Die traurige Gegenwart des Lesens & das große Thema Gooning

Shownotes

Ole hat “Die Zukunft des Lesens” von Christoph Engemann gelesen und findet: Da geht es viel zu wenig um die tatsächliche Zukunft des Lesens. Alles muss man selber machen (das ist Foreshadowing für später) und daher spricht Ole über die Rolle von Texten in der medialen Moderne und darüber, wie sie vielleicht etwas breiter gelesen werden könnten.

Was zum Geier ist Gooning? Die wenigen Glücklichen, die bisher noch nicht mit diesem Konzept konfrontiert wurden, werden heute viele schöne neue Begriffe lernen: Cuckchair, Goonstate, Gooniverse. Simon verspricht: All das macht Sinn. Er spricht über seine ersten Berührungspunkte mit Internet-P0rnographie und was die passive Rolle, die man beim Konsumieren dieser Inhalte einnimmt, bei den Konsumenten bewirkt.

Der besagte Essay: https://harpers.org/archive/2025/11/the-goon-squad-daniel-kolitz-porn-masturbation-loneliness/

Transkript anzeigen

00:00:00: Leute, Leute, Leute, hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Goonrechte Goonmokraten.

00:00:05: Ich begrüße dich, Ole. Wo erreiche ich dich in deiner Gooncave?

00:00:10: Aus welcher Gooncave? Help me! Aus welcher Gooncave erreichst du mich heute?

00:00:17: Boah, ich hab wirklich gerade gedacht, als ich deine Stimme gehört habe,

00:00:20: wow, so heterosexuell hat Simon David Rester schon lange nicht mehr geklungen. Ist ja furchtbar.

00:00:24: Ja, normalerweise klinge ich bei dir nicht so heterosexuell.

00:00:27: Vor allem, weil heute der 1.

00:00:29: Juni ist. Ich meine, es ist Pride Month. Oh mein Gott. Wir wissen, endlich wieder.

00:00:35: Oh mein Gott. Ein Monat nur für dich, Ole.

00:00:38: Wow, ich fühle mich geehrt und so weiter.

00:00:42: Ich habe heute schon etwas hämisch gepostet, dass ich mich schon wieder freue

00:00:46: auf die spannende und noch nie dagewesene Diskussion, ob Kings auf den CSD gehören.

00:00:53: Weil ja, als ob wir nicht die letzten Jahre jedes gottverdammte Argument dafür

00:00:58: oder dagegen gehört hätten.

00:00:59: Und ich kann es wirklich, ich kann es nicht mehr ertragen.

00:01:02: Also das ist wirklich, da merkt man, dass Social Media einfach überhaupt keine Archivfunktion hat.

00:01:07: Also ich meine, alles ist verfügbar, aber offensichtlich ist nichts mehr auffindbar

00:01:11: oder Diskurse werden überhaupt nicht in dem Sinne archiviert,

00:01:13: als dass sie auch wirklich wachgerufen werden, wenn man sie braucht,

00:01:16: sondern es muss jedes Jahr aufs Neue geführt werden.

00:01:20: Exakt die gleichen Argumente, da erinnert sich gar nichts dran.

00:01:23: Das ist so ermüdend. Ja, nee, check ich.

00:01:26: Ich muss halt die Frage stellen, ich muss kurz noch raten, Ob Kings auf den CSD gehören oder nicht.

00:01:32: I don't give a damn shit. Ich meine, es sind politische Demonstrationen und

00:01:36: da ist viel wichtiger die Frage, wer da mitläuft oder nicht mitläuft.

00:01:40: Welche politischen Forderungen werden gestellt und wo finden die statt?

00:01:44: Wir brauchen nicht noch mehr CSDs in Köln oder in Berlin. Da ist schon vieles,

00:01:48: läuft schon vieles und so weiter.

00:01:49: Leute, fahrt bitte in Städte, die es wirklich brauchen. Fahrt nach Chemnitz, fahrt nach Bautzen.

00:01:54: Die brauchen richtig Support. Und ob da jetzt ein paar Puppies mitlaufen oder

00:01:57: nicht, I couldn't care less. Es ist mir wirklich, wirklich egal.

00:02:01: Und diese andere Frage, ob dann Kings auf dem CSC ist, ob man die ausleben sollte oder nicht.

00:02:07: Ich meine, es ist eine politische Demo. Also Sex haben kann man im Schlafzimmer.

00:02:09: Wenn Leute da in den entsprechenden Outfits rumlaufen, wen juckt's?

00:02:13: Ich bin dagegen, dass man nackt auf Demos ist.

00:02:16: Weil das ist immer noch in der Öffentlichkeit. Das, finde ich,

00:02:19: geht nicht. Aber der Rest, was soll das?

00:02:23: Also, da würde ich jetzt vielleicht entspannen. Du würdest auch sagen,

00:02:26: kein Gooning auf der Demo.

00:02:28: Ich würde auch sagen, definitiv kein Gooning auf der Demo. Also sexuelle Handlungen

00:02:32: sollen bitte im Goon Cave stattfinden. Mhm, mhm, mhm.

00:02:36: Okay, also du merkst, ich bin in Goon-Laune heute.

00:02:40: Du bist in Goon-Laune, ich weiß schon. Ich bin richtig feiert ab,

00:02:44: aber ich möchte zuerst von deinem Thema hören.

00:02:46: Ich möchte mich noch so ein bisschen edgen davor, bis ich dann quasi in den Goon-State komme.

00:02:55: Ich schwöre, das wird alles Sinn ergeben.

00:02:57: Für alle die Leute, die nicht wissen, was Goonig ist, auch das wird noch erklärt werden.

00:03:02: Und ihr werdet euch wünschen, Ich hoffe, ich zumindest. Ihr werdet euch wünschen,

00:03:06: dass ihr es nie gehört habt.

00:03:07: Aber davor, bevor wir den Goon-State erreichen, freue ich mich, von dir zu hören.

00:03:12: Ja, bei mir geht es tatsächlich auch um States, um Immersionen vielleicht.

00:03:17: Ich möchte erneut über das Lesen sprechen.

00:03:21: Denn ich habe jetzt einen kleinen Aufsatz gelesen von Christoph Engemann.

00:03:25: Der ist, glaube ich, 2025 erschienen.

00:03:27: Jetzt muss ich gleich nochmal nachgucken. 2026, also auf jeden Fall aktuell.

00:03:30: Und er heißt Die Zukunft des Lesens. Es ist erschienen bei Mathes und Seitz

00:03:33: und ist wirklich so eine in fröhliche Wissenschaft.

00:03:35: Weißt du, diese kleinen Essay-Bändchen, vielleicht 150 Seiten oder so aus der Ecke.

00:03:40: Und ich habe das gelesen, weil ich etwas über die Zukunft des Lesens erfahren

00:03:43: wollte, weil ich ja selber eine sehr aktive Leserin bin, weil ich Bücher über

00:03:48: alles liebe, weil mein Content sich viel um Gelesenes und Gedachtes dreht, was ich gelesen habe.

00:03:55: Ich war so ein kleines bisschen enttäuscht, muss ich sagen, denn über die Zukunft

00:03:58: des Lesens habe ich nicht besonders viel erfahren, aber tatsächlich viel über

00:04:02: die Gegenwart des Lesens.

00:04:04: Das ist jetzt auch nicht uninteressant, aber war nicht ganz das, was ich erwartet hatte.

00:04:08: Ich würde trotzdem gerne so ein bisschen darlegen, worum es in diesem Essay

00:04:12: eigentlich geht, was so die Hauptthesen sind oder auch die Thesen,

00:04:15: die ich am interessantesten fand.

00:04:18: Und da muss man erstmal von ein paar Grundprämissen ausgehen,

00:04:21: die das prägen, was er dann an Thesen aufstellt.

00:04:24: Nämlich zum einen die Tatsache, dass wir eine historisch hohe Alphabetisierungsrate haben.

00:04:30: Also es ist ja wirklich so, ich meine, lange in der Gesellschaft war es eben

00:04:33: so, nur die wenigsten hatten Zugang zu Bildung oder zu Schriftkultur.

00:04:37: Und das sieht heute ganz anders aus. Wir sind ständig umgeben von Text.

00:04:41: Wir haben ja wirklich auch Schulpflichten, die umgesetzt worden sind.

00:04:44: Also da ist in den letzten 100 Jahren unendlich viel passiert.

00:04:49: Und jetzt an diesem Punkt, wo eigentlich potenziell so gut wie alle in der Bevölkerung lesen können.

00:04:54: Ich meine, es gibt immer noch irgendwie, glaube ich, 10% funktionaler Analphabeten.

00:04:59: Ich wollte euch jetzt auch nicht die Zahlen um die Ohren knallen,

00:05:00: weil das ist völlig irrelevant. Also in historisch hohen Alphabetisierungsraten

00:05:04: haben wir trotzdem ständig fallende Leseraten.

00:05:07: Also der Buchmarkt ist ja relativ im Arsch. Also ich meine, ich kriege das selber

00:05:10: mit als schriftstellende Person.

00:05:13: Es ist wirklich, also die Erstveröffentlichungen gehen zurück und es werden

00:05:18: immer weniger Bücher verkauft, immer weniger gelesen, also bis eben auf wenige

00:05:21: Genres wie irgendwie dieses Young Adult, Dark Roman Sache, wo du halt noch Wachstumsmerke hast,

00:05:25: geht es noch voran, aber im Großen und Ganzen geht es dem Markt nicht gut.

00:05:29: Auch dem unabhängigen Buchhandel geht es ziemlich schlecht.

00:05:32: Da sind ständig Ladenschließungen, ein paar Mutige, die sogar noch gründen,

00:05:35: aber das wiegt nicht auf, dass die Insolvenzen hier größer sind als die Gründungen.

00:05:40: Und in dieser Gemengelage formuliert er einige Thesen oder einige Beobachtungen.

00:05:51: Und zwar die erste ist, und die ist vielleicht ein bisschen kontraintuitiv,

00:05:54: er sagt, Text ist heute wichtiger denn je.

00:05:58: Noch nie war Text so wichtig wie heute, obwohl wir sinkende Leseraten haben.

00:06:03: Weil ja, das Buch ist vielleicht nicht mehr das zentrale Ziel der Leute,

00:06:08: die lesen. Also das Buch wird immer unwichtiger.

00:06:11: Und es ist ja noch nach wie vor auch eine wichtige, also das Buch ist auch eine

00:06:15: wichtige Autoritätsinstanz.

00:06:17: Also natürlich, Bücher lesen heißt heute immer noch, man kriegt so einen gewissen

00:06:21: Status und es strahlt etwas aus.

00:06:24: Man wird entsprechend eingeladen, man wird ernster genommen,

00:06:28: man kann sich anders präsentieren.

00:06:30: Aber das Buch ist nicht mehr eine Autorität, die deswegen da ist,

00:06:34: weil sie dann auch gelesen wird und weil sie sich verbreitet und weil es wichtig

00:06:37: ist, sondern es ist einfach nur noch wichtig, dass man ein Buch geschrieben hat.

00:06:40: Das ist viel wichtiger als das, was in dem Buch eigentlich drin steht oder dass

00:06:43: es eigentlich gelesen wird.

00:06:45: Ja, voll. Ich meine, da fallen mir diverse InfluencerInnen ein,

00:06:48: die tatsächlich einfach überhaupt nichts Interessantes zu melden haben,

00:06:52: aber die ein Buch geschrieben haben und das ist meine Vermutung, die richtig ist.

00:07:00: Dass sie einfach ein Buch geschrieben haben, damit sie nicht mehr als InfluencerInnen

00:07:03: eingeladen werden, sondern als InfluencerInnen und AutorInnen.

00:07:08: Ja, das ist auf jeden Fall ein Punkt, weil ich meine, InfluencerInnen zu sein,

00:07:11: ist ja auch relativ unrühmlich so als Beruf, weil dann immer nur alle denken,

00:07:14: dass man irgendwelche Produkte in die Kamera hält und sich irgendwie ständig verkauft.

00:07:18: Ich meine, selbiges sehen wir auch bei PolitikerInnen. Also die schreiben ja auch ständig Bücher.

00:07:23: Das erschließt sich mir aber nicht ganz, weil die müssen sich ja nicht mehr profilieren.

