscheinlich noch wesentlich schlimmer

00:21:04: und gewaltvoller Zwangsrekrutieren würde.

00:21:06: Es ist ja auch belegt, dass die auch aus allen europäischen Satellitenstaaten

00:21:09: irgendwie Leute an der Front waren, weil die einfach weniger wert sind in dieser

00:21:15: rassistischen Ideologie als der gemeine Russe.

00:21:19: Das sind ja wieder so Bestrafungsfantasien am Start,

00:21:23: die eben Russland als gesamte Nation betreffen und da ist eben eine Gleichsetzung

00:21:29: von russischer Bevölkerung und ihren angrenzenden Staaten mit Russland.

00:21:35: Also Russland als politisches System oder als Demokratie, das ist crazy.

00:21:39: Das ist wirklich, also was sind das? Was sind das für Menschen?

00:21:42: Ja, und da muss ich jetzt doch wieder zurückrudern mit meinem,

00:21:46: ja, muss man ein bisschen vorsichtig sein mit dem Begriff Rechtsradikalen.

00:21:49: Ich denke, das sind alles richtig glühende Nationalisten.

00:21:52: Ja, ja, voll. Also das quasi diese... Dass ich nur noch in diesen nationalen

00:21:55: Blockbildungen denken würde. Ich meine, diesen Belizismus bekommt man einfach

00:21:59: nicht ohne den dazugehörigen wirklich glühenden Nationalismus.

00:22:03: Ich meine auch wirklich am 80.

00:22:05: Jahrestag von der Wollte den totalen Krieg Sportpalast Rede von Goebbels einfach

00:22:10: zu titeln, ich wünsche mir den totalen Sieg.

00:22:13: Also schon klar, dass es Absicht ist, aber das macht es ja noch kranker.

00:22:17: Also es ist ja wirklich unfassbar.

00:22:19: Es geht weiter. Es sind eben nicht nur ewig gestrige Konservative,

00:22:23: sondern es ist gerade auch der linke Flügel des Bürgertums, der sich in Sachen

00:22:27: innere Zeitenwende besonders ins Zeug legt.

00:22:29: Es war der damalige parlamentarische Geschäftsführer der CDU-CSU-Bundestagsfraktion

00:22:34: und heutige Kanzleramtsminister Thorsten Frey, der es als ein starkes Signal

00:22:39: lobte, dass die CDU-geführte Landesregierung in Sachsen dem dänischen Vorbild folgen wollte,

00:22:44: zur Finanzierung der Aufrüstung einen Feiertag zu opfern und die Beschäftigten.

00:22:48: Einen Tag mehr arbeiten zu lassen.

00:22:50: Es war der CDU-Außenpolitiker im Bundestag, Roderich Kiesewetter,

00:22:54: der angesichts der wachsenden Kriegsmüdigkeit in der Ukraine forderte,

00:22:58: den 200.000 kriegsverwendungsfähigen ukrainischen Männern in Deutschland das

00:23:02: Bürgergeld zu streichen und dem ukrainischen Staat, Zitat, bei der Erfassung

00:23:07: und Zustellung von Wehrdienst bescheiden zu helfen.

00:23:09: Das seien, Zitat, faire Angebote und Anreize, freiwillig zurückzukehren.

00:23:13: Es war ebenfalls Kiesewetter, der im Februar 24 forderte, dass der Krieg nach

00:23:19: Russland getragen werden müsse und man alles tun sollte,

00:23:22: dort nicht nur russische Militäreinrichtungen und Hauptquartiere oder Ölraffinerien,

00:23:28: sondern auch Ministerien zu zerstören.

00:23:31: Das geflügelte Wort des Whatever It Takes sei auch die Parole für die Koalition

00:23:35: der Willigen, fügte er im Frühjahr 25 hinzu.

00:23:38: Schließlich war es auch ein Deutscher, damals noch CDU-Bundeskanzler in Spee,

00:23:43: Friedrich Merz, der schon unmittelbar nach Kriegsbeginn seine Bereitschaft erklärte,

00:23:47: deutsche Truppen in einen Krieg mit der Atommacht Russland zu führen und der

00:23:50: für den Fall seines Wahlsiegs der Ukraine Taurus-Mittelstreckenraketen versprach,

00:23:55: obwohl diese von Bundeswehrsoldaten gelenkt werden müssten und in kurzer Zeit Moskau und St.

00:23:59: Petersburg treffen könnten, was schon nach der alten, nur noch einmal verschärften

00:24:03: russischen Atomdoktrin atomare Vergeltungsschläge erlauben würde.

00:24:06: Also wir wissen, Friedrich Merz hat bis heute keine Taurus-Raketen an die Ukraine geliefert.

00:24:13: Vermutlich, weil er einfach im Wahlkampf gesagt hat, was auch immer er wollte

00:24:18: und irgendwann gemerkt hat, hey, vielleicht doch nicht die beste Idee und er

00:24:24: sich deswegen jetzt dagegen sträubt.

00:24:26: Und ich glaube, das sorgt auch in diesen ganzen liberal-nationalistischen Freaks

00:24:31: auf Twitter einfach regelmäßig für eine Kernschmelze im Gehirn,

00:24:34: dass sie einfach nicht verstehen können, dass selbst jemand,

00:24:37: also ein Rechter wie Friedrich Merz.

00:24:40: Versteht, dass es strategisch so weltkriegsvermeidungstechnisch nicht unbedingt

00:24:46: das Beste, da diese Mittelstreckenraketen hinzuschicken.

00:24:51: So, liberaler Extremismus, der sich dadurch auszeichnet, dass er keine Rücksicht

00:24:58: auf reale Gegebenheiten, Risiken und realistische Ziele nimmt,

00:25:02: sondern in seinem auf selbstgerechte Moralismus fußenden Fanatismus gegen Totalitarismus

00:25:08: selbst totalitäre Züge an den Tag legt, ist leider kein Alleinstellungsmerkmal von Konservativen.

00:25:14: Es ist vor allem ein Steckenpferd von Bündnis 90 Die Grünen,

00:25:17: einer Partei, die eins aus der Friedensbewegung hervorgegangen ist.

00:25:20: Für die Europawahl 24 stellte die Partei ihre Corporate-Identity-Farbe auf die

00:25:24: Stricht-Tarn-Optik des Militärs um und kopierte auch den seit 2015 von der Bundeswehr

00:25:29: genutzten Rekrutierungsslogan Mach, was wirklich zählt.

00:25:32: Bei ihnen hieß es dann, machen, was zählt.