00:07:28: Also Robert Habeck, warum der nochmal im Wahlkampf seine Zeit damit verbringt,

00:07:34: weil da glaube ich wirklich, dass er die Bücher selber schreibt und kein Ghostwriter,

00:07:37: der ist viel zu eitel dafür, warum der nochmal die Zeit damit verbringt,

00:07:41: ein Buch zu schreiben, also wem will er damit was beweisen?

00:07:44: Oder an wen ist das überhaupt gerichtet? Ja, ich glaube, da sind wir einfach

00:07:47: nicht die richtige Zielgruppe. Tatsächlich.

00:07:51: Weil wir zu sehr Aussagen von Politikern und Politikerinnen über Social Media

00:07:57: eh durchgefiltert mitkriegen.

00:07:59: Aber es gibt durchaus ja noch andere Milieus, wo, glaube ich,

00:08:02: das Buch auch nochmal eine andere Instanz hat. Also als Autorität.

00:08:08: Na, wie dem auch sei, trotzdem ist die These des Autors, auch wenn das Buch

00:08:12: nicht mehr gelesen wird, und nur noch so als so wie so eine graue Eminenz im

00:08:16: Hintergrund waltet, obwohl graue Eminenzen machen ja was.

00:08:20: Du weißt schon, das Bild war vielleicht ein bisschen schräg.

00:08:22: Ist der Text trotzdem wahnsinnig wichtig, denn wir leben in einer Zeit,

00:08:27: wo alles, was in irgendeiner Weise an Content produziert wird,

00:08:30: auch akustisch, auch Videocontent,

00:08:32: transkribiert wird auf der einen Seite, was sicherlich auch mit rechtlichen

00:08:36: Dingen zu tun hat, also dass Plattformen dafür sorgen müssen,

00:08:39: dass eben keine illegalen Inhalte,

00:08:41: publiziert werden und deswegen ist es von maßgeblicher Wichtigkeit,

00:08:44: auch zu wissen, was dort gesagt wird, unter Umständen halt Filter drüber zu laufen zu lassen.

00:08:49: Und wir haben natürlich ein Zeitalter, in der Menschen wahnsinnig viel Chatbots

00:08:54: oder Large Language Models aller Art benutzen.

00:08:56: Also auch hier ist Text zentral und natürlich, was auch irgendwie interessant

00:09:01: ist, in Kommentarspalten.

00:09:03: Also ich meine, ja, Kommentarspalten wurden jetzt auch so ein bisschen geöffnet

00:09:07: für GIFs und für Bilder und so, aber tatsächlich sind ja die Plattformen eigentlich

00:09:12: immer so strukturiert, dass mit allem, allem, allem mit Text geantwortet wird.

00:09:16: Was ich auch interessant finde, also zum Beispiel auch so auf,

00:09:19: also ich habe zum Beispiel das Gefühl so auf Twitter.

00:09:23: Und auch bei YouTube, ist das Verwenden von Emojis sehr ungewöhnlich und gilt

00:09:30: nicht als gute Sitte. Ja, total. Weißt du, warum das so ist?

00:09:35: Ich, nee, tatsächlich nicht. Aber es ist mir bei Twitter auch schon aufgefallen,

00:09:39: dass Leute mit sehr wenigen Emojis nur arbeiten. Vielleicht ist es auch unsere Bubble.

00:09:44: Also ich meine, du bist ja seit neuestem auch sehr aktiv auf Twitter,

00:09:47: was ich fantastisch finde. Also Twitter ist einfach ein viel besserer Ort mit Ole Liebl dort.

00:09:52: Aber ich glaube, also es wird zum gewissen Grad unsere Bubble sein,

00:09:58: also quasi so irgendwie linkspolitisches Twitter.

00:10:00: Und wenn man zum Beispiel in so irgendwie die, irgendwie ein bisschen so Millennial-Gen-X-Bubble

00:10:06: reingeht, die dann so, weiß ich nicht, ein Bild von ihrem Kaffee posten morgens

00:10:12: und dann so drüber schreiben, Kaffee-Fragezeichen,

00:10:15: Kaffee-Ausrufezeichen und dann noch so dieser Sleepy-Head-Emoji.

00:10:19: Da ist es viel noch präsenter als bei trockenem Linkspolitik-Diskurs.

00:10:28: Aber in general würde ich dir zustimmen. Ich kann aber auch nicht beschreiben, woran es liegt.

00:10:33: Auf jeden Fall, wie gesagt, es gibt Transkriptionen, es gibt LLMs und Chatbots,

00:10:37: es gibt auch Suchmaschinen, die schlicht und ergreifend das alles tracken sollen.

00:10:40: Ich meine, ob es jetzt bei Spotify Songtexte sind oder bei YouTube irgendwelcher

00:10:45: Videocontent oder schlicht und ergreifend auf Google.

00:10:47: Also auch Suchmaschinen arbeiten immer mit Text, einfach weil es algorithmisch verarbeitbar ist.

00:10:53: Das ist so die erste These. Text wird immer wichtiger. Die zweite ist,

00:10:57: und da kommen wir jetzt schon so ein bisschen mehr in das Lesen rein und nicht

00:11:01: nur in den Text, dass das Lesen heute, wie er sagen würde, eine Immersion geworden

00:11:07: ist. Also nicht eine Immersion.

00:11:09: Also die Immersive ist ja das, wo du dann wirklich eingesaugt wirst in dieses

00:11:13: Buch, wo es darum geht, dass du auch körperlich in einen Zustand grätst,

00:11:16: wo du verharrst, wo du dich hineinversenkst, du bist ganz ruhig,

00:11:19: du bist konzentriert, du kannst nur diese eine einzige Tätigkeit machen, des Lesens.

00:11:24: Also, okay, ich muss vielleicht dazu sagen, ich bin so ein Typ,

00:11:27: ich habe mir schon sehr früh angewöhnt, dass ich im Gehen lese.

00:11:33: Das ist so verrückt, also das ist wirklich crazy. Das mache ich aber schon immer.

00:11:38: Also ich finde es auch tatsächlich richtig gut.

00:11:43: Also ich habe auch gleichzeitig so einen Hundescheißescan entwickelt,

00:11:46: dass ich jetzt nicht in jedes Fettnäpfchen-slash-Hundescheiße reintrete.

00:11:50: Aber schon so in Teenagerjahren bin ich wirklich durch die Felder und die Wiesen

00:11:55: gewandert und habe Bücher gelesen.

00:11:57: Das ist wirklich krass. Also das wusste ich auch nicht über dich und das verändert

00:12:00: mein Bild von dir auch nachhaltig gerade.

00:12:03: Also ich kann auch im Gehen einfach besser lesen. Also es beruhigt mich in diesem

00:12:07: gleichförmigen Schwingungsverhältnis des Genes so zu schreiten und das ist wie so ein Gehbehinderung.

00:12:12: Ich kann auch besser denken, wenn ich laufe. krass. Also ich glaube,

00:12:16: ich kann, ich glaube, ich würde gerne relaten.

00:12:20: Ich glaube, ich kann nicht so ganz relaten, weil ich glaube,

00:12:23: laufen gerade für mich mit so einer Gehbehinderung nochmal so was Unrhythmischeres

00:12:28: ist, also was nicht einfach so nebenbei passiert, sondern was,

00:12:32: würde ich sagen, einfach wahrscheinlich einen größeren Teil meines Gehirns dann doch irgendwie.

00:12:37: Veransprucht. Ich glaube aber so, ich kann auf jeden Fall die Vorstellung so romantisieren.

00:12:42: Ich kann sie nur sehr bestärkt, also nicht nachempfinden.

00:12:49: Ich meine, du machst ja auch bekanntermaßen viel Sport. Ich mache bekanntermaßen

00:12:52: gar keinen Sport und deswegen habe ich einen unendlichen Bewegungstrang.

00:12:56: Eigentlich müsste ich dringend Sport machen, weil mein ganzer Körper schreit eigentlich danach.

00:12:59: Aber das führt bei mir eher dazu, dass ich halt wie so ein Flummi kaum fünf

00:13:02: Minuten still sitzen kann.

00:13:03: Ich muss eigentlich die ganze Zeit irgendetwas tun und deswegen ist das Lesen

00:13:07: und das Gehen für mich eigentlich eine sehr schöne Doppelbetätigung von Hirn und Körper.

00:13:10: Ich meine, da wo wo ich wohne, ist auch relativ steil, das geht ja richtig die

00:13:14: Hügel hoch. Also man kommt ins Atmen, sag ich jetzt mal.

00:13:18: Ja, so. Das wäre aber die Immersion. In der Regel eher ein Zustand der Versenkung und der Ruhe.

00:13:24: Die Immersion bezeichnet eben die Auslagerung der Immersion an andere.

00:13:30: Also die Immersion ist das Abspalten des körperlich immersiven Zustands des

00:13:34: Lesens an eine unbeteiligte Dritte.

00:13:39: In den allermeisten Fällen heute Leute, die Vorträge halten oder die Podcasts machen.

00:13:44: Wir sitzen hier vor unseren Mikrofonen, sind konzentriert, haben unsere Notizen, reden hier.

00:13:51: Wir können uns nicht wegbewegen. Ich kann jetzt leider nicht spazieren gehen.

00:13:54: Wäre auch mal interessant, aber ich bin in dem Gespräch vielleicht noch weniger

00:14:01: als vielleicht auch in einem Monolog, aber sind wir in einem eher immersiven Zustand.

00:14:05: Die Leute, die uns hören, können alles nebenbei machen. Die können Staub saugen,

00:14:08: die können Autofahren, die können Sport machen.

00:14:11: Und die Informationen und die Gefühle und die Stimmung, die wir vermitteln,

00:14:16: vermitteln wir akustisch.

00:14:17: Das ist jetzt erstmal vielleicht ein bisschen so eine medienwissenschaftliche Beobachtung.

00:14:23: Ja, die Immersion, die Emersion, die Auslagerung von körperlichen Zuständen.

00:14:27: Aber es verändert doch tatsächlich sehr stark die Art und Weise,

00:14:30: wie Menschen heute Informationen wahrnehmen.

00:14:33: Also das Buch als Medium der Informationsvermittlung ist einfach nicht mehr

00:14:39: so effizient genug oder ist nicht mehr zeitgemäß genug.

00:14:42: Es gibt einen Artikel, den ich gefunden habe von Sascha Chapin,

00:14:48: der im Mai 2023 veröffentlicht wurde und der trägt den Titel Books are subjectivity

00:14:55: merging devices, not efficient information transfer devices.

00:14:59: Also Bücher sind Devices, also Geräte, das klingt in Deutschland immer so ein

00:15:04: bisschen oll, also ein bisschen nach Gartengeräten.

00:15:09: Aber Bücher sind Devices, die die Subjektivität verschmelzen lassen,

00:15:14: also die nicht Informationen überliefern.

00:15:16: Das ist so die Hauptthese in diesem kurzen Essay, den er schreibt,

00:15:19: weil er meint, na gut, wenn es jetzt nur um Informationsvermittlung geht,

00:15:22: da können wir uns alle auch Blinkist runterladen und brauchen auch überhaupt

00:15:24: keine Bücher mehr zu lesen, sondern kriegen einfach nur noch Kurzzusammenfassungen.

00:15:27: Was Bücher ja erlauben in dieser Immersion, ist ja eine andere Form der Verschmelzung

00:15:32: mit der subjektiven Perspektive der Autorin.

00:15:35: Also du bist reingesaugt in diese Welt, in diese Art zu sprechen,

00:15:39: in diese Art zu denken, in diese Art Querverbindungen zu ziehen.

00:15:42: Es ist nicht nur die reine Übertragung von Informationen.

00:15:48: Ich habe das so gelesen und dachte, naja, aber sind Podcasts nicht noch viel

00:15:53: stärker in dieser Weise Subjectivity-Merging, weil eine Stimme und ein Gefühl

00:15:58: und ein Austausch doch eigentlich viel präsenter ist.

00:16:01: Also in unserem Podcast geht es ja nicht nur darum, dass wir Informationen vermitteln,

00:16:05: das könnte man ja auch in der Bullet-Point-Liste machen, sondern es geht ja

00:16:07: darum, dass wir auch mit unseren Gefühlen dabei kommentieren eigentlich und

00:16:11: uns aufregen und Sprüche bringen und so.

00:16:15: Eigentlich eine Reaction. Meinst du? Also quasi, dass wir im Prinzip eine Reaction

00:16:20: auf unsere vorbereiteten Notizen machen?

00:16:24: Auf unseren eigenen Content eigentlich, ja. Also es ist eigentlich,

00:16:28: ich finde es eigentlich sogar noch stärker eigentlich als das Buch, der Podcast.

00:16:33: Und dann dachte ich mir, ja, da ist irgendwas drin. Also es ist nicht nur die

00:16:37: effizientere Informationsvermittlung, die durch Podcasts erfolgt,

00:16:41: einfach weil du irgendwie schneller unterwegs machen kannst,

00:16:43: weil es ein bisschen kondensierter ist und so, weil du ein bisschen effizienter

00:16:46: auch noch nebenbei deinen Haushalt machen kannst und noch Informationen aufnehmen kannst.

00:16:49: Also wenn du jetzt praktisch eine Familie hast oder einen langen Job oder so

00:16:52: und du musst Auto fahren, zum Beispiel zu deinem Job, und kannst nicht öffentliche

00:16:56: Verkehrsmittel nehmen, dann bleibt oft die Zeit nicht.

00:16:58: Du musst ja auch dir wirklich Raum schaffen, um eine Tätigkeit zu vollziehen,

00:17:01: die keine Alternativen duldig, die wie ein eifersüchtiger Gott dich in Besitz

00:17:06: nimmt, das Lesen. Das ist nicht allen Menschen gegeben.

00:17:09: Deswegen würde ich sagen, ja, das ist, also er wertet das, glaube ich,

00:17:14: schon. also der Autor Christoph Engemann, dass er diese Immersion schon ein

00:17:17: bisschen, dass da was verloren geht.

00:17:19: Und ich würde sagen, ja, das ist nicht so ganz einfach. Aber das ist so die nächste These.

00:17:23: Dann kommen wir zur dritten These. Es wird dann später zusammengeführt, keine Sorge.

00:17:26: Die dritte These ist, dass Lesen heute maßgeblich Schreiben bedeutet.

00:17:32: Und zwar sagt er, wo findet denn heute die Konfrontation mit Text statt?

00:17:38: Wenn Bücher immer unwistiger werden und Texte immer wichtiger,

00:17:40: heißt ja trotzdem, dass Text einfach präsent ist. Text findet vor allem statt

00:17:43: in Chats oder auf Arbeit von mir aus in E-Mails oder Teams oder irgendwelchen

00:17:47: anderen Horrorprogrammen, die uns und unsere Gehirne quälen.

00:17:51: Oder eben mit Chat-CBT oder Claude oder irgendwelchen anderen LLMs. Und Kommentarspalten.

00:17:56: Das heißt, diese Konfrontation mit Text findet in interaktiven Medien statt.

00:18:00: Wenn wir Text lesen, sind wir in aller Regel dazu aufgefordert,

00:18:04: selber Text beizutragen, zu antworten, zu reacten, auf diesen Text irgendwie zu reagieren.

00:18:10: Ich meine, selbst auf dieser Chat-Ebene hast du ja noch eine Stufe tiefer.

00:18:14: Okay, bei dir nicht. Bei dir nicht, gell?

00:18:16: Und zwar der Reach-Status. Du hast ja, glaube ich, überall ausgeschaltet.

00:18:20: Ich habe alles aus. Ich habe also auf WhatsApp und Signal, glaube ich, auch.

00:18:24: Also ich weiß nicht, wann jemand online ist. Ich weiß nicht,

00:18:28: wann jemand etwas gelesen hat.

00:18:29: Niemand weiß, wann ich etwas lese. Und das ist für mich Freiheit.

00:18:34: Ah, okay. Interessant. Vielleicht sollte ich das auch mal ausprobieren,

00:18:36: weil ich habe das noch nie angeschaltet. Ich habe immer Reach-Status drin.

00:18:41: Und das ist ganz fantastisch. Das ist ganz fantastisch. Ich glaube,

00:18:45: das habe ich auch schon echt lange, also viele, viele Jahre.

00:18:47: Und ich glaube, es kommt noch so ein bisschen aus einer Zeit,

00:18:51: wo ich noch bei meiner Mutter gewohnt habe.

00:18:55: Und es vielleicht auch so ein kleiner Impuls war von wegen, ich will nicht unbedingt,

00:19:01: dass meine Mutter sehen kann, wann ich das erste Mal online war.

00:19:05: Halt aus so einer Teenager-Zeit. und ich glaube, das hat sich so ein bisschen

00:19:09: in mein Erwachsenenleben so rein translated, dass ich das halt einfach gut finde, wenn meine,

00:19:15: meine, oder die Zeiten, wann ich mein Handy in der Hand habe und wie ich mit

00:19:20: meinem Handy als Kommunikations-Device umgehe, einfach undurchsichtig gegenüber

00:19:26: anderen Menschen ist und man dadurch auch weniger so,

00:19:31: Gefühle von man ist so reingepressured, jetzt jemandem zu antworten und so,

00:19:35: das bekommt man einfach nicht oder weniger,

00:19:38: wenn man diese Erwartungsebene gar nicht drin hat, von wegen,

00:19:43: also die Person hat gerade gesehen, oh,

00:19:45: Zuletzt online so und so, aber dann hat die ja meine Nachricht auch gesehen, die Person.

00:19:50: Und warum antwortet die Person mir jetzt nicht? Und da kommt man dann gar nicht erst rein.

00:19:54: Und vor allem auch ich selber nicht bei anderen, weil ich sehe es ja auch jetzt bei anderen nicht.

00:19:59: Und dann ist es so einfach, man schreibt jemandem und wenn die Person antwortet, dann gut.

00:20:04: Und wenn halt ein paar Stunden oder Tage vergehen, dann ist es so.

00:20:09: Aber da werden ganz viele Erwartungen eigentlich rausgenommen.

00:20:11: Das finde ich ganz fantastisch.

00:20:13: Ja, dann würde ich sagen, startet

00:20:14: das Experiment ab heute Abend und ich werde mal das alles ausgeben.

00:20:19: Und ein weiteres Experiment, das ist actually richtig lustig,

00:20:23: weil meine gesamte Karriere hat ja damit begonnen,

00:20:26: dass ich ein Praktikum bei der Bild-Zeitung gemacht habe vor sieben Jahren und

00:20:29: da so ein Schneeballsystem investigated habe oder für einen Artikel recherchiert habe.

00:20:35: Und dann war ich da auch auf so Seminaren, so richtig undercover.

00:20:40: Und da wurden dann immer so wahnsinnige Speaker sind da halt aufgetreten und

00:20:44: haben so Schneeballsystem-Kram geredet.

00:20:46: Und der eine hat gesagt, ja, also ein Teamleader, der halt damit angegeben hat,

00:20:50: wie viel Geld er verdient und so weiter und so fort, wie viele Leute er angeworben hat.

00:20:53: Und er meinte, einer seiner quasi Erfolgsaspekte oder einer der Punkte,

00:20:59: die ihn erfolgreich machen,

00:21:00: ist, dass er alle Chats auf WhatsApp, die er beantwortet hat,

00:21:05: archiviert er und er hat nur die Chats quasi sichtbar, denen er noch nicht geantwortet hat.

00:21:12: Und dadurch vergisst er niemals einem seiner Teammitglieder zu antworten und

00:21:17: kann die quasi alle so an sich binden.

00:21:19: Also das war für ihn halt wichtig als Schneeballsystem, als hohes Tier in einem

00:21:23: Schneeballsystem. Ah ja, interessant.

00:21:25: Da habe ich mir so gedacht, hey, genial. Und seitdem mache ich das.

00:21:29: Seit sieben Jahren habe ich quasi nur die Chats in WhatsApp,

00:21:31: die ich noch nicht beantwortet habe. und dadurch vergesse ich einfach nicht jemandem zu antworten.

00:21:37: Das heißt, wenn das hier jemand hört, dem ich mal nicht geantwortet habe,

00:21:41: dann war es on purpose. Nein, Spaß.

00:21:44: Wow. Aber das ist, und wenn die Leute einem wieder schreiben,

00:21:48: dann kann man halt so einstellen, dass die Chats wieder auftauchen.

00:21:51: Also dann werden die quasi aus dem archivierten Ding raus und dann kann man

00:21:54: beantworten, dann wird es wieder archiviert. Und das ist fantastisch.

00:21:57: Ich benutze einen Chataggregator, Beeper heißt der, B-E-E-P-E-R.

00:22:01: Und da kann man halt Signal, WhatsApp und Telegram, weil ich alle,

00:22:05: ziemlich agnostisch verwende und iMessages auch zusammensetzen und dann hast

00:22:10: du halt eine einzige Chat-Oberfläche und dann kannst du auch diese Chats archivieren.

00:22:14: Das ist für mich tatsächlich ziemlich entspannt, weil ich einfach alles auf

00:22:17: einen Blick habe und es ist nicht so nervig. Also gerade auf dem Computer.

00:22:21: Beim Handy kann man ein bisschen schneller switchen oder man macht es einfacher mit den Notifications.

00:22:27: Zurück zu dem Text. Also die These ist ja, wenn wir eben heute konfrontiert

00:22:31: sind mit Lesen, dann heißt es in der Regel, wir sind aufgefordert selber zu

00:22:34: schreiben. oder darauf zu reagieren.

00:22:37: Und das ist auch ein Phänomen, was vielleicht erklären könnte,

00:22:39: warum Verlage heute, obwohl das Buch immer unwichtiger wird,

00:22:41: immer weniger Leute lesen, sie immer mehr Manuskripte kriegen.

00:22:44: Sie werden praktisch überschwemmt mit Manuskripten. Die meisten Verlage haben

00:22:47: überhaupt keine Kapazitäten mehr, das auch nur annähernd zu lesen,

00:22:49: obwohl es ja eigentlich ihre hoheitlichste Aufgabe wäre, das zu tun.

00:22:53: Aber nein, Manuskripte werden geschrieben noch und nöcher.

00:22:56: Das heißt nicht, dass die Qualität immer entsprechend mitgestiegen ist,

00:22:59: weil um zu schreiben, sollte man auch lesen.

00:23:01: Da gab es ja auch entsprechend mal so ein bisschen diese Diskussion,

00:23:04: gerade was so Substack-Blogs angeht, dass es doch besser wäre,

00:23:08: wenn die Leute etwas mehr lesen würden, bevor sie schreiben.

00:23:10: Aber gut. Und.

00:23:13: Und dann ist halt die Frage, wozu führt das Ganze?

00:23:18: Und da bietet uns Christoph Engemann am Ende des Buches wirklich auf den allerletzten

00:23:23: Seiten eigentlich die These ein, mit der man meiner Ansicht nach das Buch hätte starten müssen.

00:23:28: Also das hätte man, was ich jetzt hier dargelegt habe, in irgendwie einer Viertelstunde,

00:23:31: hätte man kurz zusammengefasst und auf die ersten 20 Seiten ballern können und

00:23:35: dann rein in den Text in die Zukunft des Lesens.

00:23:37: Das müssen wir vielleicht gleich ein bisschen machen. Und zwar hat er auf den

00:23:40: letzten Seiten diese These, dass es eine Art neues Latein gibt.

00:23:44: Also Latein als gleichzeitlich lingua franca, also als Sprache,

00:23:48: die überall gesprochen wird und gleichzeitig die aber als Schriftsprache nur

00:23:52: den allerwenigsten verständlich ist und nur von wenigen gedeutet wird.

00:23:57: Also das Lesen würde seine steile These sein, wird wieder klerikal.

00:24:02: Also man hat sowieso eine Art geistige Kaste mit ganz wenigen in einer Gesellschaft,

00:24:07: die noch regelmäßig und viel lesen.

00:24:09: Und insbesondere sind es eben die Leute, die halt besonders prominent sind und

00:24:14: ein bisschen auch klerikal auftreten, an die das Lesen ausgelagert wurde.

00:24:18: Also diese immersiven Formate wie Podcasts betreiben. Ja, also da haben wir

00:24:25: ja genau diesen Punkt. Leute lesen nicht mehr selber.

00:24:28: Sie hören Podcasts von Leuten, die selber lesen oder selber auch Bücher geschrieben

00:24:33: haben oder Bücher empfehlen.

00:24:35: Und wenn wir jetzt zum Beispiel auch Literatur zitieren oder Bücher empfehlen.