00:25:36: Nein. Nein. Mann.

00:25:40: Ich meine, das winkt ja nicht nur eine Person durch. Oh Gott.

00:25:43: Das geht ja durch ein paar Gremien, weißt du, dass du das mal gedruckt hast

00:25:47: und in der Öffentlichkeit aufgehangen hast.

00:25:48: Dass Deutschland bis 2029 kriegstüchtig sein soll, forderte ein sozialdemokratischer

00:25:53: Verteidigungsminister und bei den Forderungen nach pauschal weiteren 100,

00:25:57: 200, 300 Milliarden Euro für die Bundeswehr war Kiesewetter.

00:26:00: Bloß das Echo der SPD-Politiker Scholz Eva Högl, der damaligen Wehrbeauftragten

00:26:06: des Deutschen Bundestages und Pistorius. Es war auch letzterer,

00:26:10: der 2023 trotz der dramatisch gestiegenen Preise für Energie,

00:26:13: Mieten, Lebensmittel usw.

00:26:15: Die Gewerkschaften im öffentlichen Dienst zu Lohnzurückhaltung aufforderte,

00:26:19: weil ein akzeptabler Tarifabschluss gegen die laufende Verarmung breiter Bevölkerungsteile

00:26:24: ein Risiko für Deutschlands Sicherheit sei.

00:26:26: Die von der FDP vorgelegten Pläne für die Einschränkung des Streikrechts für

00:26:31: kritische Infrastruktur, Bahn, Flugverkehr, die Pflege, Kitas und Feuerwehren

00:26:35: fanden dabei bei den Anhängern keiner Partei so viel und mehrheitliche Unterstützung wie bei den Grünen,

00:26:41: deren Spitzenpolitiker wie Sebastian Schäfer,

00:26:44: Obmann der Grünen im Haushaltspolitischen Ausschuss, vor Lohndruck im öffentlichen Dienst warnte.

00:26:49: Oder wie der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann

00:26:54: mit einem Lob auf den 12-Stunden-Tag und ein Arbeitsleben bis 76 Jahre für eine

00:26:59: Ausweitung des Arbeitstags und die Erhöhung des Renteneintrittsalter eintraten.

00:27:04: What? Zwölf-Stunden-Tag und dein Arbeitsleben bis 76?

00:27:15: Wir sind fast durch. Ein bisschen musst du noch durchhalten.

00:27:20: Ich denke mir halt auch so, mein einer Nachbar ist Dachdecker.

00:27:25: Meine anderen Nachbarn arbeiten beide in der Pflege.

00:27:29: Meine andere Nachbarn auch, meine ambulanten. Und ich frage mich wirklich so,

00:27:34: Leute, also 12-Stunden-Tag, gell? Bis 76?

00:27:38: Ja. Wie? Wo? Ja, richtig. Wo? 100 Prozent.

00:27:44: So, weiter. 76 und nicht 67? Vielleicht ist es ein Tipper.

00:27:49: Oder lass es mal kurz fact-checken. Also wir haben live das Buch gefact-checkt.

00:27:55: Ich hab nix zu 76 gefunden, aber auch nicht wirklich was zu 67.

00:28:01: Aber ein Zitat hier aus der Augsburger Allgemeinen, Zitat, auch ein regulärer

00:28:07: Renteneintritt mit 67 Jahren ist aus Sicht von Daniel Bayers,

00:28:11: also der war Finanzminister von Baden-Württemberg, nicht dauerhaft zu halten.

00:28:15: Meine Generation muss sich auf längeres Arbeiten im Alter einstellen,

00:28:18: auch wenn wir unseren Wohlstand halten wollen.

00:28:21: Also davon wieder wir und uns und so weiter und so fort. Also wir kennen das ganze Gerede.

00:28:27: Aber es ist wohl schon so gedacht, dass es halt über 67 hinausgeht.

00:28:31: Aber vielleicht, wenn Inga Solti das hören sollte, kurzer Fact-Check bitte.

00:28:38: So, ich lese weiter. Vor Kriegsmüdigkeit warnte auch eine grüne Außenministerin,

00:28:42: die schon 2023 vom Krieg mit Russland redete und nach eigenen Angaben zu Karneval

00:28:49: 23 gern als Leopardpanzer verkleidet hätte.

00:28:52: Es war der grüne Wirtschaftsminister Habeck, der bei Maybrit Illner über die

00:28:56: Panzerhaubitze 2000 ins Schwärmen geriet. Die kann richtig was.

00:29:00: Es war die damalige Vorsitzende des Verteidigungsausschusses,

00:29:03: Marie Agnestrack-Zimmermann, die auf die Frage der Heute-Show,

00:29:06: ob sie denn gedient habe, antwortete, sie sei gut für den Volkssturm.

00:29:10: Vermutlich nicht für diese Aussage wurde die viele Jahre als Rüstungslobbyistin

00:29:15: tätige Frau Großkaliber Ende

00:29:17: Juni 2025 mit dem Janusz Korczak-Preis für Menschlichkeit ausgezeichnet,

00:29:21: der nach dem berühmten Arzt und Pädagogen benannt ist, der 1942 freiwillig mit

00:29:26: den Kindern seines jüdischen Waisenhauses ins Vernichtungslager Treblinka ging.

00:29:30: Die Forderung nach Waffen, Waffen und nochmals Waffen wiederum stammte vom grünen

00:29:34: Bundespolitiker Anton Hofreiter, der auch systematisches Aushungern wieder zum

00:29:39: Prinzip deutscher Machtpolitik machen will.

00:29:40: Als Beispiel für die von ihm markig geforderte Außenpolitik,

00:29:44: die endlich wieder mit dem Colt auf dem Tisch verhandelt, Zitat,

00:29:48: machte er im Dezember 2022 im Berliner Zeitung-Interview den Vorschlag,

00:29:52: künftig mit der europäischen Kornkammer Ukraine am Wickel 1,4 Milliarden Chinesen

00:29:58: offen den Hungertod anzudrohen.

00:29:59: Zitat, wenn uns ein Land seltene Erden vorenthalten würde, könnten wir entgegnen,

00:30:04: was wollt ihr eigentlich essen?

00:30:10: Ich kann halt nur schweigen. Also ich glaube nicht, dass die Ukraine 1,4 Milliarden

00:30:15: Chinesen in den Tod hungern könnte, aber allein dieses Kalkul aufzumachen.

00:30:19: Also allein das offen zu sagen.

00:30:24: Also ich komme nochmal auf das Thema mit Rechtsradikalismus zurück.