00:24:41: Dann richten wir uns ja auch an potenziell Lesende.

00:24:45: Wir erhalten unsere Autorität über unsere Belesenheit oder über unsere Stiftstellerei. Ja.

00:24:51: Aber das, was wir dann praktisch durch Bücher oder durch Gelesenes an unsere

00:24:57: ZuhörerInnen weitergeben, führt halt nicht automatisch dazu,

00:25:00: also vielleicht bei Podcasts aufrechter Demokraten, aber als Gesellschaftsdiagnose vielleicht nicht,

00:25:04: dass tatsächlich das gelesen wird, worüber wir sprechen, oder dass man das irgendwie

00:25:09: lesend nachvollzieht, weil das eben nicht mehr der Punkt ist.

00:25:12: Also die letzten Zeilen sind mehr oder weniger.

00:25:17: Dass sich dieses neue Latein oder diese neue klerikale Kaste nur noch eben an

00:25:23: potenziell Lesende richtet, die aber selber alle nicht mehr lesen.

00:25:26: Das wäre jetzt die überspitzte These.

00:25:28: Also die Zukunft des Lesens ist eigentlich ein Outsourcing von Lesen. Ja.

00:25:33: Und ich dachte mir, ich weiß es nicht. Ich weiß nicht.

00:25:37: Klar, das muss man in einem Essay ein bisschen scharf formulieren,

00:25:40: aber tatsächlich wäre doch die spannende Frage gewesen, wenn wir sehen,

00:25:44: dass Text immer wichtiger wird, Und wenn Informationen heute auf vielfältige

00:25:48: Weise, auch unterwegs und bei anderen Tätigkeiten, auch sind,

00:25:52: durchgeführt werden und das Lesen, also wirklich das sich hinsetzen und verharren

00:25:55: und immersiv etwas aufnehmen, nur noch eine Möglichkeit von vielen ist.

00:26:00: Wenn Lesen heute heißt, dass es immer interaktiver wird, also dass wir ständig

00:26:03: auch schreibend, kommentierend,

00:26:06: reactend begleiten und auch sehr viele Podcasts gibt, die selber Lesestoff vermitteln,

00:26:12: dann muss doch die Frage sein, wenn wir das richtig ernst nehmen,

00:26:17: diese Veränderung des Lesens.

00:26:19: Wie müsste sich jetzt nicht, also nicht, wie verändert sich das Lesen und den

00:26:23: Niedergang des Buches, sondern wie müsste sich das Medium Buch eigentlich verändern?

00:26:27: Also ich meine, ich lese immer mit Stift, immer.

00:26:30: Das heißt, ich bin ja schon in dem Modus, dass mein Lesen auch ein Schreiben

00:26:33: ist. Ich schreibe ins Buch, ich mache Markierungen, ich mache mir Notizen.

00:26:36: Danach nehme ich dieses Buch und übertrage es, also fast jedes Buch, in ein Notiz,

00:26:42: also in eine Note of Obsidian, das ist mein Note-Taking-Tool,

00:26:46: so alles in Markdown, kann ich irgendwie auch in irgendwelche LLMs noch kippen,

00:26:50: mir auch nochmal anders umstrukturieren, für irgendwelche Skripts verwenden oder so.

00:26:53: Da würde ich mir auch wünschen, dass ich eine andere Referenz habe.

00:26:57: Ich finde E-Books irgendwie ein schwieriges Format. Manchmal habe ich auch nur E-Books, die ich kaufe.

00:27:00: Da weiß ich nicht genau, wie ich Seitenzahlen referenzieren soll,

00:27:03: wenn ich das sauber zitieren möchte.

00:27:04: Das ist alles nicht so easy. Da merke ich, da ist noch voll die krasse Reibung.

00:27:09: Ich kaufe ein Buch im Laden und verstehe nicht, warum ich dann nicht auch das

00:27:12: Hörbuch mitkriege, weil ich ja auch ab und zu nicht lesen kann.

00:27:15: Auch ich bin ja ein Mensch, der arbeiten muss.

00:27:18: Ich bin eine Person, die sich um irgendwie Sachen kümmern muss.

00:27:21: Also ich bin froh, dass ich heutzutage die Möglichkeit habe,

00:27:24: Informationen auch auf andere Art und Weise aufzunehmen.

00:27:27: Und da würde ich sagen, ich würde halt gerne neue digitale Formate haben.

00:27:32: Ich meine, ich lese jetzt zum Beispiel gerade von Heiner Flassbeck Grundlage

00:27:35: einer relevanten Ökonomik.

00:27:36: Das ist ein richtig knochentrockenes Fachbuch.

00:27:39: Also das richtet sich definitiv nicht an Lein.

00:27:43: Ich bin aber trotzdem als interessierter Laie,

00:27:46: in der Lage, dieses Fachbuch zu lesen und wenigstens grob zu verstehen,

00:27:49: also jetzt nicht in einem kritischen Sinne, ich kann nicht sagen,

00:27:52: ob das völliger Mumpitz ist oder nicht, was,

00:27:54: Flassbeck da schreibt, also es gibt ja, der ist ja ziemlicher Outsider,

00:27:56: es gibt Leute, die ihn absolut furchtbar finden, also mir egal,

00:27:59: ich kann es trotzdem einfach nur, ich kann nur seine Argumentation,

00:28:02: nachvollziehen, weil ich nebendran ein LLM habe und sagen können,

00:28:06: ey, warte mal, wenn der Zins irgendwie hier fällt, warum steigen dann da die

00:28:09: Nachfrage nach Kredite oder irgendwie so etwas,

00:28:12: bitte erklär mir das nochmal und dann, ich meine, solches wirtschaftswissenschaftliches

00:28:15: Standardwissen, was ich nicht habe, weil ich es nicht studiert habe,

00:28:18: kann ich trotzdem mir gut aufbereitet über ein Chatbot erklären lassen oder

00:28:21: für mir ist eine kurze Google-Suche und kann in diesem Buch ganz anders arbeiten,

00:28:26: ganz anders mit diesem Buch arbeiten.

00:28:27: Und da würde ich mir eigentlich wünschen, dass da viel mehr drüber nachgedacht

00:28:31: wird, wie das gehen könnte.

00:28:35: Also dieses Konstruktive vielleicht, das hat mir in dem Buch sehr gefehlt.

00:28:40: Was ich allerdings aber auch sehe, und da stimme ich dem Buch wieder zu,

00:28:43: auch in dieser etwas pessimistischen Lektüre, dass sich heute nur noch an potenziell

00:28:47: Lesende gewandt wird, die alle aber gar nicht mehr lesen, ist so ein Phänomen

00:28:51: auf BookTok, immer diese Scheißlisten zu machen.

00:28:54: Mit den Tropes? Ich habe, nee, nicht mal Tropes.

00:28:58: Tropes wäre ja eine Sache, wo ich sagen würde, okay, wirklich diese ganzen Romance-Bücher,

00:29:02: die drehen sich ja um Tropes.

00:29:03: Also das ist ja tief verankert in diesem literarischen Genre,

00:29:06: dass es ganz starke Konventionen gibt, wie eine Handlung erzählt wird und diese

00:29:11: leichten Variationen das Ganze ausmachen.

00:29:12: Nee, ich meine wirklich Bookfluencer, egal auf Instagram oder auf TikTok,

00:29:16: die sowas machen wie fünf feministische Bücher, die sich mit sexueller Gewalt beschäftigen.

00:29:21: Oder meine sieben Lieblingsbücher der letzten 20 Jahre. oder zehn Must-Reads,

00:29:25: wenn dir der Freund fremdgegangen ist. Oder zehn Bücher und je nachdem,

00:29:29: wie stark ich lächle, desto besser hat mir das Buch gefallen.

00:29:34: Furchtbar. Oder so Kurzrezensionen, die irgendwie so drei Sätze lang sind.

00:29:39: Hat mir gefallen, aber Ende fand ich ein bisschen schade.

00:29:42: Genau. Ich will nicht spoilern und deswegen lese ich nur den Klappentext vor.

00:29:47: Diese Art von Booktalk, vor allem diese Listen, die ja wirklich Massen an Büchern

00:29:52: aufziehen, die sicherlich alle gelesen haben, auch genossen haben,

00:29:55: um ganz viele Gedanken zu haben, wird eingedampft auf, ich lächle oder ich lächle nicht.

00:30:00: Und da geht es ja wirklich nicht mehr darum, dass das irgendwer liest. Also ich meine, klar,

00:30:06: Natürlich sind Empfehlungen auch wichtig und wenn Leute gute Bücher lesen und

00:30:10: gute Bücher vorstellen, dann bin ich auch bereit, so eine Liste entgegenzunehmen.

00:30:14: Aber wenn halt der Content in der Hauptsache nur noch aus diesem,

00:30:18: ich halte in großer Geschwindigkeit vier Bücher in die Kamera besteht,

00:30:21: dann bin ich tatsächlich raus.

00:30:23: Ich finde, das ist eine reine Ersatzhandlung.

00:30:26: Also man wird so ein bisschen gekackt irgendwie.

00:30:31: Ja, ich wollte noch das Thema überleiten. Also du würdest sagen,

00:30:34: da wirst du nicht reinfolgen.

00:30:36: Ja, ich würde nicht reinfolgen auf so einem Kacklesechair, was ich meine.

00:30:44: Aber auch das müssen wir vielleicht gleich erklären, was du mit Kack...

00:30:49: Kackhauling bedeutet, es ist halt ein sexueller Fetisch oder so,

00:30:54: der sexuelle Erregung daraus zieht, dass der eigene Partner oder die eigene

00:31:00: Partnerin von einer anderen Person sexuell stimuliert wird oder meistens penetriert

00:31:05: und man sitzt halt irgendwie daneben und guckt sich das Ganze nur an.

00:31:08: Also es ist praktisch ein voyeuristischer Kink und der Sex wird nicht an einem

00:31:12: selbst vollzogen, sondern nur das Anschauen von Fremden ist das,

00:31:15: was dann eben die Stimulation oder die Lust stiftet.

00:31:19: Das ist mit Kack gemeint. Also C-U-C-K, also nicht Kack-K. Genau,

00:31:24: nicht Kock oder Kack oder wie Kacke. Genau, sondern C-U-C-K, genau.

00:31:28: Und diese Art von, ich sag mal, fast libidinös besetzter Ersatzhandlung sehe

00:31:32: ich in diesen Listenvideos von Büchern. Also der Genuss des Lesens wird gar

00:31:37: nicht mehr selber vollzogen, sondern er wird nur noch an diese Instagram-Profile ausgelagert.

00:31:41: Und da würde ich sagen, okay, da sehe ich mit dem Buch auch wirklich ein Problem

00:31:45: und das ist wirklich eine Form von Klerikalisierung.

00:31:47: Ich meine, auch die katholische Kirche ist ja entsprechend libidinös besetzt und so weiter.

00:31:53: Aber ja, das wollte ich so ein bisschen mitgeben zur Gegenwart des Lesens.

00:31:58: Vielleicht müssen wir auch nochmal irgendwann eine Folge machen zur Zukunft des Lesens.

00:32:01: Ich habe da noch sehr viele Gedanken zu, aber die muss ich jetzt nicht ausbreiten.

00:32:04: Aber ich wollte diesen Essay dir einfach gerne mal in seinen Kerngedanken vorstellen. Und...

00:32:11: Ein oder zwei Verbindungslinien ziehen und habe hoffentlich die Brücke ganz

00:32:16: gut geschafft. Zu deinem Thema, mein lieber Simon.

00:32:20: Oder möchtest du noch was anmerken? Nee, eigentlich nicht.

00:32:24: Ich meine, ich bin erklärter Gegner von diesem ganzen dämlichen Booktalk-Scheiß

00:32:29: und von diesen Leuten, deren Buch-Content daraus besteht, dass sie halt sagen,

00:32:34: fand ich nicht gut, fand ich gut, aber die halt,

00:32:38: wenn man sie mal zwingen würde, drei Minuten über ein Buch zu reden und drei

00:32:42: Minuten interessante Gedanken über ein Buch zu formulieren, die halt einfach

00:32:45: daran zugrunde gehen würden und es einfach nicht schaffen.

00:32:48: Und von daher bin ich da sehr bei dir.

00:32:52: Also vielleicht so eine Ratio. Weißt du, auch drei Rezensionen,

00:32:55: eine Liste, dann bin ich okay. Ja, naja. Ach, naja. So.