00:30:28: Ja, ist ja gut, ich habe mich geirrt.

00:30:35: Ich nehme ja alles zurück, was ich gefragt habe. Ich wollte dir die milde Stimme

00:30:39: der Vernunft sagen, aber dann kamst du mit dieser gewaltigen Keule der belizistischen

00:30:43: Unvernunft und hast mich verprügelt.

00:30:46: Es ist so krank, wirklich. Du saßt mit dem dickeren Colt am Podcast.

00:30:50: So, ich saß mit dem Colt am Podcast.

00:30:52: Es ist wirklich, es ist so verrückt. Also, ich habe dieses Kapitel gelesen und

00:30:58: ich meine, ich beschäftige mich ja wirklich viel mit diesem Thema.

00:31:02: Und auch mich hat das einfach nochmal richtig vom Hocker gehauen. Es ist so verrückt.

00:31:10: Dass es nochmal so kondensiert ist. Ja, ja.

00:31:12: Es ist so krass. Das sind ja alles keine kleinen Fische. Ja.

00:31:16: Es sind ja einige politische und publizistische Schwergewichte dabei.

00:31:19: Ja, also ich finde es wichtig, nicht nur, dass Leute dieses Kapitel mal hören,

00:31:26: sondern das ganze Buch lesen.

00:31:27: Also kauft es euch, lest es, schenkt es Leuten, die sich noch nicht so viel

00:31:33: damit beschäftigt haben, weil ich hatte jetzt auch einige Auftritte zu dem Thema

00:31:38: in den letzten paar Tagen und Wochen.

00:31:41: Und je mehr ich mich damit beschäftige und auch je mehr ich so wirklich das

00:31:47: auch irgendwie publizistisch aufarbeite für irgendwie Vorträge,

00:31:50: wo ich dann wirklich nochmal diese ganzen Gedanken und auch Quellen so irgendwie

00:31:53: sortieren muss und aufschreiben muss und so weiter.

00:31:55: Und oft ist so Schreiben ja dann auch einfach nur so ein erweitertes Denken.

00:32:01: Du kennst es wahrscheinlich noch mehr als ich, dass man einfach,

00:32:04: wenn man Sachen aufschreibt, nochmal seine Gedanken dadurch einfach in Reihe und Glied bringt.

00:32:11: Und es ist einfach, würde ich sagen, also man kann sich dem Eindruck nur sehr

00:32:17: schwer erwehren, dass die westeuropäischen und vor allem deutschen Eliten einfach richtig,

00:32:24: richtig Bock auf Krieg haben.

00:32:26: Und es eben nicht um Landesverteidigung geht, sondern diese Leute,

00:32:31: die haben einfach mal wieder richtig Bock auf die Kacke zu hauen.

00:32:35: Und das bekommt man in keinem Buch so,

00:32:40: gut dargestellt, wie hier in innere Zeitenwende von Inga Solte.

00:32:44: Ich würde sagen, es geht jetzt nicht nur um eine wilde Party zu feiern,

00:32:47: sondern es geht einfach um Macht und Dominanz.

00:32:48: Also die eigenen Herrschaftsansprüche aufprägen zu können. Ja, ganz genau.

00:32:53: So, jetzt bin ich ganz gespannt auf dein schönes Thema.

00:32:57: Ja, ich fange mal ganz profan an, aber du wirst sehen, dass es Verbindungslinien

00:33:01: gibt zu dem, was du gerade gesagt hast.

00:33:04: Ich habe mich ein bisschen auf Twitter rumgetrieben und habe dort einen Tweet

00:33:10: gesehen, Der da schon viral gegangen ist.

00:33:12: Und zwar ist da Senator Angus King. Ich meine, was ist denn das für ein geiler Name in den USA?

00:33:19: Schau dir mal, wo du heißt Angus King. Also Vor- und Nachname.

00:33:23: Ja, Angus ist der Vorname, King ist der Nachname. Ja, das ist krass.

00:33:26: Er ist parteilos, arbeitet immer wieder mit den Demokraten zusammen und der

00:33:29: hat in irgendeiner Rede, die da mitgeschnitten wurde, halt vorgeschlagen,

00:33:33: an alle US-amerikanischen Haushalte eine Badematte zu schicken und die auch

00:33:37: mit Staatsgeldern zu bezahlen.

00:33:39: Was den einfachen Hintergrund hat, dass die Kosten, die entstehen,

00:33:42: weil Leute in ihren Duschen ausrutschen und sich irgendwelche Hinterköpfe aufschlagen

00:33:46: und Knochen brechen, einfach so hoch ist, dass es nach wenigen Monaten sich

00:33:51: schon amortisiert hätte.

00:33:52: Und das hält ja irgendwie so eine graue Standardbahnmatte hoch für irgendwie 11,99 Dollar.

00:33:59: Dann kamen dann einige Posts, dass man die auch für 5 Dollar kaufen kann.

00:34:02: Aber egal, auf jeden Fall hat ihn dann einen Tweet zitiert, der wiederum selber

00:34:07: 15.000 Likes bekommen hat nach 100.000 Reposts und der ist übertitelt mit den

00:34:13: drei Sätzen Und the opposite of Populism,

00:34:18: bring back the technocratic institutionalism,

00:34:21: send the bathmats.

00:34:23: Bathmats? Bathmats?

00:34:26: Bathmats. Und ich dachte, ach du heilige Scheiße,

00:34:31: da sitzen, ich glaube der Post wurde 600.000 Leuten angezeigt,

00:34:34: 15.000 von denen haben geliked, dass man bitte den technokratischen Institutionalismus zurückbringen soll.

00:34:43: Und was heißt denn technokratischer Institutionalismus? Das heißt ja erst mal,

00:34:46: es gibt Institutionen, also Behörden,

00:34:48: Expertenräte, Ämter, Verwaltungen und die dampfen dann Bevölkerungen in ihrer

00:34:52: Gesamtheit zu Zahlen und Statistiken ein und daraus leiten sie dann ab,

00:34:57: welche Regeln und Gesetze und Maßnahmen sie treffen,

00:35:02: um diese Bevölkerung zu einem guten Leben zu bringen.

00:35:06: Und wenn ich an technokratischen Institutionalismus denke, dann denke ich eigentlich

00:35:10: immer an einen völlig überbürokratisierten Zentralismus, der übrigens auch gar

00:35:13: nicht demokratisch sein muss oder sein soll,

00:35:17: weil das ist ja gerade der Sinn von einer Technokratie, also die eben nicht

00:35:21: immer nur Demokratie ist.