00:33:01: Aufrechte Demokraten. Ich habe am Anfang schon von den guten rechten Gunokraten.

00:33:08: Gunmokraten gesprochen.

00:33:10: Und es ist ein Thema,

00:33:13: Das treibt mich schon ein bisschen länger um, muss ich sagen.

00:33:17: Das war so ein bisschen an der Peripherie von meinem Gehirn.

00:33:21: Jetzt auch schon seit ein paar Jahren war ich vor so vier Jahren oder so.

00:33:25: Warte, warte, du musst kurz definieren, was ist Gooning? Ja, Gooning, ja.

00:33:29: Ich will mich da so rantasten. Ich will mich an dieses Verb,

00:33:32: an diesen Begriff... Wenigstens, dann werfe ich kurz was rein.

00:33:36: Als Arbeitsdefinition praktisch ausdauernd, langes und verzögernes Masturbieren.

00:33:41: Mit dieser Arbeitsdefinition können wir erst mal arbeiten, damit Leute wissen, was damit gemeint ist.

00:33:46: Warum das einen Begriff braucht und was es damit auf sich hat, das kommt dann jetzt.

00:33:50: Und genau, also auch vor allem, wenn ich gesagt habe, wir senden aus unserer

00:33:54: Goon Cave. Eine Goon Cave ist genau das, was man sich darunter vorstellt.

00:33:58: Also wie eine Man Cave, also eine Höhle, in der man sich dem Gooning hingibt. Und das ist ganz schwer.

00:34:06: Also wir merken, Simon tastet sich da ganz langsam ran.

00:34:09: Eigentlich ist es gar nicht so zum Lachen, aber es ist einfach so grotesk und

00:34:15: absurd, dass da wird der ein oder andere Verzweiflungslacher durchkommen.

00:34:20: Also ich habe vor vier Jahren mit einem guten Freund mal darüber gesprochen,

00:34:25: über diesen Kackholding-Fetisch.

00:34:28: Also das, was du gerade angesprochen hattest, was du kurz beschrieben hast.

00:34:33: Was der Fetisch ist, dass quasi der eigene Partner oder die eigene Partnerin

00:34:37: Sex mit jemand anderem hat.

00:34:40: Und man selber schaut dabei zu und man selber ist unbeteiligt.

00:34:43: Das ist das Wichtige. Also man wird quasi in die Passivität verdammt.

00:34:48: Und mein guter Freund von damals...

00:34:51: Mit dem ich leider gar nicht mehr so viel Kontakt habe, fällt mir so gerade

00:34:53: auf, der hat erzählt, dass sein Bruder und dessen Freundin das quasi mal ausprobiert

00:34:59: haben, quasi diese Sexpraktik.

00:35:02: Und dann haben wir so ein bisschen darüber gerätselt, auch warum das in den

00:35:06: letzten Jahren immer so ein großes Ding war, oder warum das so populär wurde.

00:35:10: Weil den Begriff Cuckholding und Cuckhold, den gibt es schon relativ lang,

00:35:14: also aus dem Englischen,

00:35:15: aber dass das zum Beispiel auch eine sehr beliebte Porno-Kategorie war,

00:35:21: Das ist ein relativ neuer Trend und auch das Kack-Trends.

00:35:27: Eine Beleidigung wurde, die man gerade auf Twitter, gerade auf amerikanischem

00:35:33: Twitter sehr oft findet, um andere Menschen herabzuwürdigen.

00:35:38: Auch das ist so eine Entwicklung der vergangenen vielleicht fünf bis zehn Jahre.

00:35:44: Und also... Also es gibt auf jeden Fall eine Karriere. Genau,

00:35:47: es gibt auf jeden Fall eine Karriere.

00:35:49: Also quasi der Begriff Kack als Beleidigung wurde, glaube ich,

00:35:53: hauptsächlich verwendet von Republikanern, also von Mager-Trump-Republikanern,

00:35:59: die quasi damit irgendwelche angeblich verweichlichten Demokraten,

00:36:04: Männer herabwürdigen und passend oder gepaart mit der Beleidigung Soyboy,

00:36:11: also quasi Soja-Junge, also Mann,

00:36:14: der kein Fleisch isst, sondern Soja und deswegen verweichlicht ist.

00:36:18: Und Kack war so auch halt einfach eine entmännlichende Beleidigung für irgendjemanden.

00:36:22: Und ich glaube, daraus hat sich so ein bisschen so eine Allerweltsbeleidigung

00:36:26: entwickelt, gerade im Internet, die halt nicht mehr nur auf dieses Trump-Maga-Universum beschränkt ist.

00:36:31: Und mein Kumpel und ich, wir haben dann so damals über seinen Bruder halt geredet

00:36:36: und dann haben wir so über Internetpornografie geredet.

00:36:41: Und ich bin 26, ich bin 1999 geboren, das heißt, ich hatte mein erstes Smartphone

00:36:50: mit 13 und davor hatte ich ein iPod Touch.

00:36:55: Das heißt, ich habe einen Großteil meiner Jugend mit einem internetfähigen mobilen Gerät verbracht.

00:37:04: Und das bedeutet, dass ab diesem Zeitpunkt mir eigentlich die gesamte Welt der

00:37:10: Hardcore-Internet-Pornografie offen stand.

00:37:12: Und nicht nur mir, sondern allen jungen Männern in meinem Alter und auch allen jungen Nicht-Männern.

00:37:19: Aber ich würde sagen, das ist ein ziemlich dezidiert männliches Ding,

00:37:23: auf was wir gleich zu sprechen kommen.

00:37:25: Und sowieso alle Menschen, die jünger sind als ich, sowieso.

00:37:29: Also ich meine, ich habe zwei kleine Geschwister, die sind 14 und fast 16.

00:37:36: Und ich meine, die haben auch Smartphones und die haben schon relativ lange Smartphones.

00:37:42: Und dann ist es ja so, dass man,

00:37:46: oder ich ziehe es andersrum auf, Wenn man Pornografie konsumiert,

00:37:52: dann ist man ja auch die ganze Zeit in einer maximal passiven Situation.

00:37:58: Also man ist ja willentlich in die Hilflosigkeit verdammt.

00:38:03: Also in die bewusste und meistens angenehm empfundene Hilflosigkeit.

00:38:09: Man ist eine dritte Person, die sich das Ganze anschaut.

00:38:15: Das, was auf dem Bildschirm passiert, ist schon lange vorbei.

00:38:17: Also das wurde schon gedreht, es handelt sich um irgendwie Livecams oder so.

00:38:21: Aber das ist quasi fertig. Und man kann darauf auch keinen Einfluss mehr haben.

00:38:26: Wie gesagt, beim Thema so Livecam-Pornografie ist es ein bisschen anders.

00:38:31: Aber das ist, was Internetpornografie angeht, ja eher ein kleinerer Teil.

00:38:37: Das heißt, man ist im Prinzip die ganze Zeit in so einer Kack-Position.

00:38:42: Also man ist eigentlich die ganze Zeit auf dem Kack-Chair, wenn man Pornografie konsumiert.

00:38:48: Und wenn man sich jetzt vorstellt, dass es halt einfach eine gigantische Anzahl

00:38:52: von Männern in meinem Alter und Jünger gibt,

00:38:56: deren erste sexuelle Erfahrungen Internetpornografie waren und die ab dem Alter

00:39:03: von, keine Ahnung, 8, 9, 10, 11, 12 24 Stunden Zugang zu Internetpornografie haben oder hatten,

00:39:11: dann muss man sich nicht wundern,

00:39:15: wenn daraus eine Haltung oder eine sexuelle Entwicklung wächst,

00:39:20: die sich ganz stark auf diese Hilflosigkeit und auf diese Erniedrigung,

00:39:27: die auch immer ein Teil von diesem Cuckholding-Fetisch ist,

00:39:31: die sich ganz stark daraus nähert und darauf bezieht.

00:39:36: Ich kann mich zum Beispiel daran erinnern, dass als ich zehn war oder so,

00:39:41: meinte ein damaliger Freund, also ein Kindheitsfreund, der irgendwie der Sohn

00:39:45: von Freunden von meiner Mutter war,

00:39:48: meinte zu mir so, wir waren draußen mit unseren Eltern spazieren und so,

00:39:52: und dann meinte er so, soll ich dir mal was zeigen, wenn wir nach Hause kommen?

00:39:56: Und er war so ein bisschen so ein Computer Mensch, also der hatte so irgendwie

00:39:59: so einen Computer und war so sehr technikaffin und ich halt gar nicht und dann

00:40:04: hat er mir so irgendeine Porno-Seite gezeigt. Ich glaube irgendwie Rap-Porn oder so.

00:40:10: Und ich meine, also ich war 10 und er war 11, glaube ich.

00:40:14: Und das war, also ich kann mich sehr bildlich dran erinnern.

00:40:18: Also dieses Zimmer, in dem wir waren und auch wie ich mich da gefühlt habe. Also es war irgendwie,

00:40:25: strange, aber es hat irgendwie auch so getingelt in meinem Körper und ich konnte

00:40:31: das gar nicht so richtig zuordnen.

00:40:32: Aber es war halt einfach Hardcore-Internet-Pornografie, die er mir gezeigt hat.

00:40:37: Und auch gerade die Unfähigkeit von Kindern, eben das einzuordnen,

00:40:42: sowohl das, was man da sieht, als auch das, was man dann am eigenen Körper erfährt,

00:40:45: ist natürlich auch ein Problem, weil da eben die Grenze zu Gewalt nicht ganz gezogen werden kann.

00:40:52: Du bist dir nicht ganz sicher, ob die Leute sich nicht Gewalt antun. Und wirklich.

00:40:59: Ich war jetzt bei einer Grundschule, hab da einen Vortrag gehalten und da ging

00:41:04: es auch um Pornografie. Also vor den Lehrkräften hast du gesprochen.

00:41:08: Genau, ja. Und da wurde auch erzählt, dass ein Kind eben bei dem Fernsehen seiner

00:41:14: Eltern auf so einen Soft-Porno-Channel kam und ist dann, und das war die zweite

00:41:21: Klasse, ja, also wirklich ein kleines Kind.

00:41:23: Was auch nochmal krass ist. Ich finde, Nummer 12 ist nochmal ein ganz anderes

00:41:26: Alter als 8. Muss man auch sagen. Ich war 10.

00:41:30: War jetzt nur Soft-Pornos, aber trotzdem.

00:41:35: Und das Kind hat sich dann wahnsinnig dafür geschämt, dass es nicht aufhören

00:41:40: konnte, das die ganze Zeit anzugucken.

00:41:42: Und das ist wirklich wie so ein Unfall, weißt du?

00:41:47: Es war so krass und so viele Eindrücke, dass das Kind wirklich in den Bann gezogen

00:41:55: war. Das fand ich krass. Ja, total.

00:41:58: Das kann ich sehr gut nachvollziehen, weil so ähnlich habe ich mich halt damals

00:42:01: eigentlich auch gefühlt.

00:42:03: Und ich musste an dieses Gespräch, was ich mit meinem Kumpel vor so vier Jahren

00:42:09: hatte, über diesen Kack-Fetisch, musste ich daran denken oder musste ich in

00:42:13: den letzten Wochen und Monaten immer wieder daran denken, weil...

00:42:17: Ich auf Twitter immer wieder so Posts sehe.

00:42:22: Also die im Prinzip Screenshots sind, hauptsächlich von Instagram oder von TikTok,

00:42:26: von jungen, attraktiven Frauen, die in irgendeiner Form Content produzieren

00:42:32: oder ihr Outfit zeigen oder ihr Make-up oder was auch immer.

00:42:35: Und das wird quasi auf Twitter gescreenshottet und geteilt.

00:42:39: Und dann steht da sowas drüber wie stell dir vor, mit wie vielen Männern die

00:42:45: die in ihrem College-Dormroom schon Sex hatte.

00:42:48: Also es findet da eine misogyne Abwertung von dieser unbekannten Frau statt,

00:42:55: einfach indem sich irgendein anonymer Twitter-Troll-Account sich darüber aufregt,

00:43:00: mit wie vielen Männern sie wohl Sex hatte.

00:43:02: Einfach basierend darauf, dass sie eine junge, attraktive Frau ist,

00:43:05: die vielleicht, keine Ahnung, aufs College geht oder was auch immer.