00:35:24: Also dass man erstmal einfach sagt, der Volk oder der Pöbel ist einfach ein bisschen zu doof.

00:35:30: Und deswegen braucht es ja eine technokratische Regierung an ExpertInnen,

00:35:34: die die ganzen Angelegenheiten regeln müssen.

00:35:36: Und ich war so, verdammte Scheiße, also da muss es schon wirklich am Kochen

00:35:41: sein in den USA, dass Leute sich wirklich hinsetzen und so die Schnauze voll

00:35:44: haben, dass sie sich einen technokratischen Institutionalismus zurückwünschen.

00:35:49: Das ist ja eigentlich eine furchtbare, autoritäre Form der Herrschaft, eine Technokratie.

00:35:54: Und dann habe ich mich gefragt, ist das überhaupt das Gegenteil von Trumps Populismus,

00:35:58: wie er immer gesagt wird? Also das ist ja der erste, das von dem Tweet.

00:36:01: So, finally the opposite of populism.

00:36:03: Und ich dachte mir, naja, man könnte es ja auch so sehen, dass der Populismus,

00:36:07: die lauten Phrasen, diese polternde Politik, die ganzen Tweets,

00:36:11: diese KI-Videos, die Trump dann irgendwie raushaut, das ist so, wie die Fassade ist.

00:36:15: Aber in den Hinterzimmern sitzen ja Leute, die ganz klare Politik machen von

00:36:21: oben und richtig durchdrücken.

00:36:23: Also Populismus und Technokratie sind sich jetzt erstmal nicht am Ausschließen.

00:36:28: Und dann dachte ich mir, gut, jetzt müssen wir vielleicht noch ein bisschen tiefer gehen.

00:36:32: Und ich lese gerade ein Buch von Karolin Amlinger und Oliver Nachtwey,

00:36:36: ich habe es noch nicht ausgelesen, ich bin so in der Mitte ungefähr,

00:36:38: das heißt Zerstörungslust, Elemente des demokratischen Faschismus.

00:36:43: Und finde es bisher wirklich hervorragend, also zumindest bis zu dieser ersten

00:36:47: Hälfte, eine ganz klare Kauf- und Leseempfehlung und eine der Kernthesen in diesem ersten Teil ist,

00:36:52: dass wir eine Bevölkerung haben, die in großen Teilen ihr Leben als ein blockiertes Leben erfährt.

00:36:59: Also ohne Selbstwirksamkeit, ohne Möglichkeiten der Entfaltung,

00:37:03: was sicherlich sehr viel mit auch ökonomischer Verelendung zu tun hat.

00:37:07: Und das führt wiederum bei einer durchaus bedeutenden Masse an Menschen zu destruktiven

00:37:11: Impulsen. Also die wollen die Welt brennen sehen und zwar eine Welt,

00:37:15: die sie ja auch verachtet, die eben ihnen nicht ermöglicht, so zu leben,

00:37:18: wie sie gerne leben würden.

00:37:19: Die sie nicht wahrnimmt als Menschen mit Interessen, als Menschen mit einer

00:37:24: Stimme, die es sich auch zu hören lohnt. Und weswegen auch nochmal diese Frage

00:37:26: ist, was jetzt diese Technokratie da eigentlich soll.

00:37:31: Und Amlinger und Nachtwey sagen ganz klar, dass die wichtigste,

00:37:37: wie soll ich das jetzt nennen, also so eine Verunmächtigungspolitik ja eigentlich

00:37:41: die Austeritätspolitik ist.

00:37:42: Also eine Politik, die nur auf die schwarze Null auf ist.

00:37:45: Aus wir müssen sparen, sparen, sparen, sparen. Und wenn die Krise ist,

00:37:47: müssen wir ganz besonders sparen, als ob das nicht die Krise verschärfen würde.

00:37:51: Und in dieser Austerität wird ja immer mit Sachzwängen argumentiert.

00:37:54: Wir können es jetzt nicht leisten. Es ist einfach kein Geld da.

00:37:56: Wir können nicht ausgeben, was wir nicht haben, womit man natürlich alles ignoriert,

00:37:59: was irgendwie an moderner Geldpolitik möglich wäre und überhaupt wie Geld geschaffen

00:38:04: wird. Aber das ist jetzt nicht ganz das Thema.

00:38:05: Auf jeden Fall ist diese Sparpolitik immer eine Politik, die mit Sachzwängen

00:38:09: arbeitet. Und natürlich ist jetzt nicht jede Technokratie immer nur eine Austeritätspolitik,

00:38:15: aber in Technokratien hast du ähnliche Formen von Entmündigung.

00:38:19: Da sind Experten, die sagen, die empirische Sachlage ist so und deswegen ist

00:38:23: es zwangvoll notwendig, dass wir jetzt der Bevölkerung zum Beispiel halt Badematten schicken.

00:38:28: Und da kann man ja nur hoffen, dass da auch die richtigen Experten sitzen.

00:38:32: Die die richtigen Fakten kennen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

00:38:35: Und wenn ich mir jetzt anschaue, wie in Deutschland beispielsweise sowas wie

00:38:38: die Wirtschaftsweisen zustande kommen, oder wenn wir uns ein paar Wirtschaftsinstitute

00:38:42: angucken, oder wenn wir gucken, wie die Gäste in Talkshows beschaffen sind,

00:38:46: die ja auch bisweilen als Experten oder Expertinnen vorgestellt werden.

00:38:49: Sorry, mein Vertrauen in Expertokratien ist vergleichsweise gering in diesem

00:38:55: Land. Weißt ja nicht, wie es dir da geht.

00:38:59: Ja, also ich meine... Wenn wir Experten für Kriege und Ukraine-Expertinnen angucken,

00:39:06: weiß ich nicht, ob du diesem Expertenrat gerne in der Technokratie folgen würdest.

00:39:10: Ich würde tatsächlich einem Badematten-Expertenrat in den Krieg folgen.

00:39:15: Und ich würde auch für so eine Badematten-Republik kämpfen.

00:39:19: Aber wenn ich mir die Expertokratie, die in dem Innere-Zeiten-Wende-Buch nochmal vorgestellt wird,

00:39:29: Und ja, wenn ich mir die so als Technokratie-Klasse, als Technokratie-Milieu

00:39:36: vorstelle, dann, was sie ja de facto sind eigentlich, dann ist wirklich komplett Feierabend.

00:39:44: Also ich meine, allein was Kaya Kallas, also die Außenbeauftragte der EU, was die...

00:39:50: Weil was die an Quatsch sagt den ganzen Tag, es ist wirklich bemerkenswert.

00:39:55: Ja, und das ist ja alles nicht in diesem Sinne populistisch,

00:39:58: als dass jetzt ja keine lauten, geifernden Töne sind oder so weiter und so fort.

00:40:03: Teilweise wird das ja wirklich gegen ganz große Teile der Bevölkerung auch beschlossen

00:40:07: und durchgeführt. Also das könnte man ja fast antipopulistisch nennen.

00:40:11: Aber gut, ich meine, ich muss jetzt noch ein bisschen auf dieser Twitter-Exegese

00:40:15: rumreiten und diesen Tweet noch ein bisschen auseinandernehmen,

00:40:16: weil ich das wirklich, wirklich wichtig finde.

00:40:18: Denn wenn diese Person das so sagt, hey, bring back institutional technocratic institutionalism,

00:40:29: dann ist dahinter vielleicht nicht der Wunsch nach der Realität einer solchen

00:40:33: Herrschaftsform, sondern vielleicht geht es ein bisschen um den Vibe,

00:40:37: also den das so mit sich bringt, der gegen den Populismus ausgespielt wird.

00:40:40: Also der Populismus ist dann was laut ist, was zerstörerisch ist,

00:40:44: was spaltet, wo es um das Recht des Stärkeren geht.

00:40:48: Und dem gegenüber steht dann so eine Welt von Einheit. Wir alle kriegen eine

00:40:53: Badematte und diesen kleinen, vielleicht stilleren und ganz klaren Verbesserungen.

00:40:58: Wir kriegen alle eine Badematte. Das ist irgendwie so ganz greifbar.

00:41:03: Und man wird bis ins Badezimmer reinregiert. Man kriegt die Badematte,

00:41:05: kriegen die alle vor die Haustür gelegt und sollen die bitte verwenden.

00:41:08: Aber der Nutzen ist trotzdem irgendwie sehr klar. Und diese Technokratie strahlt

00:41:12: also, wenn man es jetzt mal auf dieser sehr emotionalen Ebene betrachtet und

00:41:16: nicht auf so einer realpolitischen, eine große Ruhe aus.

00:41:19: Also es wird nicht an uns alles appelliert, wir müssen nicht die Probleme lösen.

00:41:22: Das machen die Experten für uns.

00:41:23: Und auch die Institutionen, die strahlt es vielleicht weniger eine Ruhe aus,

00:41:26: aber zumindest so eine Beständigkeit. Also alles ändert sich die ganze Zeit.

00:41:30: Wir sind immer diesen Veränderungen auch unterworfen und müssen die ganze Zeit

00:41:33: damit arbeiten. Aber Institutionen, die bleiben, die sind konstant.

00:41:37: Die werden uns immer begleiten, im Guten und im Schlechten.

00:41:40: Das heißt, der Populismus ist irgendwie laut und superintensiv und die institutionelle

00:41:45: Technokratie, die ist leise, die ist geprägt von etwas, was man vielleicht so

00:41:49: Low-Intensity-Feelings nennen könnte.

00:41:53: Es erregt uns nicht die ganze Zeit. Es geht also vielleicht gar nicht um den

00:41:56: Begriff, sondern um das Gefühl, dass da transportiert wird.

00:41:59: Und da bin ich, so mit diesen Gedanken im Hinterkopf oder mit diesem Tweet im

00:42:03: Hinterkopf, von den Gedanken, die ich das hatte, bin ich über eine andere Stelle

00:42:06: gestolpert bei Amlinger und Nachtwey, wo eigentlich genau dasselbe passiert.

00:42:10: Also sie benennen einen Begriff, also wie jetzt in diesem Tweet-Falle institutioneller

00:42:15: Technokratie oder technokratischer Institutionalismus und meinen damit aber

00:42:21: eigentlich ein Gefühl, was dadurch ermöglicht wird.

00:42:23: Also sie sagen, ich lese mal kurz das Zitat vor, und da geht es gerade um so

00:42:29: Sexualitäten und Homosexualität, Transgeschlechtlichkeit, Queerness allgemein.

00:42:34: Und wo dann halt einfach von konservativer Seite aus gesagt wird,

00:42:37: nee, das ist alles unnatürlich, das kann so nicht sein.

00:42:40: Also was man dann jetzt schon duldet und auch als Teil der Natur anerkennt,

00:42:43: ist sowas wie Homosexualität.

00:42:45: Das kann man durchaus verargumentieren, dass es auch natürlich ist,

00:42:48: aber diese ganzen queeren Lebensweisen, die sind es nicht.

00:42:52: Also die nicht-heterosexuelle oder auf CSDs, und laut sind und so weiter. Und das ist ein Problem.

00:43:01: Und dann schreiben sie, das Projekt der Gegenmoderne will nicht hinter die Moderne als solche zurück.

00:43:07: Also wo man früher auch jetzt gesagt hat, die Schwulen sind alle nur perverse.

00:43:11: Aber es will wieder naturalisieren, was in der modernen Gesellschaft als gestaltungsoffen galt.

00:43:17: Also auch bei Rechten dürfen heute die Leute homosexuell lieben,

00:43:22: wie Alice Weidel, wie Peter Thiel und so weiter.

00:43:24: Aber wir dürfen halt nicht wirklich schwul oder lesbisch oder queer leben.

00:43:30: Also wir dürfen keine Schwuchteln sein, wir dürfen keine Deichs sein,

00:43:33: keine Transen, so, weißt du? Die ganzen Akro-

00:43:37: Agro-Faggots sozusagen, dürfen es halt nicht sein. Wir müssen schön brav den

00:43:42: Normen der Gesellschaft irgendwie entsprechen, denn ja, das wäre gegen die Natur.

00:43:47: Und da haben wir ja, wie gesagt, ein ähnliches Schema, also diese Gestaltungsoffenheit,

00:43:52: von der sie reden, also von Lebensweisen.

00:43:54: Heißt ja für eine Mehrheitsgesellschaft immer eine Konfrontation mit Andersartigkeit.

00:43:58: Das heißt, sie müssen vielleicht auch anerkennen, dass wir existieren,

00:44:02: also und wir eben auch Ansprüche, dass wir Queers existieren.

00:44:06: Da kommt sofort irgendwie dieser von rechts geschütte Kulturkampf mit rein,

00:44:11: dass man sich auch mit diesem Lebensweis auseinandersetzen muss.

00:44:13: Also es ist kurzum für die Leute Stress.