00:43:09: Und dann, wenn man so in die Kommentare schaut, geht es die ganze Zeit weiter.

00:43:14: Also es findet die ganze Zeit eine wahnsinnig frauenfeindliche Abwertung von

00:43:19: dieser Person statt, basierend auf ihrem angenommenen Sexualverhalten.

00:43:25: Und,

00:43:27: Sowas in verschiedenen Ausprägungen der Explizitheit und so weiter ist mir dann

00:43:32: immer wieder untergekommen.

00:43:33: Und wenn man so einmal auf so einen Post klickt, weil es halt so absurd ist,

00:43:36: dann werden einem ja immer wieder neue vorgeschlagen.

00:43:38: Immer wieder. Und man muss dazu sagen, dass Twitter auch spätestens seit Elon

00:43:42: Musk ja auch überhaupt gar keine Grenzen mehr hat, was das angeht.

00:43:46: Also du kannst richtig Pornografie auf Twitter auch konsumieren.

00:43:50: Es gibt auch Leute, die haben reine Pornaccounts auf Twitter.

00:43:53: Aber das war auch schon davor.

00:43:55: So krass auch? Das weiß ich nicht, aber Twitter war auch schon vor dem Kauf

00:44:00: durch Elon Musk die eigentlich einzige populäre Social-Media-Plattform,

00:44:05: wo man halt tatsächlich,

00:44:06: also wo Leute nackt sein konnten und halt tatsächlich einfach Porno-Videos teilen konnten.

00:44:11: Aber naja, also auf jeden Fall ist es eine wahnsinnig misogyne Postingpraxis,

00:44:17: die da vollzogen wird, aber die halt oft in so ein sexuelles Begehren überschwappt.

00:44:25: Aber dieses sexuelle Begehren drückt sich dadurch aus, dass sich also offensichtlich

00:44:30: hunderte oder tausende anonyme oder nicht anonyme junge Männer auf Twitter sich vorstellen,

00:44:37: wie diese Frau Sex mit anderen Männern hat, die nicht sie sind.

00:44:41: Also es wäre ja eine Sache, quasi wenn diese offensichtlich irgendwie verbitterten

00:44:47: und einsamen jungen Männer eine schöne Frau im Internet sehen und sich dann

00:44:52: vorstellen, wie sie mit ihr Sex haben.

00:44:54: Also das wäre so ein sexuelles Begehren quasi, sag ich mal, auf so einer ersten Ebene.

00:44:59: Und was da aber eigentlich passiert,

00:45:01: ist, dass das auf so eine zweite Ebene gerückt wird. Also man stellt sich vor,

00:45:05: wie jemand anderes, wie ein anderer Mann oder viele andere Männer mit dieser Frau Sex haben.

00:45:11: Und dann regt man sich darüber auf, aber da schwingt ganz oft auch ein wahnsinnig

00:45:17: libidinöses Moment mit. Das erinnert mich voll an Rolf Pohl.

00:45:21: Das ist so ein Sozialpsychologe, der mit Feindbildfrau ganz ähnliche Sachen erklärt hat.

00:45:26: Also er hat versucht darzustellen, inwiefern eine männliche Sexualität eine

00:45:32: ist, in die Aggression eingelassen ist. Also diesen Zusammenhang zwischen beidem.

00:45:37: Man muss jetzt nicht allem folgen, aber so im Großen sagt er,

00:45:40: es gibt eine narzisstische Kränkung, die Männer erfahren.

00:45:43: Weil Männer, also es gibt sehr starke Ideale, die werden, es hat sehr viel mit

00:45:47: Leistung zu tun, um ein Mann zu werden.

00:45:50: Daran scheitern viele Männer. Und gerade wenn du diese Incels eben betonst,

00:45:53: die dann halt alleine sitzen, keine Beziehungen zu Frauen haben,

00:45:55: keinen Sex haben und so. Also sie fühlen sich in dem, was ihr Anrecht als Mann

00:45:59: sein sollte, in der patriarchal geprägten Gesellschaft natürlich gekränkt.

00:46:03: Also es gibt eine narzisstische Kränkung.

00:46:04: Und gleichzeitig gibt es ein sexuelles Begehren, weil sie heterosexuell sind,

00:46:08: weil sie auf Frauen stehen, weil sie Frauen brauchen, damit ihre sexuellen Lüste

00:46:14: auch befriedigt werden können oder könnten.

00:46:16: Und Rolf Pohl sagt, dass genau zwischen diesen beiden Momenten,

00:46:20: also der narzisstischen Kränkung auf der einen Seite und dem sexuellen Begehren

00:46:22: auf der anderen Seite, eine Sache vermittelt, nämlich die Aggression.

00:46:26: Weil die Aggression verbindet sowohl die Hingezogenheit zum Objekt,

00:46:32: was man zerstören möchte. Also um es zu zerstören, muss ich erstmal dahin.

00:46:35: Und das wäre so die Bewegung hin zum Beispiel zur Frau, die ähnlich ist wie das sexuelle Begehren.

00:46:40: Und die Zerstörung ist dann das, was die narzisstische Kränkung befrieden kann.

00:46:45: Dass das Objekt zerstört werden muss, damit man eine machtvolle Position behauptet.

00:46:49: Also diese Scham, die sich umschlägt in Gewalt und daraus aber ein sexuelles

00:46:54: Begehren auch zieht. Ich finde, das kann man damit ganz gut eigentlich erklären.

00:46:58: Also diese Art von Posts hat mich halt dann einfach extrem an diese...

00:47:03: Positionen erinnert, die man halt bei der Konsumtion von Pornografie einnimmt.

00:47:10: Also das sind würde ich sagen maßgeblich junge Männer im Internet.

00:47:15: Deren sexuelle Sozialisation oder deren sexuelle Entwicklung halt ganz entscheidend

00:47:22: durch Hardcore Internetpornografie geprägt wurde, auf die sie halt Tag und Nacht Zugriff hatten.

00:47:28: Und das führt eigentlich dazu, dass sie ein sexuelles Begehren was sie vielleicht

00:47:34: erleben, wenn sie halt eine attraktive Frau im Internet sehen,

00:47:38: nur noch über diese also wie du sagst, durch diese Aggression ausdrücken können,

00:47:43: aber auch nur noch durch eine.

00:47:46: Also durch diese zweite Ebene, also dass sie sich gar nicht mehr vorstellen,

00:47:50: selber mit dieser Frau zu interagieren, sondern sie stellen sich nur einen Mann

00:47:54: oder viele Männer vor, fremde Männer, die mit dieser Frau dann Sex haben.

00:48:00: Und das gibt es dann in ganz vielen anderen Variationen, also dass quasi auch

00:48:03: noch, sag ich mal, eine rassifizierende Abwertung da rein geht,

00:48:07: also von wegen irgendwelche, keine Ahnung, die Araber,

00:48:11: die in unser Land kommen und wahrscheinlich haben die alle Sex mit der blonden

00:48:16: Frau und so weiter und so fort.

00:48:17: Das wäre jetzt die weiße, die AfD-Version, die deutsche, aber ganz oft so in

00:48:22: einem US-amerikanischen Feld ist das ja einfach der schwarze Mann,

00:48:27: der dann irgendwie als besonders leidenschaftlich auftritt und entsprechend

00:48:31: gut bestückt, also da extrem rassistische Stereotype aufgerufen werden.

00:48:37: Also da findet eine Vermischung statt.

00:48:38: Vielleicht noch ein Gedanken zu dieser Aggression, weil wenn du sagst,

00:48:41: das ist ja alles, also sie werden gekackt die ganze Zeit und erfahren so eigentlich

00:48:46: den einzigen Zugang zur Sexualität.

00:48:48: Dann könnte man noch weitergehen. Andrea Longchuh hat ein Essay geschrieben,

00:48:51: der heißt Females, den hast du ja auch gelesen, habe ich dir ja empfohlen.

00:48:54: Da hast du ein Video drüber gemacht.

00:48:56: Da hast du ein Video drüber gemacht mit weitreichenden Folgen,

00:48:59: die wir hier nicht aufrollen brauchen.

00:49:00: Aber da sagt sie ja auch, dass das Gucken von Pornografie uns in dem Sinne alle

00:49:05: feminisiert, als dass wir alle jetzt in einem stereotypischen Sinne ausgeliefert

00:49:09: sind, dass wir passiv sind, dass wir ohnmächtig sind.

00:49:11: Also genau das an einer Rolle oder Position einnehmen, was eigentlich Frauen zugeschrieben wird.

00:49:18: Also es findet ja für diese Männer dann ja auch eigentlich in ihrem Pornokonsum

00:49:22: ein bisschen versteckt oder verdeckt eine Feminisierung statt,

00:49:27: die dann auch nochmal aggressiv bekämpft werden muss ja.

00:49:33: So, all das hat mich umgetrieben.

00:49:37: Und dann habe ich mich erinnert an einen Artikel, den ich vor Ewigkeiten mal

00:49:41: gesaved habe, weil du wirst wahrscheinlich ähnlich sein, dass du irgendwelche

00:49:46: Artikel im Internet siehst und dann speicherst du die ab und viele davon liest du nie,

00:49:51: oder? Okay, gut, dann bin ich nicht der Einzige.

00:49:54: Aber dann habe ich mich daran erinnert, tatsächlich an einen Artikel,

00:49:57: den ich noch nicht gelesen hatte und ich habe ihn gefunden.

00:50:00: Genau über dieses Thema. Er heißt The Goon Squad.

00:50:04: Ich wusste es. Es ist The Goon Squad. Ich wusste es.

00:50:09: Der ist erschienen im November 25, also ungefähr ein halbes Jahr alt,

00:50:14: im Harper's Magazine, geschrieben von Daniel Kollitz. Der ist crazy.

00:50:20: Also wirklich, jeder, der das hört, muss diesen Artikel lesen, diesen Essay.

00:50:24: Jetzt sind wir genau in der Position. Ich sage die ganze Zeit,

00:50:27: ja, die Zukunft des Lesens und die Auslagerung des Lesens.

00:50:30: Diesen Artikel, den müsst ihr nicht von uns hören, den müsst ihr mal lesen.

00:50:35: Ganz immersiv. Der Untertitel zu dem Artikel ist, oder zu diesem Essay,

00:50:40: eigentlich ist es kein Artikel, das ist ein richtiger Essay.

00:50:43: Loneliness, Porn's Next Frontier and the Dream of Endless Masturbation.

00:50:49: Und dann habe ich den tatsächlich gelesen, weil ich mir dachte,

00:50:52: vielleicht geht es da um auch diese Erniedrigung. Also den Kackchair.

00:50:58: Und Spoiler, ja, ich wurde fündig und ich war so glücklich, weil das hat alles

00:51:03: so ein bisschen weiter zusammengefügt und ich will einfach so ein bisschen daraus

00:51:07: passagenweise jetzt vorlesen.

00:51:09: Also der Autor Daniel Kollitz im Rahmen seiner Recherche spricht mit mehreren

00:51:17: Leuten aus dem Gooniversum.

00:51:19: Das Gooniversum ist im Prinzip einfach nur ein Bereich des Internets, wo es um Gooning geht.

00:51:24: Also Gooning, wie du schon korrekt beschrieben hast, das eigentlich endlose

00:51:29: Masturbieren, ohne dass es direkt um einen Orgasmus geht.

00:51:34: Also es ist gar nicht so ein wirklich zielgerichtetes Orgasmus.

00:51:37: Masturbieren, sondern... Also das wäre jetzt auch anders als Edging.

00:51:39: Also Edging geht ja darum, dass man den Orgasmus hinauszögert,

00:51:42: bis man irgendwann wirklich auch kommt.

00:51:44: Bei Guning ist das aber nicht der Fall. Bei Guning geht es halt auch gar nicht

00:51:47: so primär um Masturbieren. Also es geht schon um Masturbieren,

00:51:50: aber es geht primär um Pornos.

00:51:51: Also es geht primär um den Konsum

00:51:53: von massenweise Pornos und von auch kurz geschnittenen Porno-Videos.

00:51:59: Also quasi der TikTok-ifizierung von Pornos.

00:52:03: Also dass hunderte Pornos in so drei Minuten.