00:44:17: Und wie beantworten sie das? Sie beantworten das mit, das ist nicht natürlich,

00:44:21: weil die Natur, die steht für Klarheit, die steht für Ordnung,

00:44:24: das ist irgendwie eindeutig schwarz oder weiß, natürlich oder unnatürlich.

00:44:28: Und das ist deswegen irgendeine Form von Beruhigungspille zu sagen,

00:44:33: nein, das ist die Natur und alles andere ist künstlich, weil die Natur unverfügbar ist.

00:44:39: Du kannst nicht auf sie zugreifen, du kannst sie nicht gestalten.

00:44:42: Du kannst sie einfach nur annehmen als das, was sie ist.

00:44:46: Und das geht jetzt nicht nur so bei der Sexualität. Also wir haben ja ähnliche

00:44:50: Diskurse auch in Bezug auf Rassismus.

00:44:53: Also dass man jetzt eben nicht sagt, Leute haben bestimmte Charaktereigenschaften

00:44:57: oder werden zum Beispiel öfter straffällig, weil,

00:45:00: weiß ich nicht, weil es Rassismus gibt, weil es Armut gibt, weil es Traumata

00:45:07: gibt, weil es Verteilungskämpfe gibt,

00:45:08: weil es auch Religion gibt, sondern das wird alles so abgeschoben auf, die sind halt anders.

00:45:13: Also das ist ein rassistisches Denken, wo man auch gesagt wird,

00:45:16: es gibt verschiedene Rassen, das ist natürlich, leben halt Menschen in bestimmten

00:45:20: Regionen dieser Welt und sollen sich auch nicht vermischen.

00:45:22: Also da kommen ganz klar biologische Muster durch, wo auch wieder so ein Naturalismus gefahren wird.

00:45:28: So. Und jetzt müssen wir aber, wie ich finde, noch ein bisschen tiefer bohren,

00:45:32: weil diese Gefühlslandschaft, die mit so einer Naturalisierung von rechts so mitschwingt,

00:45:40: hat noch ein tieferes oder stiftet ein tieferes emotionales Band oder,

00:45:45: und das wäre jetzt ein Begriff von dem Soziologen Hartmut Rosa,

00:45:48: einen vibrierenden oder einen schwingenden Draht.

00:45:51: Und das ist jetzt die letzte theoretische Schleife, ich verspreche es.

00:45:55: Hartmut Rosa ist ein deutscher Soziologe, der über Resonanz geschrieben hat.

00:46:01: Resonanz ist sozusagen sein Kernbegriff. Der hat da 2016 auch ein Buch rausgebracht, 800 Seiten lang.

00:46:06: Das habe ich natürlich nicht gelesen, aber ich habe ein paar Interviews mit

00:46:08: ihm gesehen und den Soziopod-Podcast gehört.

00:46:12: Schon an dem Namen Soziopod-Podcast merkt man, dass er schon zwei Jahre auf dem Buckel hat.

00:46:17: Der weiß, wie es geht. Die besprechen auch sehr lange Bücher,

00:46:21: also beide richtig fit. Einer ist Prof auch für Dinge.

00:46:24: Und ja, die haben einfach Ahnung und das kann man sich auf jeden Fall mal anhören.

00:46:28: Also die Folge dauert zweieinhalb Stunden und ist sehr, sehr hörenswert.

00:46:32: Und die Resonanz beschreibt eben als vibrierender Draht eine gewisse Verbindung.

00:46:36: Die ist natürlich auszeichnend, dass wenn ich in etwas in Resonanz gehe,

00:46:39: dass es ein eigenes Interesse von mir bedient, dass ich mich als selbstwirksam

00:46:43: erfahre und eben nicht ohnmächtig.

00:46:46: Und die Welt, mit der ich mich so resonant in Verbindung setze,

00:46:48: die ist nicht verstummt, sondern die ist lebendig.

00:46:52: Und er setzt das als Gegenteil von Resonanz die Entfremdung.

00:46:56: Das ist so dieses Gegensatzpaar.

00:46:58: Resonanz auf der einen Seite, Entfremdung auf der anderen. Und er plädiert natürlich

00:47:01: die ganze Zeit für mehr Resonanz.

00:47:04: Weil Resonanz ist gut und Entfremdung ist irgendwie schlecht.

00:47:07: Und das ist schon sehr normativ, also sehr wertend aufgeladen.

00:47:12: Was ich in dem Sinne ein bisschen problematisch finde.

00:47:15: Weil diese Resonanz, von der er schreibt, ist ja erstmal inhaltsleer.

00:47:20: Also mit was du dich in Resonanz setzt oder mit was in Schwingung gerät,

00:47:23: ist erstmal nicht so relevant.

00:47:24: Oder erstmal nicht, das wird nicht mitgesagt.

00:47:28: Du kannst mit allem Möglichen in Verbindung setzen, solange du dich eben als

00:47:31: selbstwirksam oder aus dem Eigeninteresse heraus in diese Verbindung setzen möchtest.

00:47:38: Das heißt, hier bei der Resonanz geht es eigentlich nur um eine Qualität von

00:47:43: einer Beziehung. Also du kannst Resonanzerfahrungen machen mit Familie.

00:47:47: Du kannst Resonanzerfahrungen machen mit Freunden.

00:47:49: Du kannst Resonanzerfahrungen machen mit Instrumenten oder auch Pinseln,

00:47:51: wenn du jetzt irgendwie am Malen bist.

00:47:53: Du kannst mit Events wie Konzerten oder so in eine Resonanzbeziehung gehen,

00:47:57: aber eben auch mit Politik.

00:48:00: Und dann dachte ich mir, naja, aber ist jetzt Resonanz in der Politik eigentlich immer wünschenswert?

00:48:05: Und ist nicht auch Entfremdung eigentlich gut? Also wenn ich sehe,

00:48:08: was du mir gerade vorgelesen hast, Simon, mit diesem Buch, mit diesen ganzen

00:48:11: Dingen, diese Art von Politik, dann fühle ich mich davon entfremdet.

00:48:16: Und ich finde es gut so, dass es so ist.

00:48:18: Ich will mich von dieser Art von Menschenverachtung entfremdet fühlen.

00:48:22: Das heißt, wenn du jetzt so ein Buch schreibst und immer für diese Resonanz

00:48:26: plädierst und die Entfremdung als etwas Negatives framest, da musst du ein bisschen

00:48:29: aufpassen, dass du halt nicht solche Form von Entfremdung, also Entfremdung

00:48:33: von Menschenverhandlichkeiten und so weiter, als etwas,

00:48:36: so sehr in ein negatives Licht gerückt hast, einfach weil du Entfremdung nicht

00:48:39: magst, dass es dann ein Problem wird.