00:52:07: Edit geschnitten werden und dann läuft so Musik im Hintergrund und dann,

00:52:11: also im Prinzip ja eigentlich wie ein großer LSD-Trip und er beschreibt das

00:52:16: auch sehr, sehr gut Er beschreibt das sehr,

00:52:17: sehr gut und dann trifft er hier also der Autor, Daniel Kollitz,

00:52:22: trifft dann zum Beispiel halt verschiedene Leute aus dieser Area des Internets

00:52:26: zum Beispiel hier, Wristband Guy,

00:52:28: Wristband Guy, it turns out, has zero tolerance for those Gen-Zilas who flaunt

00:52:33: their degradation who brag about going multiple days or not eating or skipping work or school.

00:52:40: He told me, if someone says, oh, I've gone for six hours straight when everyone

00:52:44: else is saying congratulations, I'm saying, hey, are you staying hydrated?

00:52:48: Are you taking meal breaks? Ganz kurz, staying six hours, heißt,

00:52:51: dass sie sechs Stunden am Stück halt Pornos gucken oder halt diese Uningsammenschutz oder so.

00:52:58: Maybe you need to get some sleep. The goal, said RISPAN guy,

00:53:01: is to foster the conditions for a long, healthy Goon-Life.

00:53:05: I saluted Rispens-Guy efforts while suspecting they were futile,

00:53:10: roughly equivalent to trying to stave off a tornado by double-locking the front door.

00:53:15: Healthy Gooning, as any Gooner can tell you, is an oxymoron.

00:53:19: In this world, I was coming to learn, the degradation is the point.

00:53:24: Und dann geht es explizit um das, was ich,

00:53:28: gerade beschrieben habe. Aber war das der Rissband-Guy, war das der Typ,

00:53:32: der diese Partys auch organisiert? Genau, der hat die Gooning-Partys.

00:53:36: Und das ist eigentlich lustig, weil es war wie so eine Relikt aus so einer analogen

00:53:40: Welt, der so eigentlich Gangbangs oder so Gruppen-Vix-Sessions veranstaltet,

00:53:46: während alle eigentlich... Ich dachte, das wären LAN-Partys. Ja, stimmt.

00:53:49: So LAN-Partys, aber halt Goon-Partys.

00:53:53: So, es geht weiter im Text. If there is any coherent message to the sprawling

00:53:57: folk art practices of goon world, it is this, kill yourself.

00:54:02: Not literally, but spiritually.

00:54:04: Where mainstream porn invites the straight male viewer to imagine himself as the man on screen,

00:54:11: gooner porn constantly reminds viewers that they are alone, that they are masturbating

00:54:16: to porn because no one would ever deen to sleep with them.

00:54:20: Ruin your mind, go deeper, give up on life. These are goon porn's basic slogans,

00:54:27: the movement's rallying cries.

00:54:29: Also es geht, und hier unten im Absatz ist dann noch hier, bla bla bla.

00:54:34: In the introduction to his recent video, follow me, a woman's voice whispers

00:54:39: ominously or perhaps sexily that over 210 million people worldwide are addicted to social media.

00:54:48: You are one of those people. Keep scrolling further, deeper,

00:54:51: forever and ever. Submit. to Porn. You can't turn back.

00:54:56: Also, das finde ich auch interessant. Das merke ich jetzt erst so beim Lesen.

00:55:00: So further, deeper, forever, also quasi so Sätze, die man sonst,

00:55:05: die auch sonst vielleicht in Pornografie vorkommen, werden da so umgemünzt in nicht,

00:55:11: tiefer in dem Sinne, sondern tiefer, falltiefer in Social Media rein.

00:55:16: Falltiefer in das Gooniversum im Internet rein. Bei Social Media geht es ja...

00:55:22: Nee, also isolier dich noch weiter, fall noch weiter in diesen Wirbel von quasi,

00:55:28: ja, Goon-Material, weil dich wird niemals jemand lieben und dich wird niemals

00:55:34: jemand ficken und deswegen bist du hier im Goon-Iversum.

00:55:37: Und das fand ich so interessant, weil es hier am Anfang ja ganz konkret darum

00:55:43: geht, Mainstream Porn invites the straight male viewer to imagine himself as the man on screen.

00:55:49: Und ich glaube, da hat man es vielleicht sogar schon mit einer Fehlspezifikation

00:55:53: zu tun, dass die Internetpornografie und vor allem diese Massen,

00:55:59: diese Millionen von jungen Männern oder Teenagerjungen, die durch Internetpornografie

00:56:06: ihre sexuelle Entwicklung geprägt bekommen haben,

00:56:10: die stellen sich vielleicht gar nicht mehr vor, dass sie der Mann in dem Porno sind.

00:56:17: Sondern die sind einfach zufrieden damit, im Cockchair zu sitzen.

00:56:21: Also die haben sich im Prinzip mit dieser hilflosen Situation abgefunden,

00:56:25: weil sie es gar nicht anders kennen.

00:56:27: Weil es vielleicht nochmal was anderes ist, wenn man eine normale sexuelle Entwicklung

00:56:34: durchmacht, dass man irgendwann...

00:56:36: Seine ersten sexuellen Begegnungen macht und so weiter und so fort.

00:56:39: Und dann im Laufe des Lebens entsteht irgendwann Internetpornografie und man

00:56:43: bekommt quasi, man wird diesen wahnsinnigen Reizen ausgesetzt.

00:56:48: Und ich glaube, dass daher die Vorstellung kommt, dass der Sinn von Pornografie

00:56:53: ist, sich vorzustellen, man würde da teilnehmen, weil man es ja primär von sich selber kennt.

00:56:59: Aber wenn man das selber gar nie anders gelernt hat, Also wenn die sexuelle

00:57:04: Entwicklung durch den Kackchair kommt, also durch den digitalen Kackchair.

00:57:09: Dann weiß man ja gar nicht, wie soll ich mich denn fühlen, wenn ich mich in

00:57:13: den Typen jetzt hineinversetze.

00:57:14: Und dann ist das auf einmal, das wird auch in dem Artikel beschrieben,

00:57:17: dann geht es um Performanceangst. dann geht es darum, was, wenn ich meine Partnerin

00:57:21: oder meinen Partner nicht befriedigen kann, was, wenn ich, weiß ich nicht,

00:57:24: wenn mein Körper nicht so funktioniert, wie ich mir das vorstelle.

00:57:27: Und das ist alles stressig. Und deswegen gibt es eventuell, würde ich sagen,

00:57:31: halt eine riesige Generation von jungen Männern, die sich gar nicht mehr vorstellen,

00:57:35: dass sie tatsächlich in diesem Porno mitspielen, den sie halt schauen,

00:57:38: sondern die wirklich einfach nur in dieser hilflosen dritte Person Perspektive sind.

00:57:44: Und diese ganze Sache mit dem Gooning, also mit dem wirklichen,

00:57:48: mit einer Pornografiekonsumtion,

00:57:54: die gar nichts mehr so primär mit Masturbation zu tun hat, sondern wirklich

00:58:00: nur noch mit dem Akt des Pornoschauens,

00:58:05: dass das ganz maßgeblich aus dieser oder durch diese durch dieses digitale Sitzen

00:58:12: im Cuckchair befördert wird. Verstehst du, was ich meine?

00:58:16: Ich kann das sehr gut verstehen und ich versuche auch nochmal das so ein bisschen

00:58:21: nachzuvollziehen, weil ich das nur aus einer queeren Perspektive kenne und.

00:58:26: Tatsächlich in dem Artikel auch gar nicht die Geschlechtlichkeit,

00:58:30: der an den Pornos Beteiligten adressiert worden ist.

00:58:32: Und da bin ich vielleicht als Person, die einfach schon immer Trouble hatte,

00:58:37: sich mit Männlichkeit zu assoziieren, naja, so habe ich andere Fragen gehabt,

00:58:43: auch schon als Kind oder als Teenager oder so.

00:58:46: Und dass deswegen Fragen der Geschlechtlichkeit oder der geschlechtlichen Körper

00:58:49: sich viel dringlicher gestellt haben.

00:58:51: Also wenn ich in die Verlegenheit kam, heterosexuelle Pornografie zu konsumieren,

00:58:57: dann war es für mich viel interessanter, mich auch hineinzuversetzen,

00:59:05: also in den Mann und in die Frau gleichzeitig.

00:59:08: Also, dass ich viel mehr mit dieser Geschlechtlichkeit gespielt habe und gar

00:59:12: nicht irgendwie den Bedarf hatte, dass jetzt eine Figur mit einem Körper,

00:59:18: der männlich ist, irgendwie mir möglichst gleichen muss, damit ich mich da hineinversetzen kann.

00:59:22: Sondern es war gerade die Verschiedenheit der Körper und die Verschiedenheit

00:59:26: der Geschlechter, die ich irgendwie interessant fand, wo ich gemerkt habe, okay, da...

00:59:32: Da ermöglicht das Hineinversetzen eine ganz andere eigene Körpererfahrung.

00:59:37: Aber das findet ja bei diesem Gooning gar nicht statt.

00:59:40: Es ist ja wahrscheinlich auch ein sehr heterosexuelles Phänomen.

00:59:43: Ich meine, in dem Artikel, wenn ich mich recht entsinne, versucht er auch diese

00:59:46: homosoziale Gemeinschaft, die dann steht unter den Goonern, die dann auch Goon-Porn

00:59:50: austauschen und in den entsprechenden Discord-Servern aktiv sind,

00:59:54: so zu framen als so by curiosity.

00:59:56: Also, dass sie so bisexuelle, latente Sachen am Laufen haben.

01:00:01: Und da muss ich ganz ehrlich sagen, bin ich ein bisschen raus.

01:00:05: Also homosoziales Verhalten, also auch ein sehr intimes homosoziales Verhalten

01:00:09: ist noch nicht homoerotisch.

01:00:10: Das kann auch um Sexualität gehen. Aber ich denke nicht, dass da wirklich die

01:00:14: Grenze überschritten ist, dass diese Beziehung selber nochmal libidinös besetzt

01:00:18: wurde oder dass diese Beziehung selber zu sexueller Erregung geführt hat.

01:00:21: Also das fand ich irgendwie nicht so wahnsinnig überzeugend.

01:00:24: Ich glaube schon, dass das auch unter sehr heterosexuellen Männern passiert,

01:00:28: auch mit einer relativ, ich würde mal sagen, in Anführungsstrichen stabilen

01:00:31: heterosexuellen Identität.

01:00:33: Also ich teile sowieso nicht die These, das gibt es ja auch in der Psychoanalyse

01:00:36: von dieser konstitutionellen Bisexualität, also dass wir eigentlich alle,

01:00:41: polymorph pervers würde Freud sagen, geboren worden sind.

01:00:44: Also erst mal die Begehren frei walten. Und ja, es gibt natürlich auch ungeschlechtliche

01:00:49: Begehren, aber er würde dann sagen, dass es halt heterosexualität und homosexualität

01:00:52: ist, eine Form von Zurichtung, die passieren muss, um dieses polymorph perverse

01:00:56: oder diese grundlegende Bisexualität von Menschen auszuschalten.

01:01:00: Das würde ich sagen, ist viel zu überzogen und sehe ich auch empirisch einfach

01:01:04: nicht gegeben. Ich würde schon sagen, dass in einer.

01:01:07: In der Welt, in der Heterosexualität so eine starke Norm noch ist,

01:01:10: Bisexualität eher so eine Zwischenexistenz hat, oft das nicht zugelassen wird,

01:01:15: auch dieses By-Curious-Sein, also vielleicht ein bisschen Interesse daran haben,

01:01:19: einfach nur zu knutschen oder so, ein bisschen Händchen zu halten,

01:01:21: ein bisschen zu kuscheln oder so,

01:01:23: dass das tendenziell wenig Luft hat in heterosexuellen Räumen,

01:01:26: das sehe ich, aber da jetzt sofort so eine krasse Homoerotik draus zu konstruieren,

01:01:30: nur weil zwei Typen Pornos austauschen, das war mir tatsächlich ein bisschen zu streng.

01:01:34: Also es geht bei diesem Guning, will ich damit sagen, wirklich nicht so viel

01:01:37: um sexuelle Orientierungen.

01:01:40: Nee, es geht, also, ich habe mir überlegt, ob ich so den finalen Twist von diesem

01:01:46: Artikel, von diesem Essay Spoiler, also worum es dem Autor eigentlich geht,

01:01:52: also was so seine finale Konklusio ist, aber ich finde,

01:01:55: das sollte jeder für sich selber erleben, also das sollte jeder für sich selber lesen.