00:48:41: Und in der Tat, gibt es auch einen Teil, wo Hartmut Roser dann über die Gefahren von Resonanz spricht.

00:48:47: Und er setzt natürlich in Verbindung mit dem Faschismus, weil der ja auch die

00:48:51: Fähigkeit von Menschen genutzt hat, in Resonanz zu gehen.

00:48:53: Und er schreibt hier, hier ein etwas längeres Zitat, Folgendes über diese sogenannten

00:48:58: Resonanz-Pathologien, wie er sie nennt.

00:49:01: Die Geschichte und die Manifestationsform des Faschismus und insbesondere des

00:49:06: deutschen Nationalsozialismus machen indessen deutlich,

00:49:08: wie gefährlich die politische Resonanz Sehnsucht für die Anerkennung und den

00:49:13: Schutz von Differenz werden kann und wie schmal der Grat ist zwischen der hier

00:49:17: verteidigten Vorstellung einer Widerspruch nicht nur zulassen,

00:49:21: sondern gerade zur erforderten Antwortkonzeption und einem identitären Echo-Konzept von Resonanz.

00:49:28: Also das ist jetzt ein bisschen kompliziert ausgedrückt, Also er will damit

00:49:29: einfach nur sagen, so es gibt, also die Resonanzbeziehung, die er sich vorstellt,

00:49:33: die darf auch eine Verschiedenheit eben betonen und dieses Identitäre,

00:49:37: was er dann betont, das, was ja auch die Nazis wollten, die Einheit von Volk

00:49:41: und Führer und so weiter,

00:49:42: das kann auch eine Resonanz hervorrufen, aber die sieht er pathologisch.

00:49:45: Dann wieder Rosa. aus meiner Sicht kann kein Zweifel bestehen,

00:49:49: dass der politische Erfolg des

00:49:50: Faschismus und insbesondere des Nationalsozialismus auch und gerade darauf,

00:49:55: zurückzuführen ist, dass diese politischen Bewegungen es verstanden,

00:49:58: an die weit verbreitete und tief verankerte Resonanzsehnsucht von Menschen zu appellieren.

00:50:03: In ihnen und durch sie schien die Politik auch den einfachen Bürgern wieder

00:50:07: zu antworten. Und das ist diese Resonanz.

00:50:09: Also du sendest was aus und es kommt was von der Politik zurück.

00:50:13: Die Faschisten brachten die Welt buchstäblich zum Tönen und Schwingen.

00:50:17: In den Liedern, den Fackeln, den Umzügen und den Massenveranstaltungen,

00:50:21: in den feierlichen Beschwörungen und den Uniformen inszenierten die Nazis ein

00:50:25: gewaltiges Resonanzspektakel, das die Menschen unmittelbar viszeral,

00:50:29: also in ihren Gedärmen, zu berühren verstand.

00:50:32: In einer identitären Resonanzsphäre inszenierten sie buchstäblich die Einheit des Volkes. So, und,

00:50:40: Ich finde das interessant, aus mehreren Gründen, weil für ihn ist ja hier,

00:50:45: also wenn es um eine politische Resonanz geht, die die Nazis hervorgerufen haben,

00:50:48: ja eigentlich nur eine Resonanz da, die aktiviert, die irgendwie auffühlt,

00:50:52: die irgendwie brauscht, diese Fackelzüge und die jubelnden Massen und so weiter.

00:50:58: Und ich denke mir so, ja, aber Resonanz kann ja auch ganz ruhig sein.

00:51:03: Also es gibt immer so eine Doppelfunktion. Sie kann anregen,

00:51:05: aber sie kann ja auch vor Ehrfurcht verstummen lassen.

00:51:07: Also ich meine, in einem Schweigen, was vielleicht ein Zuhören ist,

00:51:12: jetzt in der Musik zu spielen.

00:51:13: Oder wenn du den Sternenhimmel anguckst und da ist einfach etwas,

00:51:18: was du fühlst, was so krass ist, dass du nichts mehr dazu sagen kannst.

00:51:21: Dann ist es ja eher eine Überwältigung und nicht so eine rauschhafte Anregung,

00:51:26: sondern eher so, man fühlt sich ganz klein. Und das ist aber auch eine krasse Form von Resonanz.

00:51:31: Also Rosa denkt diese Resonanz zwar auch auf einer aktivierenden Ebene,

00:51:35: und das hat sie auch, und das ist auch wichtig und gut, aber das ist nur ein Teil.

00:51:40: Und da sind wir jetzt wieder zurück angebunden an diese Vorstellung von Rechten,

00:51:44: dass etwas natürlich ist und dass wir die Natur betonen müssen in Sexualität,

00:51:49: in Rassen oder in Völkern, wie man ja heute ein bisschen politisch korrekter

00:51:54: sagt, die auf der Erde leben.

00:51:55: Dass da ein ganz großer Resonanzraum ist, der sich öffnet, weil die Natur das

00:52:01: etwas Unverfügbares, da hast du keinen kontrollierenden Zugriff,

00:52:04: das kannst du irgendwie nicht rational begrenzen.

00:52:07: Das entzieht sich dem, was wir als Menschen zu leisten vermögen,

00:52:10: sondern es ist einfach so da wie der Sternenhimmel.

00:52:13: Also es bietet sich erstmal an, in dieser Unverfügbarkeit auch eine Resonanzerfahrung

00:52:16: hervorzurufen. Aber es ist eben eine, die eben nicht nur aktiviert,

00:52:21: Sondern die den Leuten so klar macht, wenn ich jetzt heterosexuell bin,

00:52:28: wenn ich weiß bin, wenn ich zu der ganz normalen Gesellschaft dazugehöre,

00:52:31: wenn ich gemäß der Natur lebe, dann bin ich ein guter Mensch.

00:52:34: Dann hat mein Leben eine ganz klare Ordnung.

00:52:36: Und ich glaube, das stiftet eine große Ruhe, diese Resonanzerfahrung. Und deswegen...

00:52:41: Ja, also das ist sozusagen der eine Punkt. Und auf der anderen Seite ist natürlich

00:52:45: eine Resonanzerfahrung, eben

00:52:46: ganz im Sinne von Rosa, auch immer von einer krassen Aktivierung geprägt.

00:52:51: Und die kann ja auch gegen sich das andere richten. Also wenn ich sehe,

00:52:53: wie Seda Samuncu in dem Podcast, wie wir kritisiert haben, sich wieder gegen

00:52:56: den CSD ausspricht, laut, beleidigend, aktivierend, erregt, dann merke ich ja.