01:01:59: Willst du sozusagen edgen oder willst du die Leute jetzt im Gunstate?

01:02:02: Nee, ich will die Leute edgen, weil der Goon-State, also gut,

01:02:06: dass du das nochmal ansprichst, weil das möchte ich nochmal erklären.

01:02:09: Was ist denn der Goon-State?

01:02:11: Da ist es wichtig, dass ich Folgendes vorlese.

01:02:15: For one thing and crucially, most Gooners do not regularly masturbate for 8

01:02:20: to 12 hours at a stretch, as I had initially been led to believe.

01:02:25: They tend to do that only a few times a month, was immer noch total krass ist.

01:02:30: The rest of the time masturbating for, and I really did try to calculate this,

01:02:35: an average of two or three hours a day, was auch insane ist.

01:02:41: In other words, the goon state, so central to the subculture's branding and

01:02:46: self-conception, is only rarely attained.

01:02:48: A sizable minority of respondents claimed never to have reached it,

01:02:52: although no one doubted its existence. like Rönneshai or Epiphany in prayer,

01:02:57: the goon state is not the point of the practice, but rather its occasional and unbidden reward.

01:03:03: You'll never get there if you don't put in the work.

01:03:06: As for what being there refers to, what the goon state actually feels like,

01:03:11: a sampling from the questionnaire should get the point across.

01:03:14: Und dann Zitat, it's like being high while being high.

01:03:19: Und das fand ich so interessant, dass es da so verglichen wird mit Runners High

01:03:23: oder mit so einer Erleuchtung, die man beim Gebet erlangt.

01:03:28: Und dass es dann auch so eine Sache ist, die dann gar nicht oft passiert,

01:03:33: sondern es hat wirklich was so, was extrem Rituelles.

01:03:36: Also es geht eben nicht mehr um den Orgasmus, den man durch Masturbation möglichst

01:03:41: effizient vielleicht und auch möglichst zeitsparend irgendwie erreichen will

01:03:46: und dann quasi weiter geht's.

01:03:47: Sondern es hat wirklich was Meditatives.

01:03:51: Nur indem man sich halt stundenlang dieses wahnsinnig menschenfeindliche Material anschaut.

01:03:58: Über die Produktion von Pornografie, müssen wir an der Stelle gar nicht reden,

01:04:03: dass es für eigentlich alle Beteiligten, bis auf die Leute, die halt Geld damit

01:04:06: machen, eine wahnsinnig gewaltvolle Erfahrung ist.

01:04:11: Da gibt es ganz viele tolle Artikel und Dokumentationen darüber,

01:04:15: wie zum Beispiel diese Amateur-Porn-Industry in Miami oder so funktioniert,

01:04:20: was einfach super nah an Menschenhandel ist die meiste Zeit.

01:04:24: Sondern der Schaden, der dadurch entsteht,

01:04:27: Ist eben nicht nur bei den Beteiligten, sondern auch bei den Leuten,

01:04:30: die es konsumieren, vor allem wenn sie halt sehr jung sind, die dann in einen

01:04:34: Zustand kommen oder in einen Zustand später im Leben, wo sie es offensichtlich

01:04:39: als erstrebenswert sehen.

01:04:41: Nur zwei oder drei Stunden jeden Tag zu goonen und den Goon-State zu verfolgen,

01:04:49: dem Goon-State nachzujagen, wo man gar nicht so richtig weiß,

01:04:53: den gibt es schon irgendwie für diese Leute, aber den haben nur ein paar jemals erreicht.

01:04:59: Und also das ist einfach so grotesk.

01:05:04: Es ist einfach so wahnsinnig grotesk. Und aus diesen Thesen über dieses Rituelle

01:05:10: und auch über den Goon State und was das eigentlich ist und was diese Leute

01:05:13: da eigentlich dann stundenlang machen.

01:05:16: Folgt eben am Ende von dem Artikel eine Konklusio, die ich hier aber nicht vorwegnehmen möchte.

01:05:21: Und das sollte jeder für sich selber lesen. Aber es ist auf jeden Fall ein wahnsinnig

01:05:27: interessanter Artikel,

01:05:29: der mich über meine eigene Sozialisation nachdenken lässt, weil ich eben auch...

01:05:41: Diese Pornografie und Internetpornografie kennengelernt habe,

01:05:45: durch diese Erfahrung, die ich vorhin geschildert habe, wo mein Kumpel mir das

01:05:48: gezeigt hat nach diesem Spaziergang,

01:05:50: einfach lange bevor ich wusste, also ich wusste, was Sex ist,

01:05:54: aber lange bevor man irgendwie das an der eigenen Person erlebt oder bevor man

01:06:00: da sich konkrete Gedanken drüber machen kann.

01:06:03: Und was mit offensichtlich vielen Leuten passiert, die eine ähnliche Entwicklung hatten,

01:06:11: die vielleicht noch ein bisschen jünger sind, die jetzt einfach alle wahnsinnig

01:06:16: einsam sind und ziemlich beschissene Leben führen.

01:06:20: Und auch dafür lohnt es sich, diesen Artikel zu lesen und aus eurem,

01:06:27: wenn ihr das hört, aus eurem Kack-Chair des Lesens aufzustehen und nicht mehr

01:06:32: nur uns für euch lesen zu lassen,

01:06:34: sondern einfach mal selber zu lesen. Raus aus dem Kack-Chair.

01:06:39: Man kann ja auch übrigens erotische Geschichten lesen, beispielsweise auf Literotika

01:06:44: oder für die Queers of Nifty.

01:06:46: Das sind sehr alte Seiten, wo hunderttausende Leute teilweise mal mehr,

01:06:53: mal wenig literarisch anspruchsvolle Werke verfasst haben.

01:06:56: Also auch hier lässt sich beides verbinden. Und ich würde dir schon eine Lanze

01:06:58: brechen für Pornografie als eine Form des menschlichen Ausdrucks und menschlicher

01:07:04: Erotik, die wirklich in jede Richtung gehen kann.

01:07:08: Also jetzt nur Pornografie auf diese Gefahr von so gruner Kulturen zusammenzudampfen

01:07:14: und darin nur Menschenhandel zu sehen, ist auch einfach verkürzt.

01:07:18: Also dafür ist das Genre einfach zu breit und nicht nur das filmisch dargestellte,

01:07:25: sondern auch wirklich das Künstlerische und das Schriftstellerische.

01:07:29: Das muss ja nicht alles wertvoll sein, der SMAT, aber da gibt es viel zu holen

01:07:33: und ich finde es ganz wichtig, dass das ja auch eine Entwicklung sein kann, eben manche Dinge...

01:07:39: Die müssen nicht nur nicht erfahren werden, sondern sollen auch gar nicht erfahren werden.

01:07:43: Ich möchte auch von Dingen lesen oder Dinge sehen, jetzt nicht unbedingt vielleicht

01:07:48: in live, aber vielleicht auch in irgendwelchen Comics oder so etwas,

01:07:52: die eben unmöglich sind, einfach weil menschliche Imagination über Grenzen gehen darf.

01:07:57: Also das ist, und Menschen sind in der Lage, das auch zu trennen.

01:08:01: Das ist ja auch was, was so Studien immer wieder zeigen, dass auch Jugendliche

01:08:05: und so sehr klar unterscheiden können zwischen, das ist eine pornografische

01:08:09: Situation, die ist gestellt, die ist inszeniert, die ist geschnitten.

01:08:12: Und das ist nicht echter Sex.

01:08:16: Ich finde das auch wichtig, dass man das betont, weil sonst ist man ganz schnell

01:08:19: bei diesem Killerspiel-Argument. Also dass Killerspiele dazu führen,

01:08:22: dass Leute Amokläufe führen.

01:08:23: It's not that simple. Also das ist einfach eine eindeutige Verkürzung.

01:08:28: Deswegen wollte ich noch mal so kurz anmerken. Ich stimme dir dazu.

01:08:32: Ich habe nur die Sorge, dass vor allem eben in einer kapitalistischen Ökonomie

01:08:37: die Ausbeutung, die durch diese Kunstformen,

01:08:42: ermöglicht wird, einfach die nicht oder die deutlich weniger ausbeuterischen

01:08:49: oder nicht ausbeuterischen Praktiken so stark überlagert,

01:08:53: wie es bei wenig anderen Kunstformen so ist. Ich verstehe.

01:08:58: Bei Filmen gibt es irgendwelche Kunstfilme, die offensichtlich nicht produziert werden für Profit.

01:09:03: Da verdient niemand dran was. Das sind alles arme Schlucker,

01:09:06: die diese Filme produzieren oder halt einfach so reich, dass ihnen alles egal ist.

01:09:10: Und dann gibt es quasi die kommerziellen Filme, wo der künstlerische Anspruch

01:09:16: dahinter halt eher so sehr gering ist.

01:09:20: Und ich glaube, dass das explizite sexuelle Begehren, was man durch Pornografie anspielt,

01:09:31: dass es im Prinzip diese Ausbeutungsdynamiken einfach ganz stark oder verstärkend

01:09:38: zum Vorschein bringt. und,

01:09:41: dass deswegen die Formen, die Pornografie in der Theorie annehmen kann oder

01:09:47: in der Minorität tatsächlich annimmt, eben so überschattet werden von einfach

01:09:53: der Ausbeutungsindustrie.

01:09:55: Die bei dieser Kunstform halt auch so viel schädlicher ist als jetzt bei einem

01:09:59: ausbeuterischen Filmkonzern usw.

01:10:02: Aber dann bleibt jetzt doch eigentlich am Ende doch der Appell,

01:10:06: einfach mehr zu lesen, lesen auch als subversive Praxis zu begreifen,

01:10:11: Weil wer liest, kann nicht arbeiten. Das ist wertvoll und wichtig.

01:10:14: Und wer liest, kann Welten betreten, die uns nicht zugänglich sind.

01:10:18: Oder Welten, die, wenn wir sie betreten würden, nur auf Schmerz und Ausbeutung basieren würden.

01:10:23: Die Webseiten, die ich auch genannt habe, die sind sowieso spendenfinanziert.

01:10:27: Also da ist jetzt kein Konzern irgendwie dahinter.

01:10:29: Und selbst Bücher ist nichts, womit man heute großes Geld verdient,

01:10:33: bis auf ganz, ganz wenige.

01:10:34: Also in diesem Sinne, ja, Lesen ist Punk.

01:10:39: Lesen ist Punk, Leute. Lesen ist Punk und Gunen ist nicht Punk,

01:10:43: Leute. Hört auf zu Gunen, fangt an zu lesen.

01:10:46: Wir sollten diesen Podcast dringend. Ich hätte jetzt noch eine Frage am Ende, lieber Ole.

01:10:52: Gehören Kings eigentlich auf den CSD? Stopp.

01:10:58: Okay, dann gibt es nochmal ein... Soll ich nochmal ein Statement? Nein, nein.

01:11:05: Das können wir über eine Viertelstunde geredet. Wenn du magst...

01:11:13: Der Monat ist ja noch ein bisschen lang.

01:11:16: Der Pride-Mind dauert noch ein bisschen lang. Liebe Leute, wenn ihr das hört,

01:11:19: Dienstagmorgen, heute Abend, Am Dienstagabend bin ich live bei Arte und diskutiere

01:11:25: über die Wehrpflicht. Um 19 Uhr schaut bei Instagram vorbei.

01:11:27: Es wird giftig. Ja, und wenn wir schon dabei sind, ich bin auch zu sehen.

01:11:31: Am 8.6. bin ich in München und werde da über Männlichkeit referieren und aus

01:11:36: meinem Buch Brutalfragile Typen lesen.

01:11:37: Und dann bin ich noch am 14.6. in Köln. Also kommt vorbei, 8.6.

01:11:42: In München, 14.6. in Köln.

01:11:44: Das wäre sehr nice auf meiner Webseite oder entsprechend auf meinem Instagram, TikTok usw.

01:11:51: Da kriegt ihr Links, wo ihr da Karten kaufen könnt, wo ihr da genau hinkommen müsst.

01:11:55: Sehr gut. Bis dann, ich freue mich. Tschüss, lieber Ole. Adieu.

01:11:59: Es hat Spaß gemacht. Tschüss.

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