00:53:04: Da ist etwas, was natürlich und normal ist und das beruhigt.

00:53:07: Und es gibt etwas, was unnatürlich ist oder entfremdet von mir aus.

00:53:11: Und das muss mit Aggression, mit Destruktivität, mit Auffallung,

00:53:15: mit Lautstärke bekämpft werden.

00:53:18: Also es geht auch in beide Richtungen.

00:53:21: Also wenn Hartmut Rosa sich eine schöne Welt vorstellt, in der wir alle irgendwie

00:53:24: in schwingender Resonanz sind, dann würde ich sagen, müssen wir wirklich aufpassen,

00:53:28: weil es gibt, und ich sehe sie wirklich an vielen, vielen Orten,

00:53:31: etwas, was ich jetzt, und das wäre jetzt eine Begriffsschöpfung,

00:53:34: eine autoritäre Resonanz nennen würde.

00:53:36: Eine Resonanz, die darauf beruht, dass man sich künstliche Gebilde schafft wie

00:53:41: die Natur, das Volk, den Führer,

00:53:45: die Deutschen oder von mir aus als Gegenbild die Russen, um jetzt nochmal diesen

00:53:50: Kriegsmodus aufzumachen,

00:53:51: eine künstliche Form von so sind die Dinge normal und natürlich und daraus eigentlich

00:53:57: auch eine ganz starke Ressource, gefühlvoll entsteht, die Resonanz bedeuten kann.

00:54:03: Also diese Menschen, die du vorgelesen hast, die scheinen sich ja wirklich in

00:54:08: diesem aktivierenden Sinne, den ich beschrieben habe, an dem Krieg zu berauschen,

00:54:12: aber auch in dem beruhigenden Sinne, ja, wenn wir aufrüsten,

00:54:15: dann können wir in Frieden und Sicherheit leben.

00:54:17: Da entstehen richtig tiefe menschliche Gefühle, die vielleicht mit diesem Begriff

00:54:21: von Hartmut Rosa, dieser Resonanz, gut beschrieben sind, aber die eben nicht

00:54:26: das Gegenteil von irgendwie schlechter Entfremdung bedeuten,

00:54:29: sondern die wirklich durch und durch autoritär sind.

00:54:32: Und ja, das war irgendwie so eine,

00:54:35: so eine Idee, die ich gerne irgendwie mit reinbringen würde,

00:54:38: diese autoritäre Resonanz, die ich aus diesem Tweet über Badematten,

00:54:41: Amlinger und Nachtweih und Badematten, also von Badematten bin ich eigentlich beim Krieg gelandet.

00:54:47: Und ich möchte an dieser Stelle noch einmal plädieren für genau das,

00:54:51: was Amlinger und Nachtweih gesagt haben, was diese Naturalisierung oder dieser

00:54:56: Move alles zu naturalisieren ausschalten soll,

00:54:59: das Gestaltungsoffene, das Entwicklungsfähige, das Kreative und Schöpferische,

00:55:04: dass wir das nicht verbannen irgendwie in den Maschinenraum der Natur oder von

00:55:08: mir aus in den Maschinenraum eines technokratischen Institutionalismus.

00:55:13: Und das wäre so mein Plädoyer für diese Podcast-Folge.

00:55:17: Und ich würde sagen, mit so einem leichten Pathos auch ein gutes Ende.

00:55:21: Sehr gut. Ich finde das sehr schön.

00:55:24: Ich fand das einen sehr schönen Gedanken, den du da entwickelt hast.

00:55:30: Und das hat mir nochmal Lust gemacht, weil ich habe Demokratischer Faschismus,

00:55:34: das Buch von Nachtwey und Amlinge auch hier und ich würde das auch gerne noch

00:55:38: lesen und das hat mir den Anstoß gegeben, dass ich das vielleicht so tun möge.

00:55:43: Also es gibt auch eine sehr lange Rezension bei die 29er, unsere hochgeschätzten Podcast-Kollegen.

00:55:50: Also Wolfgang Schmidt und Stefan Schulz haben das zwei Stunden lang in ihrem Salon besprochen.

00:55:54: Für alle, die es nicht gehört haben können, sollten das auf jeden Fall tun.

00:55:57: Ich würde allerdings tatsächlich auch ihrer Einschätzung ein bisschen widersprechen.

00:56:01: Ich glaube, Stefan hat gemeint, eigentlich findet das cool, weil in diesem Buch

00:56:05: von Nachtwey und Amlinger wurden Interviews geführt. Ich glaube, 60 Stück so die Ecke.

00:56:11: Und da werden immer wieder Leute zitiert, die eben diese Zerstörungswut so in sich tragen.

00:56:14: Und diese Zitate haben es echt in sich. und Stefan war so, ich will mehr davon

00:56:18: und war so, okay, jetzt gib mir eigentlich ein Buch, wo nur diese Zitaten drinstehen

00:56:22: und nicht so viel Theorie, Theorie, Theorie, Theorie und hier nochmal ein Benjamin-Zitat

00:56:25: und nochmal irgendwie die Soziologie-Klassiker rausgekramt, die habt ihr eh alle gelesen und so.

00:56:29: Und ich dachte mir so, nee, ich find's eigentlich super.

00:56:32: Also ja, vielleicht mehr Zitate hätte man auch reinbauen können,

00:56:34: aber ich mag eigentlich diese theoretischen Querverweise total gerne,

00:56:38: weil die erlauben es mir ja auch,

00:56:41: von dieser Zerstörungslust der Leute, die da interviewt wurden,

00:56:44: auch zu abstrahieren und dann von Badematten auf den Ukraine-Krieg zu kommen.

00:56:49: Deswegen, ja, ein Plädoyer für mehr Theorie.

00:56:53: Sehr schön. In diesem Sinne, lieber Lole, ich wünsche dir noch eine wunderschöne,

00:56:58: heiße Woche in jeder Hinsicht und jeder Bedeutung des Wortes.

00:57:02: Wir hören uns in einer Woche wieder und ich freue mich sehr.

00:57:05: Ich freue mich auch sehr. Tschüss, lieber Ole. Tschüss, Schatzbeer. Bis dann.

Kommentare (1)

Thomas (Nürnberg)

Liebes Autorenteam, vielleicht läßt Sie die verlinkte Rezension eine etwas distanziertere Position zu zentralen Thesen von Nachtwey/Amlinger einnehmen: https://www.kritiknetz.de/images/stories/texte/Wallat_Rezension_Amlinger_Nachtwey.pdf

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